Für Abriss und Neubau ist das derzeitige Areal (rot) zu klein. Eine Fläche für Parkplätze (blau) musste bereits angemietet werden. Dazu gibt es einen Übungsacker (gelb).

Trotz vergeblicher Standort-Suche

DEULA-Chef kämpft um Verbleib in Freising

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Das DEULA-Gebäude ist so heruntergekommen, dass es für die Überbetriebliche Ausbildung nicht mehr lange nutzbar ist. Geschäftsführer Claus Ammer will unbedingt in Freising bleiben. Doch vier Jahre Grundstückssuche blieben erfolglos. Eine unmögliche Mission?

Freising

Die DEULA ist großartig. „In den Kursen hier lernt man deutlich mehr als im Betrieb oder der Berufsschule“, schreibt ein Lehrgangsteilnehmer über das Grüne Bildungszentrum in Freising. Er ist mit seiner Ansicht nicht allein. Rund 3000 Azubis nutzen im Jahr die Überbetriebliche Ausbildung. Lehrlinge aus unterschiedlichsten Betrieben lernen hier alles über Landwirtschaft und Gartenbau. Betriebswirtschaft und Grünflächenpflege. Hinzu kommt die Akademie Landschaftsbau. In der Erwachsenenbildung geht es um Betriebswirtschaft und Marketing, Recht und Landschaftsbau, Vegetationstechnik und Grünfläche. 

Das DEULA-Gebäude ist katastrophal. „Die Duschen sind immer kalt“, bemerkt der Lehrling, der die Ausbildung so sehr gelobt hat. „Das ist etwas übertrieben“, sagt Geschäftsführer Claus Ammer. „Aber es stimmt, dass die Heizung manchmal ausfällt.“ Und das ist noch nicht das größte Problem. Energetisch ist das Gebäude „untragbar“, die Installation von Elektro, Wasser und Sanitär ist „grenzwertig“, berichtet Ammer in einem Pressegespräch, zu dem er eingeladen hat, um auf die Missstände hinzuweisen. An schlechten Tagen regnet es durch das Dach ins Gebäude. Wasserschäden gehören zur DEULA wie das rote Maskottchen. „Kürzlich hat es aus den Duschen in die darunterliegende Etage getropft“, erzählt Ammer. Die daraus resultierenden Schäden im laufenden Betrieb immer wieder zu beheben, kostet viel Energie.

„Das Gebäude ist kaum sanierungsfähig“

Rund elf Millionen Euro an Kosten hat ein beauftragter Architekt für eine Generalsanierung geschätzt. Utopisch für die privat geführte DEULA, wahnwitzig auch in Anbetracht eines Gebäudes, das schon mit vielen Baumängeln erstellt wurde, wie Ammer betont. Das bestätigt auch Ulrich Schäfer, Präsident des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) Bayern, des Hauptgesellschafters der DEULA. „Das Gebäude ist kaum sanierungsfähig.“ Das beste wären ein Abriss und ein Neubau. Doch für eine zeitgemäßge Bildungsstätte ist das 1,6-Hektar-Areal zu klein. 

Ziel ist es, einen neuen Standort in Freising zu bekommen, wie Ammer und Schäfer betonten: „Wir wollen hierbleiben.“ Es ist kein Lippenbekenntnis. Seit vier Jahren sucht Ammer hartnäckig nach einem passenden Areal. Drei Hektar müsste es groß sein, um alle Abteilungen der DEULA beherbergen zu können. Doch es ist eine Mission, die Leidensfähigkeit erfordert. Nahe der Molkerei Weihenstephan hat der Geschäftsführer ein Grundstück gefunden. Doch die Pläne platzten, weil es sich hier um ein Sondergebiet für die 3. Startbahn handelt. „Da können wir kein Schulgebäude errichten.“ Zweiter Anlauf: Gründerzentrum. Auch dort gebe es ein Areal. Der Freistaat aber verlangt laut Ammer einen Pachtzins von 150 000 bis 200 000 Euro pro Jahr – finanziell nicht zu stemmen. 

Bleibt noch eine dritte Lösung, bei der die DEULA auf die Hilfe der Stadt angewiesen wäre. Die Einrichtung könnte ein Grundstück in den Clemensängern erwerben, doch nur dann, wenn man den derzeitigen Standort an der Wippenhauser Straße mit gutem Preis verkaufen kann – mit entsprechendem Baurecht für den Investor. Der Flächennutzungsplan ist derzeit aber nur auf Forschung und Lehre ausgelegt. Laut Ammer sehe man im Rathaus bisher nicht die Möglichkeit, den zu ändern. „Vielleicht hilft der Artikel ja, dass sich doch noch etwas tut“, hofft er.

CSU-Ortsvorsitzender reagiert

Eine Reaktion gibt es bereits, nachdem das FT am Donnerstag über das DEULA-Dilemma berichtet hat. „Mit Erschrecken haben wir zur Kenntnis genommen, dass die DEULA förmlich dazu gezwungen ist, den Standort Freising in Teilen aufzugeben“, teilt der Freisinger CSU-Ortsverbandsvorsitzender Jürgen Mieskes mit. Es entspreche nicht der Vorstellung der CSU von vorausschauender städtischer Strukturpolitik, dass eine etablierte Schulungseinrichtung nicht die volle Unterstützung der Stadt erhalte. Mieskes plädiert dafür, Baurecht zu schaffen, das der DEULA den Verkauf ihres Grundstücks ermöglicht. Seine Idee: Die unter Wohnungsdruck leidende Stadt soll auf dem Areal Wohnbebauung für Studenten und Staatsbedienstete genehmigen. 

Es könnte die letzte Hoffnung für den Verbleib der DEULA in Freising sein. Andernfalls müsste das Überbetriebliche Bildungszentrum, wie berichtet, ins fränkische Triesdorf umsiedeln. Betroffen wären neben 3000 Azubis pro Jahr auch 10 bis 20 Angestellte. Akademie und Fahrschule würden zurückbleiben. In einem maroden Gebäude, in dem die Duschen auch mal kalt bleiben.

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