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Initiator und Organisator Josef Martin bei der letzten Altpapiersammlung der Echinger Pfarrei St. Andreas im Juli. Er hatte damit vor über 50 Jahren begonnen.

Nach über 50 Jahren ist Schluss

Aus für Echinger Altpapiersammlung: Aufwand lohnt sich einfach nicht mehr

  • Ulrike Wilms
    vonUlrike Wilms
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Josef Martin hatte Ende der 1960er Jahre die Idee für eine Altpapiersammlung. Fünf Jahrzehnte lang war sie fest im Jahreskalender verankert. Jetzt ist Schluss. 

Eching – Es ist ein gewohntes und in regelmäßigen Abständen wiederkehrendes Bild in der katholischen Pfarrei Sankt Andreas: Auf dem Kirchenparkplatz steht ein riesiger Container mit offener Klappe. Immer wieder fahren Pkw vor, aus deren Kofferräumen tatkräftige Helfer gemeinsam mit den Lieferanten stapelweise alte Zeitungen in den Container umladen. Auch zwei Bulldogs sind auf Echings Straßen unterwegs, um in den Wohngebieten Altpapierbündel einzusammeln – dies alles für einen guten Zweck und schon über 50 Jahre. Doch die Juli-Sammlung 2020 war die letzte ihrer Art: Die Aktion wird eingestellt.

Auch das Tagblatt hat final und nicht unerheblich einen caritativen Zweck im Rahmen der Altpapiersammlung erfüllt.

Aus der Taufe gehoben hat die ursprüngliche Straßensammlung Josef Martin, der Ende der 1960er Jahre die Idee hatte, einen praktischen Service für die Bürger mit einer ertragreichen Spenden-Aktion zu verbinden. Seither hat der mittlerweile 90-jährige Senior „seine“ Altpapiersammlung über fünf Jahrzehnte organisiert und begleitet, tatkräftig unterstützt von zahlreichen helfenden Händen und Förderern aus der Gemeinde.

2500 Tonnen Altpapier, 200 000 Euro Erlös

Schon als Bub, so erinnert sich Landwirt und Ortssprecher Josef Schredl, habe er seinen Vater auf dem Bulldog beim Altpapiersammeln begleitet und mit angepackt. Noch heute beteiligt er sich mit seinem Gefährt, ein weiteres wird von der Familie Walter vom Gut Hollern zur Verfügung gestellt. Eine Zeit lang, so können sich die alteingesessenen „Stammkunden“ erinnern, fanden auch parallel durchgeführte Altkleider- und Fahrradsammlungen statt, damals, als direkt im Ort noch der Schrott- und Altpapierhandel der Familie Klessinger in der heutigen Korbinianstraße beliefert werden konnte, zu dem die Leute auch privat Altpapier und andere überflüssige Wertstoffe bringen konnten. Diese und zirka 2500 (!) Tonnen Altpapier, so errechnete die Pfarrei, erbrachten einen Gesamterlös von über 200 000 Euro, der überwiegend für die Missionsarbeit von Pfarrer Reichl, aber auch für soziale Zwecke innerhalb der eigenen Kirchengemeinde gespendet wurde.

Dass die Sammlung, die für viele Gemeindemitglieder ein Fixtermin in ihrem Jahreskalender darstellt, nun aufgegeben wird, hat mehrere Gründe: angefangen beim fortgeschrittenen Alter von Initiator Josef Martin über die schwankenden und tendenziell gesunkenen Preise für Altpapier bis zum abnehmenden Sammelgut. Zu besten Zeiten hat der stark schwankende Preis für sortenreines Altpapier, wie es von der Pfarrei geliefert wird, 90 Euro betragen. Gegenwärtig bewegt er sich bei um die 27 Euro und ist nach einem Preisanstieg in den Corona-Monaten März und April nun auch aktuell wieder eingebrochen.

Um den Verkauf für die Pfarrei kümmert sich seit vielen Jahren die Familie Schuhbauer aus Günzenhausen, die auch den Container zur Verfügung stellt – kostenlos. Bereits ab Mitte der 1980er Jahre, als ein verstärktes Bewusstsein für Mülltrennung sichtbare Veränderungen mit sich brachte, machte sich zunächst die Konkurrenz durch Papiercontainer bemerkbar. Ein weiterer Einschnitt bedeutete die vor rund einem Jahrzehnt eingeführte Papiertonne. Die vormals flächendeckende Beteiligung ging weiter zurück, sodass auch die Fahrten nach Dietersheim eingestellt wurden. Kurz und gut: Der große Aufwand des Altpapiereinsammelns lohnt nicht mehr, zumal die Kirchen für den (schmalen, stetig schmelzenden) Gewinn einer derartiger Benefiz-Aktion nach neuesten Gesetzen –auch noch Mehrwertsteuern entrichten müssen.

Finales Dankeschön für die vielen Helfer

Bei der letzten Aktion ließ es sich Pfarrgemeinderatschef Martin Wallner nicht nehmen, Josef Martin und seinen beiden Kindern Kornelia und Christian sowie den vielen Helfern für ihr meist langjähriges Engagement zu danken. Der Senior durfte sich über einen Gutschein für das Café Central freuen. Für Tochter Kornelia, die in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten ist und sich um die Verpflegung der Helfer mit Getränken, Brezen und Kuchen kümmert, gab es einen Blumenstrauß. Wallner zeigte auf, dass vor einem halben Jahrhundert, als der Begriff Recycling noch ein „echtes“ Fremdwort war, Josef Martin und die katholische Pfarrei den Weitblick hatten, neben den sozialen auch ökologische Aspekte zu bedenken. So habe „sehr viel Gutes“ getan werden können.

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