Bürgermeister Sebastian Thaler
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Im Visier der Staatsanwaltschaft steht Rathauschef Sebastian Thaler auch wegen des Vorwurfs des Wuchers.

Ermittlungen gegen Echinger Bürgermeister wegen des Vorwurfs des Wuchers

Staatsanwaltschaft prüft auch Thalers Wohnungskauf

  • Helmut Hobmaier
    VonHelmut Hobmaier
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Neben dem Vorwurf der Untreue wird gegen Echings Rathauschef Sebastian Thaler auch wegen Wucher ermittelt. Laut Staatsanwalt geht es um einen Immobilien-Kauf.

Eching - Vor einigen Wochen durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft Landshut das Echinger Rathaus und beschlagnahmten dabei Unterlagen. Gegen Bürgermeister Sebastian Thaler werde wegen des Vorwurfs der Untreue ermittelt, erklärte danach die Staatsanwaltschaft. Die bestätigte gegenüber dem Freisinger Tagblatt, dass gegen Thaler auch noch ein weiteres Ermittlungsverfahren anhängig ist: wegen des Vorwurfs des Wuchers. Es gehe um den Kauf einer Immobilie, so die Staatsanwaltschaft auf Anfrage.

Diverse Fragen vom Echinger CSU-Chef

Dabei handelt es sich offenbar um den Kauf einer Wohnung durch den parteilosen Echinger Bürgermeister. Schon vor knapp zehn Monaten war dieser Kauf öffentlich diskutiert worden. Damals hatte der CSU-Ortsvorsitzende Yavuz Kalkan den Stein ins Rollen gebracht, wie das Freisinger Tagblatt am 5. November 2020 berichtete. In einem Offenen Brief hatte der CSU-Ortschef „vorliegende Informationen“ hinterfragt. Dabei wurden Fragen gestellt, ohne Thaler konkret zu beschuldigen. Kalkan bezog sich damals auf einen 92-jährigen Bewohner des Alten- und Service-Zentrums (ASZ) Eching, der nicht nur Mitglied der CSU war, sondern Thaler auch eine Wohnung verkauft haben soll. Thaler habe sich dabei möglicherweise ein „besonders günstiges Angebot“ geschnappt, stellte Kalkan in den Raum. In einem zweiten Schreiben glaubte der Echinger CSU-Vorsitzende, „Parallelen zum bekannten Enkeltrick“ erkannt zu haben. Jedenfalls sei es befremdlich, „einen hochbetagten Mann aus dem Pflegeheim zum Notar zu fahren, damit dieser seine Immobilien dem Bürgermeisterehepaar verkauft“. Diese „Summe von Gerüchten“ wollte der CSU-Ortsverband geklärt haben.

CSU-Fraktionssprecher Georg Bartl hielt sich daraufhin eher zurück, im Lager der Freien Wähler gab es sogar deutliche Kritik an CSU-Chef Kalkan. Bei Fraktionssprecher Christoph Gürtner hinterließ die Offensive einen „ranzigen Beigeschmack“. Schließlich werfe Kalkan dem Bürgermeister in dem Brief mehr oder weniger Amtsmissbrauch vor. Erstaunlicherweise habe Kalkan alle Vorwürfe in Fragen gepackt, könne die getätigten Aussagen also offenbar nicht belegen.

Thaler verteidigt sich: „Die Vorwürfe sind haltlos“

Und der Bürgermeister? Kalkans Attacke empfinde er als diffamierend, wies Sebastian Thaler bereits damals, im November 2020, die vage geäußerten Verdächtigungen zurück. „Die Vorwürfe sind haltlos und an den Haaren herbeigezogen. Meine Frau und ich haben 2019 nach fünfjähriger Suche eine Wohnung in Eching erworben. Es handelt sich um einen Privatkauf von privat – ich habe hier nicht als Bürgermeister gehandelt und auch das ASZ hat nichts damit zu tun.“ Außerdem habe er „einen marktüblichen Preis“ bezahlt. Er wünsche sich eine sachliche Zusammenarbeit, „anstatt destruktiv gegeneinander zu agieren, indem haltlose Behauptungen in den Raum gestellt werden, die nur der Stimmungsmache dienen sollen.“

Mehr könne er auch jetzt dazu nicht sagen, erklärte Thaler im Gespräch mit dem Freisinger Tagblatt: Der Kauf sei bei einem Notar beurkundet worden, der Verkäufer voll geschäftsfähig gewesen und der Kaufpreis marktüblich. „Das hatte alles seine Richtigkeit“, betont Thaler, „außerdem war das eine rein private Angelegenheit. Ich werde mir wohl noch nach langer Suche mit meiner Frau eine Wohnung kaufen dürfen“. Der Wohnungskauf habe nicht das Geringste mit seinem Bürgermeisteramt zu tun. Sebastian Thaler fühlt sich verleumdet.

Staatsanwalt: „Der Vorwurf steht im Zusammenhang mit dem Erwerb einer Immobilie“

Der Immobilienkauf des Rathauschefs beschäftigt jedenfalls den Staatsanwalt in Landshut. Auf entsprechende Anfrage teilte stellvertretender Pressesprecher Sebastian Stitzinger mit: „In Beantwortung Ihrer Anfrage kann mitgeteilt werden, dass gegen Herrn Thaler bei der Staatsanwaltschaft Landshut ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs des Wuchers anhängig ist. Der Vorwurf steht im Zusammenhang mit dem Erwerb einer Immobilie. Derzeit können mit Blick auf das laufende Ermittlungsverfahren weitere Auskünfte nicht erteilt werden. Auf den bis zum Abschluss des Verfahrens geltenden Grundsatz der Unschuldsvermutung wird hingewiesen“ – ebenso wie im ersten Ermittlungsverfahren.

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