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Eine wilde Verfolgungsjagd lieferte sich die Polizei mit einem Duo aus Sachsen auf der A9. Das Spektakel endete mit demolierten Polizeiautos.

Angeklagte beschuldigen sich gegenseitig

Polizei feuert bei irrer Verfolgungsjagd Schüsse ab - Prozess hat begonnen

Bei Dietersheim endete die Verfolgungsjagd, die sich zwei Männer mit der Polizei geliefert hat. Vor Gericht steht auch das Verhalten der Polizisten im Fokus.

Freising/Landshut – Der Prozess um die Verfolgungsjagd, die sich zwei Männer mit der Polizei auf der A 9 hunderte Kilometer quer durch Deutschland geliefert haben und die dann in einem Acker bei Dietersheim geendet hat, wird derzeit vor dem Landgericht Landshut verhandelt. 

Im Juni hatten zwei junge Männer aus Sachsen-Anhalt, 32 beziehungsweise 31 Jahre alt, mit einem gestohlenen Kia fünf Polizeiwagen gerammt. Am zweiten Prozesstag ging es unter anderem um die Frage, ob die Schüsse von Schrobenhausener Polizeibeamten auf den Kleinwagen, der so gestoppt werden sollte, rechtswidrig waren.

Verteidiger: Polizei hätte nicht schießen dürfen

Vor Gericht zeigte sich, dass sich die einstigen Freunde, von denen keiner einen gültigen Führerschein besitzt, nicht mehr so nahestehen. Was den Kia-Diebstahl anging, beschuldigten sie sich gegenseitig. Die Flucht vor der Polizei begründete der 32-Jährige damit, dass er am Vortag Crystal konsumiert habe und davon ausging, noch Restdrogen intus zu haben. Sein Kumpel habe ihn ermuntert: „Fahr zu, mach, dass du wegkommst!“

Zum Auftakt des zweiten Verhandlungstags warf Verteidiger Patrick Schladt die Frage auf, ob der Schusswaffengebrauch mit den Treffern im Kotflügel rechtmäßig gewesen sei. Nach dem Polizeiaufgabengesetz sei der nur gestattet, „um eine gegenwärtige Gefahr für Leib und Leben abzuwehren“. Dies sei aber zum Zeitpunkt der Schussabgabe – wie die Videoaufnahmen zeigten – nicht der Fall gewesen. Die Situation müsse deshalb strafmildernd zu Buche schlagen.

Schüsse fielen, als man die Verfolgten einkesseln wollte

Vorsitzender Richter Ralph Reiter erklärte, dass bei der Landshuter Staatsanwaltschaft wegen des Schusswaffengebrauchs ein Vorermittlungsverfahren gelaufen sei: „Das ist Routine. Es wird geprüft, ob ein Ermittlungsverfahren einzuleiten ist.“ Die Akten dazu seien bei der Staatsanwaltschaft und sollen zum nächsten Verhandlungstag vorgelegt werden.

Die Schüsse waren gefallen, als das Fluchtfahrzeug in der Nähe der B 11 eingekesselt werden hätte sollen. Dabei hatten sie unter anderem den Kotflügel des Kia getroffen. Allerdings, sagte der Richter, sei die Situation bei der Schussabgabe durchaus dramatisch gewesen: Der 32-Jährige habe versucht, in der Nähe von Garching wieder auf die B 11 zu gelangen und habe dann noch ein Polizeifahrzeug touchiert.

Angeklagter ist „Stammgast“ bei der Justiz

Im Leben der beiden Angeklagten sollen Drogen und Alkohol eine große Rolle spielen. Deshalb soll am nächsten Verhandlungstag ein psychiatrischer Sachverständiger gehört werden. Für das Duo steht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt beziehungsweise in einer psychiatrischen Einrichtung im Raum. Der 32-Jährige hat, so wurde bekannt, bereits in der Untersuchungshaft Kontakt zur Suchtberatung aufgenommen und ließ erkennen, dass er motiviert sei, eine Therapie zu machen.

Im Übrigen war er bereits war er mehrfach „Stammgast“ bei der Justiz, hat insgesamt neun Vorstrafen auf dem Konto. Zuletzt war er 2016 wegen Einbruchdiebstahls 2016 verurteilt worden.

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Walter Schöttl

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