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Ein Dorffest ohne Damoklesschwert

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Attaching - Unverhofft kommt oft, heißt es. Das galt auch für das Dorffest in Attaching am Samstag, das nach dem Bürgerentscheid zur Startbahn in München zur Siegesfeier wurde. Man ist mehr als erleichtert. Doch so ganz traut man dem Braten noch nicht.

Am Zaun an der St.-Erhard-Straße haben die Attachinger eine riesiges Transparent aufgehängt: „Danke München“ plus ein großes rotes Herz sind darauf zu sehen. Das Plakat ist so etwas wie die Kulisse für das Dorffest auf der Wiese gegenüber. „Wir feiern schon viel lockerer“, sagt Hans Schmid, der Vorsitzende des König-Ludwig-Vereins in Attaching. „Eine große Last ist von uns gefallen“, beschreibt er die Stimmung in dem Dorf, das von einer Startbahn bekanntlich am stärksten betroffen gewesen wäre.

Bilder vom Dorffest

Während vorne ein Musikanten-Duo alles zwischen Polka und Tom Jones spielt, wird an vielen Tischen und in manchen Gesprächsrunden über das Resultat vom vergangenen Sonntag diskutiert und was das nun eigentlich bedeute. Eines ist dabei klar, wie Alfred Alschinger sagt: Die Franziskus-Kapelle, die als Mahnmal zur Bewahrung der Schöpfung und somit auch gegen die Startbahn errichtet wurde und kurz vor ihrer Fertigstellung steht, wird halt nun zur Dankeskapelle umgewidmet. Wen auch immer man zum Ausgang des Bürgerentscheids fragt, die Antworten sind ähnlich: Gehofft ja, wirklich daran geglaubt eher nicht. Das gibt auch Korbinian Sgoff zu. Doch so ganz fühlt man sich von dem Damoklesschwert Startbahn noch nicht befreit. Vor allem: So lange der Planfeststellungsbeschluss nicht zurückgezogen oder aufgehoben wird, gilt für das Attachinger Dorfgebiet noch immer die Veränderungssperre. Im Klartext: Wer ein Häuschen bauen will, darf das nicht.

Morgen nun, so erzählen Sgoff und auch Michael Buchberger von der BI, werde man sich mit Anwalt Eike Schönefelder treffen und die Lage besprechen. Dass FMG und Staatsregierung trotz des Münchner Votums die Startbahn noch irgendwie zu retten versuchen und das Verfahren vor dem VGH weiter durchziehen wollen, ärgert die Attachinger. Johann Ziegltrum senior ist sich sicher, dass „der Seehofer nur so weiter machen muss“, dann sei auch die Landtagswahl 2013 für die CSU gelaufen. Und alle, die man in der Runde fragt, können über Wirtschaftsminister Martin Zeil nur den Kopf schütteln: Dessen Tage seien politisch bald gezählt, sind sich Ziegltrum und Sgoff einig. „Die verhalten sich wie Kinder im Sandkasten, denen man ihr Schauferl weggenommen hat“, sagt Sgoff.

Während „Kramer“ Willi Ziegltrum die von ihm „verzierten“ Pro-Startbahn-Plakate herankarrt (da wird zum Beispiel ironisch Nina Ruge für ihren Einsatz gedankt), erzählt ein Attachinger, wie er die Entscheidung in München erlebt hat: nämlich im Urlaub im 2000 Kilometer entfernten türkischen Side. Nach dem EM-Spiel Deutschland-Dänemark seien in dem deutschen Hotel Zettel mit dem Ergebnis des Bürgerentscheids ausgeteilt worden. Die Reaktionen der Hotelgäste aus ganz Deutschland, von denen sehr viele wussten, um was es da ging? Einige hätten gejubelt, andere hätten geschimpft.

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