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Ein Thema das interessiert: Viele Zuhörer fanden den Weg in den Roten Saal im Kardinal-Döpfner-Haus, um den Thesen Nassehis zu folgen.

Döpfner-Haus: Vortrag zum Thema Wahlverweigerung

„Politische Opposition von außen“

Mit dem Wandel der politischen Kultur in Deutschland und Europa setzt sich eine Vortragsreihe der Stiftung Bildungszentrum auseinander. Zum Thema „Wahlverweigerung, Komplexitätsverlust, Protest – zur Wiedergewinnung des Politischen“ referierte am Montagabend der Soziologie-Professor Armin Nassehi im Roten Saal des Kardinal-Döpfner-Hauses.

Freising - Welche Zufälle es gibt. Nur wenige Tage nach dem Tod des großen Europäers Helmut Kohl, widmete sich der Vortrag einem Thema, das nach dem Abtreten des damaligen Bundeskanzlers im Jahr 1998 europaweit kontinuierlich immer mehr an Aktualität gewonnen hat: Der Trend nicht mehr zum Wählen zu gehen.

Umbrüche in der Gesellschaft seien ein Grund für Protest, meint Armin Nassehi.

Ob es fehlendes Interesse am politischen Geschehen ist oder allgemein der Ausdruck der Ablehnung von politischer Ordnung, die Nichtwähler vom Urnengang abhält, das beleuchtete der Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie an der LMU München aus einer interessanten Perspektive heraus. Nassehi stellte klar, dass politische Opposition eigentlich grundsätzlich gut sei. Politischer Protest sei ein hohes demokratisches Gut, Ausdruck einer lebendigen politischen Kultur. Allerdings handle es sich bei der Wahlabstinenz, die bei vielen Bürgern in Europa zu beobachten sei, um eine Art politischer Verweigerung, um Opposition gegen das politische System und seine Institutionen an sich. „Politische Opposition von außen“, betonte der Referent.

Er machte die gesellschaftlichen Umbrüche dafür verantwortlich, dass die Politik ihren Anspruch auf allgemeinverbindliche Entscheidungen verliere: Individualisierung, Wertewandel, die Pluralisierung der Gesellschaft, die Erweiterung des Religionsbegriffs oder Digitalisierung des privaten Lebens nannte er als Beispiele. Von einer Gesellschaft, die im Umbruch sei, profitiere der Populismus, so seine These. Dieser punkte damit, dass er „einfache Lösungen“ anbiete. Sowohl die extremen rechten, als auch linken Strömungen in der Gesellschaft zeigten solche Strickmuster. Doch deshalb Kulturpessimismus an den Tag zu legen sei falsch.

Die etablierten Parteien täten gut daran, sich auf frühere Werte zu besinnen. Auf jene Zeiten etwa, als „erfolgreiche“ Politik gemacht worden sei. Unter Konrad Adenauer etwa, der es geschafft habe, die Menschen mit den westlichen Werten zu versöhnen. Oder die SPD den Weg dafür geebnet hatte, Bürgern aus allen Gesellschafts- und Bildungsschichten die Teilhabe an moderner Wohlfahrt zu ermöglichen. Dass die Gesellschaft bisher den Aufstieg extremer Parteien verhindern habe können, zeige, dass die politische Kultur doch stabiler sei, als viele Wutbürger das propagierten.                                                                                                             Maria Martin

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