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Frauen malte Barthl Mayer gern, wie links das „Mädchen mit dem gelben Pullover“. Rechts ist ein Selbstporträt von Barthl Mayer zu sehen - die Pinsel in der Hand, einen gelben Schal um den Hals.

Bauernbub mit einem Auge fürs Wesentliche

Ausstellung in Freising: Wie Barthl Mayer aus Dietersheim zum namhaften Künstler wurde

Eine Retrospektive im Marstall des Landratsamts Freising erinnert an das Werk des Malers Bartholomäus Mayer aus Dietersheim. Er wäre heuer 110 Jahre alt geworden.

Dietersheim/Freising – Eine Retrospektive im Marstall des Landratsamts Freising erinnert an das Werk des Malers Bartholomäus Mayer aus Dietersheim. Der Künstler, den zu Lebzeiten alle nur Mayer Barthl oder auch „den Maler“ nannten, wäre heuer 110 Jahre alt geworden. In einer umfangreichen Werkschau wird ab Samstag, 7. Dezember, einer der namhaftesten Künstler aus dem Landkreis Freising gewürdigt. 1965 war er im 56. Lebensjahr verstorben.

Freischaffender Maler und unkonventioneller Freigeist

Der Weg des Mayer Barthl zur Kunst sowie sein Leben als freischaffender Maler und unkonventioneller Freigeist in seinem Heimatort wird von zahlreichen, unvergessenen Anekdoten begleitet. Obwohl der Mayer Barthl als ältester Sohn die väterliche Landwirtschaft „Zum Kramer“ in Dietersheim weiterführen sollte, blieb seine große Leidenschaft für das Zeichnen, die sich bereits in jungen Jahren abzeichnete, nicht unbemerkt. Unter Mitwirkung des damaligen Dorfpfarrers Roßberger, der das Talent des Buben als „göttliche Gnade“ einstufte, konnte auch der Vater vom außerordentlichen künstlerischen Talent seines Sohnes überzeugt werden.

Ab 1927 besuchte der Bauernbub daraufhin zunächst eine Zeichenschule in München und wurde schließlich in der Akademie der Bildenden Künste aufgenommen und in einer zehnsemestrigen Studienzeit zum Maler ausgebildet. Seine Herkunft stellte für sein gesamtes künstlerisches Werk eine grundlegende Basis dar. Seiner sprichwörtlichen Erd- und Heimatverbundenheit sowie seinem Interesse am menschlichen Gegenüber blieb er als Maler und Menschenfreund stets treu.

Bildmotive fand er im persönlichen Umfeld

Diese Beständigkeit durchzieht sein künstlerisches Lebenswerk und zeigt sich auch in seiner lebenslangen Sesshaftigkeit in seinem Dietersheimer Wohnatelier. Leben und Werk des Künstlers Mayer Barthl sind untrennbar aufeinander bezogen. Von daher ist es nur konsequent, dass seine Bildmotive aus seinem persönlichen Umfeld abzuleiten sind. Sein malerisches Gesamtwerk besteht aus zahlreichen Landschafts- und Frauendarstellungen, Bildern seiner Ateliersituation aber auch aus farbenprächtigen Blumenbildern und Stillebenkompositionen.

Das künstlerische Renommee des Mayer Barthls mehr als 50 Jahre nach seinem Ableben beruht aber nicht auf seinen scheinbar gängigen Bildmotiven eines „Bauernmalers“. Nicht eine realistische oder wirklichkeitsgetreue Wiedergabe interessierte ihn, sondern das Vordringen und Aufzeigen „des Wesentlichen“ mit künstlerischen Mitteln war sein Anspruch. Dieses idealistische Anspruchsdenken hatte ein lebenslanges Ringen mit künstlerischen Ausdrucksformen zur Folge. Seine bodenständige Lebensform darf nicht über seine künstlerische Freigeistigkeit und Experimentierfreudigkeit hinwegtäuschen, die in allen Werken präsent ist. Sein expressiver und atmosphärischer Malstil charakterisiert sich durch ein harmonisches Ineinandergreifen von Bildmotiv, rhythmischer Komposition, Farbkombinationen und Duktus. Durch den ständigen Austausch mit Münchner Künstlerkollegen, die auch gerne die Gastfreundschaft des Mayer Barthl in Anspruch nahmen, hielt er Anschluss an den aktuellen Kunstdiskurs. Eine dieser Inspirationsquellen führte den Maler aus Dietersheim auch dazu, dass er in seiner Formensprache stärker mit abstrakten Elementen, bis zur vollständigen Auflösung des Figürlichen experimentierte. Ihm ging es dabei immer vorrangig um formalästhetische Lösungen, die er in unterschiedlichen Techniken ausführte.

Chronist von Alltagssituationen

In seinem figurativen Bildwerk spielten politische Inhalte weder in der Zeit des Nationalsozialismus noch in der Nachkriegszeit eine wesentliche Rolle. So bildete er auch während seiner Zeit als Kriegsmaler in Russland nicht „heroische“ Kriegstaten ab, sondern blieb seiner Linie als Chronist von Alltagssituationen oder Darstellungen von Dörfern, Landschaften und einfachen Menschen treu. Heide und Stefan Wagner

Gut zu wissen

Obwohl die Gemälde und Zeichnungen des Mayer Barthl heute weit verstreut sind, konnte aus den Beständen des familiären Nachlasses eine sehenswerte Kunstausstellung zusammengestellt werden. Die Werkschau ist von 7. bis 15. Dezember täglich von 16 Uhr bis 19 Uhr im Marstall des Landratsamts Freising, Eingang Alte Poststraße, zu besichtigen.

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