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Renate Ui Lani Moschner tanzt nicht nur vor, sie erklärt auch, was man gerade tanzt. Ganz wichtig: „Immer lächeln!“ Aber auch wichtig: Die Disziplinierung des Körpers.

Kurse für hawaiianischen Hulatanz

Der Geist öffnet sich beim Hulatanz

Kirchdorf - Man tanzt die „Großmutter Eiche“. Man soll seiner Leber zulächeln. Und man soll das Leben genießen. Das ist Hawaiianischer Hulatanz. In Kirchdorf kann man diese Sprache des Herzens erlernen, sich in seine Geheimnisse einführen lassen. Renate Ui Lani Moschner bringt den Aloha-Spirit in den Landkreis.

Mitzubringen sind ein schwingender Rock, Blumen im Haar und ein Blütenkranz. Was sich zunächst nach einem typischen Klischee über Hawaii anhört, hat seinen tieferen Sinn: Mit den Röcken (allerdings keine Baströckchen!) und mit Blumen ehrt man den Hawaiianischen Hulatanz. Auch im Gewerbegebiet Kirchdorf, wo Renate Ui Lani Moschner Kurse gibt, nicht nur Schritte und Figuren des Hulatanzes lehrt, sondern auch die Hawaiianische Kultur und spirituellen Grundlagen des Tanzes vermittelt. Ihr Credo: „Der Hulatanz ist ein wertvolles Geschenk für unsere westliche Lebensform.“ Vier Abende dauert ein solcher Kurs in dem kleinen Seminarraum von Karina Glatschke. Man beginnt mit den Basics, Moschner zeigt die Schritte, dazu kommen die Armbewegungen. Schnell merkt man, wie der Hulatanz aufgebaut ist: Armbewegungen drücken den Text der Lieder aus, man empfindet und tanzt den Mond, die Palmen, den Wind, aber auch Wolken, den Sonnenaufgang, das Herz, man pflückt Blumen. Kurz: Man spürt, „dass wir Teil der Natur sind“, wie es Moschner ausdrückt.

Wer den Text der Hawaiianischen Lieder nicht versteht – und so dürfte es wohl den meisten Teilnehmerinnen gehen –, denen erklärt Moschner, was gerade gesungen wird und was man tanzt, zeigt die weichen und fließenden Bewegungen, tanzt vor. Und auch wenn der Hulatanz viel mit Spiritualität und Geist zu tun hat, auch wenn Moschner immer wieder dazu animiert, zu lächeln, auch wenn sie ganz gezielt auffordert, der eigenen Leber zuzulächeln, die viel ertragen müsse, so ist Hulatanz doch auch eine Sache der körperlichen Disziplinierung: Die richtige Spannung im Körper, die „Sitzhöcker“ in die richtige Position, kein Hohlkreuz, gerade stehen – es gibt auch technisch viel zu beachten beim Hulatanz. Und dann ein Basic-Schritt: „Eins – zwei – drei – tip!“ Und ganz wichtig: „Achtet auf eure Körper. Wenn es zwickt, ist die Bewegung zu stark.“ Als gute Lehrerin vermittelt Moschner nicht nur die Tanzfiguren, die Basics und die Hintergründe des Hulatanzes. Nein, Moschner lobt auch viel: „Super! Schön! Wow!“, sagt sie, wenn ihre Schülerinnen das Gelernte können, wenn sie Figuren und Bewegungen zum Lied mit dem Titel „Mein geliebter Morgentau“ beherrschen.

Die Musik, zu der Moschner (71) vortanzt und bei der die Schülerinnen beispielsweise merken sollen, wie die Lebensenergie auf sie wartet, kommt vom iPhone ihres Mannes. 300 Haiwaiianische Lieder hat er darauf gespeichert, erzählt er. Viele davon sind nur auf Hawaii zu bekommen. Drei Mal waren er und seine Frau inzwischen auf der karibischen Insel – immer gleich für mehrere Wochen und Monate. Dort hat Renate Uilani Moschner auch den Hulatanz von Kauila Reys erlernt. Hawaii ist überall. Auch auf dem Tisch im Übungsraum steht eine Zeitschrift. Titel: „Geo Spezial – Hawaii“. Hulatanz – das ist deshalb ein wichtiger Bestandteil Hawaiianischer Kultur, weil es auf der Karibikinsel früher keine Schrift gab. Lieder (Mele) und Tänze waren also die wichtigste Form, Geschichten und Mythen weiterzugeben. „Keine Eile, habt Geduld“, rät Moschner ihren Schülerinnen, das Innere sollen sie hören, sich selbst erfühlen. Es herrscht eine friedliche, eine ruhige, aber auch heitere Atmosphäre an den Übungsabenden. Und auch wenn es viel um Spiritualität und das Fühlen geht, auch wenn der Geist sich öffnen soll, vergeistigt ist die Stimmung nicht. Da ist es beispielsweise ganz normal und auch überhaupt kein Problem, dass eine Schülerin Moschner bei einem Tanz filmt, um später Zuhause den genauen Ablauf der Bewegungen noch zu wissen. Und ganz nebenbei lernt man auch noch ein bisschen Hawaiianisch: „E komo mai“ zum Beispiel: „Herzlich willkommen."

Andreas Beschorner

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