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Ein schweres Stück, das den Besucher beschäftigt: Mit Hinterkaifeck ist Regisseurin Barbara Berger eine außergewöhnliche Inszenierung gelungen.

Theaterinszenierung von WerkStück 

Düster, schwer und undurchdringlich

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Hinterkaifeck – das steht für ein grausames Verbrechen, für einen ungelösten Kriminalfall, für mysteriöse Umstände. Und es steht für ein Theaterstück, das in der Inszenierung von WerkStück eine emotionale Tiefe birgt, die den Zuschauer packt. Und ihn für einige Tage nicht mehr loslässt.

Freising – Es ist klein, es ist eng. Gedrückt wie die Räume im Bauernhaus der Grubers ist auch die Stimmung: düster, oft aggressiv, die Arbeit lastet, herrische Töne. Es ist das Sujet für eine außergewöhnliche Theaterproduktion: Die Vhs-Theatergruppe WerkStück spielt „Hinterkaifeck – Ein Mordfall“, geschrieben von dem im vergangenen Jahr verstorbenen Freisinger Autor und Dramaturg Reinfried Keilich. Unter dem Dach des Vhs-Gebäudes im dunklen, kleinen Raum sitzen rund 40 Zuschauer, verspüren so selbst körperlich die drückende Atmosphäre in dem Bauernhaus im Amtsbezirk Schrobenhausen, in dem 1922 sechs Menschen brutal ermordet wurden.

Corinna Struck und Carola Rosemarie Böhme sind die Erzählerinnen, die zwischen den Akten auftreten, die aus damaligen Zeitungen zitieren, die das Theaterstück über das schreckliche Verbrechen zu einem Protokoll der Tragödie machen. Schwer ist das Leben auf dem Hof zu Hinterkaifeck. Schwer sind auch die Schritte von Bauer Andreas Gruber, den Karl-Heinz Kirchmann spielt: Schuldbeladen vom Inzest ist er, tyrannisch in seinem Auftreten, grausam, hart. Eine Glanzleistung Kirchmanns. Den Blick oft starr ins Nichts gerichtet, vom kalten Hauch des Todes angerührt, zornig und aufbrausend, unbeirrbar gläubig, von Angst und Schrecken getrieben – das sind die Altbäuerin Cäzilie Gruber und die Bäuerin Viktoria Gabriel. Irene Trübenbacher-Breibeck und Anna-Barbara Grassl verkörpern die beiden Frauen, vermitteln dem Publikum auf extrem beeindruckende Weise jenes oft so deprimierende Hin- und Hergerissen-Sein zwischen Aufbegehren und Gehorsam, zwischen Glaube und Aberglaube. Es ist ein farbloses Leben in Braun- und Grautönen, für liebevolle Worte ist kein Platz auf dem Hof der Grubers. Auch nicht für Tochter und Enkelin Cilli Gabriel, dargestellt von Barbara Meinhold, die dem kindlichen, manchmal noch naiven Charakter Ausdruck verleiht. Und erst recht nicht für die neue, zum Ärger der Bauern auf ihre Rechte pochende, sozialistische Magd Maria Baumgartner, gespielt von Julia Schembera. Sie alle werden Opfer. Simon Gobmeier gibt famos den Knecht und verbitterten Kriegsveteran Michael Plöckl, dessen oft verdächtiges Erscheinen sich mit Mundharmonika-Tönen ankündigt, Robert Leutner macht aus dem spöttisch-verschlagenen Posthalter Josef Mayer eine grandiose Figur.

Es ist eine langsame, eine schwere, ein außergewöhnliche dichte Inszenierung, die Regisseurin Barbara Berger da erarbeitet hat – träge, schwer und undurchdringlich wie das Leben und der Mordfall in Hinterkaifeck.

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