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Stets am Puls der Zeit ist der Echinger Bücherladen. Hier steht Inhaberin Claudia Borst am Themenbüchertisch anlässlich des 200. Geburtstages des Fahrrades.

Inhaberin Claudia Borst (74) macht Ende des Jahres Schluss

Bücherladen in gute Hände abzugeben

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Es passt zu einem Geschäft für Bücher, dass es bereits an der Tür was zu lesen gibt. So informiert Claudia Borst, Inhaberin des Echinger Bücherladens, über verschiedene Veranstaltungen oder lädt zum Nachdenken ein, wenn darauf hingewiesen wird, dass man „nicht zum Amazonas schwimmen muss, um ein Buch zu bestellen“. Der aktuelle Anschlag allerdings ist „in eigener Sache“: „Es ist soweit: Nach 34 Jahren möchte ich den Echinger Buchladen am Ende des Jahres in gute Hände übergeben.“ Ob der Wunsch der 74-jährigen passionierten Buchhändlerin, den sie mit vielen treuen Kunden teilt, allerdings in Erfüllung geht, bleibt abzuwarten. Erste vorsichtige Gespräche mit potentiellen Interessenten habe es aber schon gegeben.

Eching – Als Quereinsteigerin und Autodidaktin ist die Gymnasiallehrerin 1983 zu ihrem Traumberuf gekommen. Zusammen mit Partnerin Angelika Baier wagte sie auf 100 Quadratmetern im Ladenzentrum Alter Wirt den Schritt in die Selbstständigkeit. Diesen hat sie nie bereut – auch wenn im stationären Buchhandel definitiv keine Reichtümer zu verdienen sind. Baier, ursprünglich Sozialpädagogin, blieb bis 2005 an Bord. Das Frauenteam konnte sich als eines der ersten Geschäfte im Ladenzentrum etablieren.

Der individuell geführte Laden trotzte dabei sowohl den lokalen Schwierigkeiten durch den Abzug größerer Discounter und Nahversorger aus dem Ortszentrum als auch den Schwierigkeiten eines sich wandelnden Buchmarktes. Stichwörter: Online-Handel und E-Books. Ins Gewicht fielen dabei die zahlreichen Kooperationen des Echinger Bücherladens mit den Schulen und kulturellen Einrichtungen wie Gemeindebücherei, Bürgerhaus, Mehrgenerationenhaus und Vhs sowie eigene Veranstaltungen zum „Welttag des Buches“ oder Lesungen mit populären Autoren wie Tanja Kinkel oder Jörg Maurer.

Besonders der Lesenachwuchs liegt Borst am Herzen. Jahr für Jahr nimmt der Bücherladen beispielsweise auch am Vorlesewettbewerb der sechsten Klassen teil. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bleibt der stationäre Buchhandel durchaus konkurrenzfähig – nicht zuletzt auch dank Buchpreisbindung und Internet-Bestellungen. Auch wenn es vielen Kunden und Käufern gar nicht bewusst ist: Der Preis für neue Bücher ist überall der Gleiche. Und last but not least profitieren auch traditionelle Buchhandlungen vom Informationszeitalter: Der Internet-Bestell-Service der Läden für Bücher, die nicht vorrätig sind, funktioniert unkompliziert quasi über Nacht – und ist damit genauso schnell wie vom heimischen PC.

Punkten kann der belesene Buchhändler allemal hinsichtlich seiner hohen Beratungskompetenz, einer „handverlesenen“, großen Titelvielfalt und dem persönlichen Kontakt zum Kunden. Dazu tragen im Echinger Bücherladen eine einladende Kinder-Ecke und diverse Non-Book-Artikel bei – wie CDs, DVDs, Postkarten, Kalender, Lesezeichen und kleinere Geschenkideen.

Obwohl landauf, landab von einer Krise des klassischen Buchhandels die Rede ist, rund 200 Buchläden (von zirka 6000 deutschlandweit) jährlich schließen, gibt es durchaus Entwicklungen, die Mut und Hoffnung machen. So konnten Buchgeschäfte 2013 erstmals wieder mehr Umsatz verzeichnen als der Online-Handel. Und während Branchenriesen wie Thalia und Hugendubel Filialen schließen mussten, schaffen es kleinere Läden immer wieder, sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen. Borst ist überzeugt: „Der Echinger Bücherladen trägt wesentlich zur Lebensqualität in der Gemeinde bei.“

Nach über drei Jahrzeiten als eine „Institution“ im Ortszentrum ist es für Bücherfreunde nur schwer vorstellbar, dass es das Geschäft im kommenden Jahr nicht mehr geben könnte. Wie und ob es konkret weitergeht, ist Ortsgespräch – und offen. Ein Stück weit haben es die Konsumenten und Kunden freilich selbst in der Hand beziehungsweise im Portemonnaie, ob sie sich ein lebendiges Ortszentrum mit einem attraktiven Warenspektrum erhalten wollen. Wer sich für die Übernahme des Bücherladens interessiert, ist herzlich eingeladen, persönlich, telefonisch (0 89/3 19 18 91) oder per Mail (echinger.buecherladen@web.de) Kontakt aufzunehmen. „Es bleibt genug Zeit für eine Einarbeitung bis Ende des Jahres“ ermuntert Claudia Borst potentielle Interessenten.

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