Eine Grafik der Bürgersaal-Pläne
+
Der neue Günzenhauser Bürgersaal (rechts, mit Pultdach) ist auch vom Gasthaus-Biergarten aus erreichbar.

Sondersitzung des Echinger Gemeinderats

24:1-Beschluss: Günzenhausens Bürgersaal kommt in die Ortsmitte

Die Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Merz hat nicht nur die Günzenhauser Vereine, sondern auch Echings Gemeinderäte überzeugt: Mit erdrückender 24:1-Mehrheit entschied das Gremium am Dienstagabend in seiner Sondersitzung, dass der neue Bürgersaal direkt neben dem Gasthaus in der Ortsmitte entstehen soll. Damit wurde gleichzeitig die Idee, den Saal mit dem parallel geplanten neuen Feuerwehrhaus in Günzenhausen zu kombinieren, beerdigt.

Günzenhausen/Eching - Dabei waren der von Peter Merz und Alexander Erlsbacher erarbeiteten Studie im Vorfeld bestenfalls Außenseiterchancen eingeräumt worden – wie auch das Statement von SPD-Sprecher Carsten Seiffert zeigte: „Schön, dass man immer noch dazulernen kann.“ Er sei mit seiner Annahme („Das geht nicht“) völlig falsch gelegen und deshalb froh, „dass wir das in Auftrag gegeben haben“.

Seine pessimistische Einschätzung hatte nicht zuletzt mit der Positionierung des Bürgersaals auf dem Hanggrundstück südlich der Kirche zu tun – in einem Bereich, wo die Friedhofsmauer noch nicht saniert ist und entsprechend vorsichtig vorgegangen werden muss. Zwar gehen Statiker von 400 000 Euro Zusatzkosten aus, für insgesamt gut zwei Millionen Euro ist das Pultdach-Gebäude mit seinem 177 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal (bis zu 176 Sitzplätze vor der mobilen Bühne) aber ohne Weiteres zu bauen.

Architekten sehen Einsparpotential in sechsstelliger Höhe

Damit ist diese Variante allerdings auch doppelt so teuer wie die Möglichkeit, den Bürgersaal in das FFW-Haus zu integrieren, weshalb Rathauschef Sebastian Thaler nach den Ausführungen der Architekten anmerkte, dass ihm die Pläne „sehr gut gefallen – bis auf die Seite, wo die Zahlen kommen“. Immerhin kündigten Erlsbacher und Merz an, noch Einsparpotenzial in dem Projekt in sechsstelliger Höhe zu sehen.

So oder so scheint die Ortsmitten-Variante jedoch alternativlos zu sein. Für die Günzenhauser, Ottenburger und Deutenhausener Vereine gab GOD-Vize Peter Reiss eine unmissverständliche Stellungnahme ab: Trotz der Mehrkosten unterstütze man ausschließlich diese Pläne und lehne den Standort Feuerwehrhaus kategorisch ab. „Das klingt jetzt vielleicht undankbar und stur“, so Reiss, „aber wir wollen nicht, dass man etwas baut, das nicht angenommen wird und nur Kosten verursacht.“ Man bekomme im Dorfkern nicht nur fast das doppelte Raumvolumen, sondern aufgrund der Lage neben Wirtshaus und Schützenheim „auch genau das, was wir brauchen“.

Erbengemeinschaft mit „im Boot“

Hans Kratzl von der Erbengemeinschaft Grill, in deren Besitz das Areal ist, versprach, das Grundstück kostenlos zur Verfügung zu stellen: „Wenn wir das schaffen, wird das ein sehr schönes Bürgerhaus.“ Ob allerdings die Parkplätze am Gasthof, die für die Erschließung des Saals benötigt werden, ewig nutzbar sind, wollte er nicht versprechen. Hier muss die Gemeinde zusammen mit der Erbengemeinschaft wohl noch eine Lösung finden. Vorstellbar ist es nach den Worten Kratzls allerdings, dass der künftige Pächter des Wirtshauses, das gerade saniert wird, den Saal mitnutzt.

Trotz der Mehrkosten, der eben angesprochenen Parkplätze oder anderer offener Fragen wie dem Lärmschutz oder der Trägerschaft schlossen sich die Gemeinderäte den Ortsmitte-Plänen an: „Es ist teuer, aber es explodiert nicht“, kommentierte Christoph Gürtner (FW). Stefanie Malenke (SPD) lobte, „dass diese Pläne nicht nach einer Notlösung ausschauen, sondern Hand und Fuß haben“. Weil die Vereine ebenfalls dahinter stünden, sei es richtig, auch wenn sie leichte Skrupel, habe, „heute die Reißleine für den Feuerwehrhaus-Saal zu ziehen“. Dafür erhielt sie den lautesten Applaus des Abends von den gut besuchten Zuhörer-Plätzen im Echinger Bürgerhaus.

Tobias Exner (CSU) forderte, „für den Super-Saal, hinter dem 95 Prozent der Vereine stehen“, Geld in die Hand zu nehmen, während Heinz Müller-Saala (FDP) darauf hinwies, dass Günzenhausen sich das auch verdient habe, weil seit der Eingemeindung immer nur kleine Projekte verwirklicht worden seien.

Nächster Schritt sind die Pachtvertragsgespräche

Die vorsichtigeren Stimmen bezogen sich in erster Linie auf die zeitliche Umsetzung: So sah Leon Eckert (Grüne) „heute nicht das Ende der Bürgersaal-Suche, sondern erst den Anfang“. Und Thomas Kellerbauer (CSU), der es richtig fand, „so ein Zeichen zu setzen“, glaubt nicht, dass das Projekt vor 2024/25 verwirklicht wird. Deshalb dürfe man auch die Baupreissteigerungen nicht unter den Tisch fallen lassen. Bürgermeister Thaler wollte aufgrund der aktuellen Einnahmensituation ohnehin nichts versprechen. Er verwies erst einmal auf die als nächster Schritt anstehenden Pachtvertragsgespräche mit der Erbengemeinschaft.

Letztlich stimmte nur CSU-Fraktionsvorsitzender Georg Bartl gegen den Bürgersaal in der Ortsmitte. Er zweifelte an der dauerhaften Nutzung des Gebäudes, „wenn kein Wirt da ist“. Und auch sonst würden aus seiner Sicht noch einige Themen auftauchen, „die uns Schwierigkeiten machen“. Er sei überzeugt: Wenn der Saal im Feuerwehrhaus entsteht, würden ihn die Bürger und Vereine ebenfalls annehmen.

ba

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare