Auf Augenhöhe diskutiert: Binner neben Ministerpräsident Seehofer bei dessen Besuch im November 2015 in Attaching

Hartmut Binner hört als Aufgemuckt-Sprecher auf

Ein Unbeugsamer schaltet zurück

  • schließen

Freising - Der Kampf gegen die Startbahn hat ihm nicht nur die Freisinger Stadtmedaille eingebracht, der Kampf hat auch seine Gesundheit ruiniert. Und deshalb wird Hartmut Binner (77), seit zehn Jahren eines der Gesichter des Widerstands, bald nicht mehr Aufgemuckt-Sprecher sein

Er war bayerischer Polizist, er war erfolgreicher Sportler und er war seit 2006 der Frontmann von Aufgemuckt: Hartmut Binner aus dem Seilerbrückl in Freising. Seit zehn Jahren ist Binner einer der Motoren im Abwehrkampf gegen die dritte Startbahn im Moos, war unzählige Male in den Medien, hat mit Seehofer des Öfteren – nicht nur von der Statur her – auf Augenhöhe diskutiert und gestritten, hat sich mit CSU-Größen und FMG-Managern angelegt, für seine Heimat und gegen die Runway gestritten und gekämpft. Doch wenn im September das Aktionsbündnis Aufgemuckt einen neuen Sprecherrat wählt, wird Hartmut Binner nicht mehr antreten.

 Auf Empfehlung seiner Ärzte, so erzählt er: Denn wenn er die seelische Belastung und psychische Anspannung nicht beende, werde man seine nach Bandscheibenoperationen aufgetretenen Lähmungen in beiden Beinen wohl nicht mehr lindern können, so die Auskunft der Ärzte. Im Abwehrkampf gegen die Startbahn hat er sich über all die Jahre hinweg als unerschütterlich und unbeugsam gezeigt. Dem Rat und der Warnung der Ärzte hat sich Hartmut Binner nun aber doch gebeugt. Eigentlich wollte er seine Entscheidung erst im September öffentlich bekannt geben , doch weil er seinen Entschluss den Mitgliedern schon vorab mitgeteilt hatte, ist die Sache doch durchgesickert

. „Ich trete zur Wahl nicht mehr an“, bestätigt Binner. Er brauche um seiner Gesundheit willen jetzt einfach mal ein Jahr oder länger Auszeit. Das fällt Binner nicht leicht, denn zehn Jahre lang hat das Thema Startbahn sein Leben bestimmt: Zum einen habe er ständig unter Druck gestanden, sei stets gefordert gewesen, so erzählt er, habe zum anderen sein Familie, seine Enkel und auch seine Freunde vernachlässigt. Jetzt wolle er einfach „ein normales Leben“ führen und wieder gesund werden. Doch Binner bleibt Startbahn-Gegner mit Leib und Seele: Weil er im Arbeitskreis „Volksentscheid“ weiter mitarbeitet und ja auch noch die BI Seilerbrückl leitet, „gehe ich dem Widerstand nicht verloren“, betont Binner. Und er ergänzt: „Ich kann ja gar nicht anders.“ Und sollte es neuerlich zu einem Bürgerentscheid in München kommen, „dann bin ich auch wieder da“. Der erste Bürgerentscheid im Juni 2012, den die Startbahngegner bekanntlich gewonnen haben, ist für Binner auch das eine von zwei extrem positiven Ereignissen während seiner „Amtszeit“. Das andere: Die dreitägige Aktion Occupy Staatskanzlei im Vorfeld des Bürgerentscheids. Beide Male, so Binner, hätten ihm, dem 1,93-Meter-Hühnen und gestählten Ex-Polizisten, die Freudentränen in den Augen gestanden. Das schlimmste Erlebnis in zehn Jahren Abwehrkampf? „Da gab es viele schlimme und bittere Momente“, so Binner. Sehr „deprimierend“ sei aber sicherlich die Verkündung des VGH-Urteils gewesen: „Das war einer der schlimmsten Tage“. 

Eigentlich wollte Binner schon vor knapp einem Jahr seinen Rückzug aus dem Sprecherrat von Aufgemuckt erklären, wollte sich nach so vielen Jahren der Präsenz in der Öffentlichkeit und nach unzähligen Stunden für die Organisation von Demos, Protestmärschen und Aktionen zurückziehen. Als Ministerpräsident Horst Seehofer im Oktober 2015 Attaching besuchte und den Startbahngegner große Hoffnungen machte, dass das Projekt demnächst begraben werde, habe er sich schon fast am Ziel gesehen, blickt Binner zurück. Dann hätte er ganz beruhigt seinen Rückzug aus dem Sprecherrat vollziehen können. Doch das Aus für die Runway lässt seitdem bekanntlich noch immer auf sich warten, die Sprecherratswahlen wurden verschoben, Binner hat noch ein Jahr drangehängt. Aber jetzt geht es wirklich nicht mehr: Hartmut Binner, stolzer Ex-„Schandi“, wie er selbst sagt, wird nicht mehr Sprecher von Aufgemuckt sein. Trotzdem: Sein berühmtes rotes Trachtensakko werden Startbahngegner noch sehen – und die Startbahnbefürworter auch.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Frau (26) nach Besuch eines Volksfests vergewaltigt
Hallbergmoos - Sie wollte nach einem Volksfestbesuch zurück ins Hotel. Doch auf dem Heimweg wurde die 26-Jährige von einem Unbekannten vergewaltigt. Die Polizei bittet …
Frau (26) nach Besuch eines Volksfests vergewaltigt
Dreist: Einer 95-Jährigen das Schmerzmittelpflaster abgezogen
Ein dreister Diebstahl ereignete sich am Samstagnachmittag in einem Freisinger Seniorenzentrum: Ein 33-Jähriger schlich sich dort ein, ging in das Zimmer einer …
Dreist: Einer 95-Jährigen das Schmerzmittelpflaster abgezogen
Alles begann bei einer Halben Bier
Ihre Wurzeln hat sie eigentlich in Neustift, weil man sich aber gleich nach der Gründung im Grünen Hof einquartierte, heißt man Lerchenfelder Blasmusik. Und das …
Alles begann bei einer Halben Bier
„Prosit“ unterm Regenschirm
Klaus Thermer hat Sinn für Ironie: Der neue Pächter des Lindenkellers hat gestern bei der Eröffnung des Stadtgartens und des Eishauses auf dem Veitsberg die Gäste „bei …
„Prosit“ unterm Regenschirm

Kommentare