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Die Ortschaft Dietersheim soll in ferner Zukunft großräumig umfahren werden. Ein Zwischenbericht zur entsprechenden Machbarkeitsstudie lag jetzt den Räten vor – es gab viele neue Erkenntnissen.

Eching: Aus dem Bau-, Planungs- und Umweltausschuss

Dietersheim: Viele neue Erkenntnisse inklusive bei der Ortsumfahrung

  • Ulrike Wilms
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Dietersheim: Auf wenig Akzeptanz im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss stieß der Bericht zur Machbarkeitsuntersuchung für eine großräumige Westumfahrung.

Eching/Dietersheim – Die westliche Trassenvariante mit dem weitesten Radius, die als große Lösung im Schulterschluss mit der Stadt Garching und der TU München favorisiert worden war, sieht eine direkte Anbindung an die Autobahnauffahrt Garching- Nord vor. Sie ist mit Abstand die teuerste und großräumigste. Aus Naturschutzgründen war sie von jeher höchst umstritten. Die beauftragte Machbarkeitsstudie orientiert sich an Voruntersuchungen des Landschaftsarchitekturbüros Wankner und Fischer (2016), das insgesamt vier verschiedenen Streckenführungen erarbeitet hatte.

Probleme mit dem Grundwasser

Nun präsentierte Sven Gräfe vom Ingenieurbüro Vössing, das gezielt die große Westtrasse untersuchen sollte, im Detail die wesentlichen Eckdaten zu dem 4,7 Kilometer langen zweispurig ausgebauten Straßenbauwerk. Dessen Verlauf wird vom vorhandenen Gelände mit Abwasserkanälen, Hochspannungsleitungen, dem untergeordneten Wegenetz sowie den vorhandenen Schutzgebieten mitbestimmt. In den Blick genommen wird dabei das wachsende Verkehrsaufkommen bis zum Jahr 2035, das auf der Grundlage eines Gutachtens von Professor Harald Kurzak prognostiziert wird. Entgegen der ursprünglichen Planungen, so führte Gräfe aus, könne die Ortsumfahrung wegen Grundwasserproblemen und schwieriger Entwässerung nicht in einem tiefergelegten Trog verlaufen, sondern müsse als erhöhter Damm geführt werden.

Die beiden Spuren werden laut Expertise an fünf oder sechs verschiedenen Knotenpunkten unterschiedlich erweitert, um einen flüssigen Verkehr zu ermöglichen. Um dies gewährleisten zu können, muss die Qualitätsstufe C eingehalten werden, die bei der Anschlussstelle zum Forschungscampus einen dreispurigen Ausbau erfordern und an der Echinger Straße die Dimension eines halben Kleeblatts wie bei einer Autobahnanschlussstelle mit vier Spuren notwendig machen würde.

Sogar potentielle Verlängerung der U 6 in Betracht gezogen

Insgesamt hat die Untersuchung jeweils die aufwändigste aller Möglichkeiten berücksichtigt. Bei der potentiellen Verlängerung der U 6, bei einem oberirdischer Verlauf der Strecke, sodass ein Brückenkonstrukt angenommen wird (verläuft die U-Bahn unterirdisch, kann die Straße ebenerdig darüberführen).

Im Gremium galt es zu entscheiden, wie nun weiter verfahren werde. Angesichts dieses in der vorgelegten Dimension weder gewünschten noch als als realistisch angesehenen Großprojekts äußerte Leon Eckert (Grüne) Generalkritik und monierte, dass nur eine Trassenvariante konkret analysiert worden sei, und zwar ausgerechnet diejenige, deren Umsetzung aus ökologischen wie finanziellen Gründen „wohl nie kommen wird.“

„Der Flächenverbrauch ist viel zu groß“, stellte CSU-Fraktionssprecher Georg Bartl fest. Auch SPD-Sprecher Carsten Seiffert räumte ein, dass man nach heutigem Stand „dieser Variante nicht zustimmen“ könne. CSU und Grüne votierten gegen eine Fortführung der – bereits als Auftrag vergebenen – Untersuchungen, die mit 6:4 (dafür waren SPD, FW, BfE und der Bürgermeister) knapp beschlossen wurde.

Rathauschef Sebastian Thaler verwies darauf, dass eine genauere Betrachtung weiterer Varianten unter Einbeziehung aller relevanten Aspekte in einem noch einzuleitenden Genehmigungsverfahren stattfinden werde. Festzuhalten bleibt, dass auch eine ortsnahe Umfahrung keinesfalls unumstritten ist. Viele Dietersheimer Anrainer im Westen der Ortschaft verwehrten sich dagegen, ein Problem von A (jetzige Ortsdurchfahrt) nach B (an den westlichen Ortsrand) zu verlagern. Die Studie legt zudem auch nahe, dass bei einer ortsnahen Trasse gar nicht die Radien erreicht werden könnten, die angesichts des prognostizierten Verkehrsaufkommens als Ausbaustandard nötig würden.

Hat ein Ausbau zur Schnellstraße wirklich Sinn?

Indirekt wurde dem Ingenieurbüro als weiterer Arbeitsauftrag die Überlegung mitgegeben, ob der Ausbau zu einer Schnellstraße auch wirklich zielführend sei und eine derart komfortable Lösung ohne jede Ampelschaltung nicht vielmehr zusätzlichen Verkehr anziehe. Außerdem solle noch eine durchgehende Radwegverbindung berücksichtigt werden. Das Kapitel „Dietersheimer Ortsumfahrt“ ist noch lange nicht abgeschlossen- und bleibt ein problematisches Unterfangen.

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