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Runder Tisch: Tagblatt-Redakteurin Andrea Beschorner (3. v. r. ) sprach mit BBV-Geschäftsführer Gerhard Stock (links daneben) und den Dorfhelferinnen über deren wichtige Arbeit. Im Vordergrund (zur Kamera gewandt) Christine Westermeier (l.) und Maria Harlander. 

Menschen in Not

Dorfhelferinnen im Landkreis Freising: Schutzengel auf Zeit

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Sie sind ein Lichtblick in schweren Zeiten, die rettende Hand, wenn man vorübergehend auf Hilfe angewiesen ist: die Dorfhelferinnen im Landkreis Freising. Nicht nur im Krankheitsfall auf landwirtschaftlichen Betrieben übernehmen sie, wenn Not am Mann ist, das Zepter, sondern auch in privaten Haushalten. Die Anfragen beim Maschinenring nach dieser wertvollen Art der Hilfe türmen sich.

Landkreis – Eine Mutter pflegt ihren schwerstbehinderten Sohn aufopferungsvoll. Tagein, tagaus ist sie rund um die Uhr für den Kleinen da. Das Kind wird von Krampfanfällen gequält – die Frau erlaubt es sich deshalb nicht, nachts in den erholsamen Tiefschlaf zu fallen – zu groß ist die Angst, nicht rechtzeitig für das kranke Kind dazusein. Der sehnlichste Wunsch der selbstlosen Mama: Sich mit der Gewissheit, dass da jemand ist, der sich für ein paar Stunden zuverlässig um ihr Kind kümmert, ins Bett legen und einfach einmal ausschlafen. Doch wer könnte ihr helfen?

Nur wenige Kilometer weiter nördlich im Landkreis Freising schlägt das Schicksal auf eine ganz andere Weise zu: Eine junge Mutter von zwei kleinen Kindern erhält die Diagnose Krebs. Viele Monate Krankenhaus, viele Operationen und ein langer Reha-Aufenthalt stehen der verzweifelten Frau bevor. Sie kann nicht mehr arbeiten, aufgrund der Operationen nicht Autofahren, ist körperlich so am Boden, dass sie sich nicht mehr um die Kinder und den Haushalt kümmern kann. Um die Raten für das Haus weiter abzahlen zu können, muss ihr Mann jedoch mehr als vor diesem Schicksalsschlag arbeiten, trägt er doch jetzt alleine die finanzielle Verantwortung für die Familie. Wer ist in seiner Abwesenheit für seine kranke Frau und seine Kinder da?

In diesen zwei – von unzähligen – Beispielen treten die Dorfhelferinnen wie Schutzengel in das Leben der Familien. Im ersten Fall nur stundenweise, damit die fürsorgliche Mutter wieder zu Kräften kommt, einfach beruhigt schlafen und sich danach weiter um das kranke Kind kümmern kann. Im zweiten Beispiel wird die vom Maschinenring eingesetzte Dorfhelferin für mehrere Monate ein unverzichtbarer Teil dieser Familie. Bis zu zehn Stunden täglich ist sie für die beiden Kinder da, ersetzt die Mutter, solange diese auf Reha wieder Kraft und Lebensmut tankt.

„Die Kleinen testen anfangs schon aus, wie weit sie mit der Fremden gehen können“, erzählt Dorfhelferin Christine Westermeier von ihrem ersten Einsatz. Sie hat im Sommer diesen Jahres die fünfjährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, ist seit September bei der vom Schicksal nicht verschonten Familie im Einsatz. Und neben der Aufgaben im Haushalt und in der Kinderbetreuung, die nun in dieser Familie vorübergehend an den Wochentagen die ihren sind, ist da auch ganz viel psychische Belastung, die die junge Frau abfangen und ausgleichen muss – zum Wohle der beiden Kinder. Anfangs ist sie fünf Tage die Woche immer pünktlich ab sieben Uhr die Bezugsperson der Kleinen, macht sie morgens fertig, bereitet Frühstück und Pause für sie vor, fährt sie zum Kindergarten – alles, was sonst eigentlich die Mama macht. „Anfangs war das schon eine Herausforderung, bis die Kleinen sich an mich gewöhnt hatten.“

Die Helferin wird zum Mama-Ersatz

Zwischenzeitlich ist sie so etwas wie der Mama-Ersatz geworden. Kein Wunder: Als die Mutter auf Reha war, waren fünf Tage zu je zehn Stunden genehmigt. Genehmigt von der Krankenkasse, die allerdings nur einen Teil des Stundenlohns trägt. Für landwirtschaftliche Betriebe sind die Kosten über die landwirtschaftliche Sozialversicherung abgedeckt. Bei Privathaushalten und bei Nebenerwerbslandwirten ist das anders. Pro Stunde entsteht hier eine Kostenunterdeckung in Höhe von zehn Euro.

Dorfhelferin Maria Harlander berichtet von einem Einsatz bei einer alleinerziehenden Mama, die tagsüber wegen schwerwiegender psychischer Probleme in eine Tagesklinik musste. Zuhause die Kinder, die Harlander in der Zeit über mehrere Wochen hinweg versorgte. „Die Kleinen sind natürlich geprägt von der Erkrankung ihrer Mama“, erzählt die Dorfhelferin. Da passiere es schon mal, dass die Kinder in der Abwesenheit der Mutter schreien und „das Haus auf links drehen“. Doch die gute Ausbildung und die langjährige Erfahrung – Maria Harlander arbeitet seit 1991 als Dorfhelferin – tragen dazu bei, dass sich die Kleinen schnell an die neue Situation gewöhnen. Dennoch seien solche Fälle auch für die erfahrene Fachfrau oftmals eine Herausforderung, tue sie sich schwer, dieses Schicksal abends nicht mit nach Hause zu tragen. „Das gelingt mal besser, mal schlechter“.

Die dritte im Bunde der Dorfhelferinnen des Maschinenrings Freising ist Martina Spreider. Für alle drei sind Theresia Rottmeir, die Vorsitzende der Katholischen Dorf- und Betriebshilfe sowie ihre Stellvertreterin Maria Eckl Ansprechpartnerinnen, wenn ihnen die psychische Belastung zu viel wird.

Jedes Jahr werden die Dorfhelferinnen auch mit Geld aus der Spendenaktion Menschen in Not bedacht. So kann die Unterfinanzierung des Einsatzes in privaten Haushalten gedeckt werden. „Das ist sehr wichtig für uns“, sagt BBV-Geschäftsführer Gerhard Stock. Denn die Menschlichkeit dürfe bei allen Vorschriften nicht auf der Strecke bleiben. Stock: „Theoretisch ist es ja so, dass eine Dorfhelferin, die bei einer Familie mit Kindern im Einsatz ist, weil die Mutter krank ist, ihren Einsatz beenden muss, wenn die Frau stirbt. Der Anspruch auf diese Art der Hilfe erlischt“. Doch jetzt brauche die Familie erst recht Unterstützung. Um die schwere Zeit zu überbrücken, bis sich die Familie gesammelt und neu organisiert hat, braucht man auch Spendengelder – und zwar dringend!

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