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Blättern erwünscht hieß es vor kurzem bei der Eröffnung der Bibelausstellung.

Bibelausstellung zum Luther-Jubiläum

Älteste „Biblia“ stammt aus 16. Jahrhundert

Aus Anlass des Reformationsjubiläums hat die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Eching nun eine kleine, aber feine Bibelausstellung zusammengestellt. Bereits bei der Eröffnung durch Pfarrer Markus Krusche war das Interesse groß.

Eching Wie Krusche ausführte, hat die fast fünf Jahrhunderte lang währende Geschichte der Lutherbibel auch viel mit den persönlichen Geschichten ihrer Eigentümer zu tun. Unter den in einer Vitrine und auf Tischen ausgestellten Exemplaren befanden sich unter anderem Ausgaben der Heiligen Schrift in hebräischer und griechischer Sprache. Betrachten konnte man reich bebilderte Schmuckbibeln, teils mit Goldprägung, die als Geschenke zur Trauung oder Konfirmation den Status eines in Ehren gehaltenen Familienschatzes haben – darunter eine „Erklärte Deutsche Volksbibel“ von 1903. Weit verbreitet sind in Haus- und Familienbibeln handschriftliche Einträge über Eheschließungen, Geburten und Todesfälle, die in früheren Jahren anstelle der üblichen Stammbücher die Familienchronik dokumentieren.

Die Seite mit der fürstlichen Widmung der mittelalterlichen Lutherbibel, der man ihr Alter deutlich ansieht.

Auch Blättern und Schmökern war erwünscht, beispielsweise in einer so genannten Senfkornbibel, eine Art „Pocketversion“, oder auch in einer „Volx-Bibel“ von 2008, die in echt krasser Jugendsprache verfasst war.

Eine echte Rarität freilich gab es nur hinter dem Vitrinenglas zu bestaunen, nämlich eine „Biblia“ aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert (vermutlich 1591). Das von Alter, Feuer und Feuchtigkeit gezeichnete mächtige Buch trägt auf dem Versatzblatt den Aufdruck: „Die ganze Heilige Schrifft/Deutsch, D. Mart. Luther, Cum Gratia und Privilegio Wittenberg.“ Gewidmet ist die Ausgabe Kurfürst August zu Sachsen (1526-1586), im Deutschen Reich Anführer der protestantischen Regenten, dessen ganzer Titel ebenfalls in der Bibel festgehalten wurde.

Der Dietersheimer Wolfgang Steckel hat das seltene, aber stark restaurierungsbedürftige Stück erst kürzlich als Schenkung der evangelischen Gemeinde Eching vermacht. „Das Lutherjahr ist doch ein geeigneter Anlass“ so Steckel, der zu den Besuchern der Ausstellungseröffnung zählte. Wie er berichtete, ist er im Zuge der Haushaltsauflösung nach dem Tod seiner Mutter (wieder) auf das Familienerbstück gestoßen. Die vergangenen Jahrzehnte war die Heilige Schrift in einem Koffer im Keller der Familie aufbewahrt worden. Wie erzählt wurde, wollte die Großmutter das Erbstück nicht in der schlesischen Heimat zurücklassen und hat die schwere Bibel gegen Ende des Zweiten Weltkriegs auf die Flucht mitgenommen. Russische Soldaten plünderten die Flüchtlinge und warfen das Buch ins Feuer, aus dem es die mutige Frau wieder herauszerrte.


Besichtigung möglich

Nach Rücksprache und Terminvereinbarung im evangelischen Pfarramt kann die Bibelausstellung, beispielsweise von Schulklassen oder Gruppen, ab der kommenden Woche in der Magdalenenkirche besichtigt werden.

Ulrike Wilms

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