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Bürgermeister Sebastian Thaler schließt derzeit eine Berufung nicht aus.

Auseinandersetzung am Echinger See

Echinger Bürgermeister „am Krawattl gepackt“ - Gericht spricht Urteil

  • vonBastian Amann
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Vor zwei Jahren war Echings Bürgermeister Sebastian Thaler in eine körperliche Auseinandersetzung verwickelt. Jetzt hat das Gericht ein überraschendes Urteil gefällt.

Eching – Ob er in Berufung geht, weiß Sebastian Thaler noch nicht. „Ich muss das alles erst mit meiner Anwältin besprechen.“ Vier Wochen hat Echings Rathauschef Zeit, Rechtsmittel gegen das jetzt vorliegende Urteil der 4. Zivilkammer vor dem Landgericht Landshut einzulegen, das ihn eindeutig als Verlierer des Vorfalls im August 2018 am Echinger See dastehen lässt, wo er mit einem Autofahrer aneinandergeraten war.

Dabei schien sich Thaler seiner Sache ziemlich sicher zu sein, als er kurz nach dem Vorfall Anzeige gegen den Autofahrer wegen Körperverletzung erstattet hatte. Beide waren sich vor zwei Jahren auf einem für Autos gesperrten Feldweg in Richtung Echinger See begegnet: Thaler radelte vor dem SUV und machte dem Mann am Steuer gestikulierend deutlich, dass er mit seinem Wagen hier nicht fahren dürfe.

Autofahrer packte Bürgermeister „am Krawattl“

Das, was bei dem folgenden Streit genau passierte, ist bis heute nicht hinreichend geklärt: Der Autofahrer gab zu Sebastian Thaler „am Krawattl gepackt“ zu haben, sagte aber aus, dass der Bürgermeister sein Rad mit Absicht in die Seite des SUV gerammt und diesen somit beschädigt habe. Thaler wiederum gab an, von dem Mann geschlagen und zu Boden gestoßen worden zu sein, wodurch er sich nicht nur eine Gehirnerschütterung zugezogen habe, sondern auch Bike, Helm, Handy und andere Utensilien in Mitleidenschaft gezogen worden seien.

Zurück zur Strafanzeige des Echinger Gemeindechefs: Die Staatsanwaltschaft sah damals keinen hinreichenden Tatverdacht und stellte das Verfahren ein. Der Autofahrer reichte daraufhin Zivilklage wegen Schadensersatzes ein, es folgte eine „Widerklage“ Thalers, um seine Aufwendungen und Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt rund 3000 Euro geltend zu machen. Außerdem startete er recht öffentlichkeitswirksam einen Zeugenaufruf.

Richterin sieht Hauptschuld beim Bürgermeister

Der folgende Prozess Mitte Mai dieses Jahres in Landshut bereitet der Richterin aufgrund der widersprüchlichen (Zeugen-)Aussagen so viel Kopfzerbrechen, dass sie sich mit dem Urteil Bedenkzeit bis Ende Juni erbat. Jetzt liegt es vor: Thaler muss demnach für die Schäden am SUV und Anwaltskosten aufkommen – insgesamt gut 4000 Euro. Der Autofahrer dagegen hat lediglich Thalers Polo-Shirt (Wert: 50 Euro) zu ersetzen, an dem er ihn gepackt hatte. Weitere Sachbeschädigungen seien ihm nicht nachzuweisen.

Wie es seitens der Pressestelle des Landgerichts hieß, geht die Richterin nach der Beweisaufnahme davon aus, dass die Schuld in erster Linie beim Beklagten, also Thaler, liegt. Er habe demnach durchaus „die Gelegenheit gehabt, mit seinem Rad auszuweichen“ und somit fahrlässig gehandelt.

Bürgermeister: „Ärgerlich, weil es mich viel Geld kostet“

Der Bürgermeister kommentierte das Urteil auf telefonische Nachfrage hin ziemlich gefasst. „Zwar ist der Ausgang ärgerlich, weil er mich viel Geld kostet“, letztlich handle es sich aber nicht um ein Strafverfahren, sondern um „eine rein privatrechtliche Geschichte“, in der es um die Frage „Wer ist schuld?“ und die Unfallregulierung gegangen sei. Die andere Frage, ob er vor Ort als Privatperson oder Bürgermeister aufgetreten sei, habe am Ende keine Rolle gespielt.

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