Kinder spielen mit einer Erzieherin, die Maske trägt, im Kindergarten.
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Unterstützung in schwierigen Zeiten: Das Kita-Personal versuche intensiv, die Kinder gut durch die Corona-Zeit zu leiten, sagt Christina Zimmermann. Symbolbild

Unmut über fehlende Wertschätzung

„Wie ein Schlag ins Gesicht“: Kita-Leiterin fordert Gleichbehandlung nach Corona-Bonus-Zahlung für Lehrer

Bayerische Lehrer und Schulleiter haben einen Corona-Bonus bekommen. Dass das Kita-Personal nicht bedacht worden ist, macht eine Echinger Kita-Leiterin wütend.

  • In einem offenen Brief macht eine Kita-Leiterin aus Eching ihrem Ärger Luft.
  • Sie findet es ungerecht, dass nur bayerische Lehrer und Schulleiter einen Corona-Bonus bekommen.
  • Ihre Forderung: eine Gleichbehandlung.

Eching – Anders als in Österreich sollen in Deutschland Schulen und Kindergärten, die in der Corona-Pandemie meist im Doppelpack Erwähnung finden, auch bei steigenden Infektionszahlen nicht erneut im Notbetrieb laufen oder gar noch einmal geschlossen werden. Was Systemrelevanz und Erziehungs- beziehungsweise Bildungsauftrag angeht, unterscheiden sich die Einrichtungen kaum – wohl aber hinsichtlich Wahrnehmung und Wertschätzung, findet Christina Zimmermann.

Diese drücke sich vor allem durch die unterschiedliche Bezahlung aus. Ihrem Ärger Luft machte die Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Eching jetzt in einem offenen Brief an den Evangelischen Kita-Verband Bayern und deren Arbeitnehmervertretung.

Corona-Bonus-Zahlung an Lehrer: Kita-Leiterin aus Eching fordert Gleichbehandlung

Laut Zimmermann sei es dem pädagogischen Personal in Kindertageseinrichtungen bitter aufgestoßen, dass in Bayern kürzlich alle Schulleiter sowie 14.000 Lehrer mit einer Extra-Corona-Gratifikation von 500 Euro für ihren Einsatz in der Pandemie belohnt wurden. Die Pädagogin empfindet das als öffentliche und politische Ungleichbehandlung. Das sei „wie einen Schlag ins Gesicht“ – nicht nur für sie, sondern auch für ihr 15-köpfiges Team, das in vier Gruppen 91 Kinder im Alter zwischen knapp drei und gut sechs Jahren betreut, einschließlich des Schulkindergartens.

„Wie ein Schlag ins Gesicht“

Die Sonderzahlung im Schulbereich habe bei Zimmermann eine „produktive Reaktion“ ausgelöst: Daher habe sie sich als „wütende Privatperson“ an den Kita-Verband gewendet. Dort ist sie nicht nur auf offene Ohren gestoßen: Ihr Schreiben wurde bayernweit auszugsweise in verschiedenen Medien und Presseerklärungen veröffentlicht.

Die pädagogischen Fachkräfte haben vergleichbare Gehälter wie Lehrkräfte verdient.

Evangelischer Kita-Verband Bayern

Das Ganze schlug Wellen: So forderte der Evangelische Kitaverband „die Politik auf, einen Corona*-Bonus für die Mitarbeitenden in Kindertageseinrichtungen analog zum bayerischen Corona-Pflegebonus zu beschließen“, und generell eine Bezahlung anzusetzen, „die der Verantwortung der Tätigkeit entspricht. Kitas sind der Schlüssel für gelingende Bildungsverläufe. Die pädagogischen Fachkräfte haben vergleichbare Gehälter wie Lehrkräfte verdient“, ist auf der Homepage nachzulesen.

Eching: Offener Brief der Kita-Leiterin schlägt Wellen

Christina Zimmermann beschreibt in ihrem Brief mit Wissen und Billigung ihres Arbeitgebers: „Ich wüsste nicht, wie sich meine Arbeit und auch die meiner KollegInnen im Grunde wesentlich von der von Schulleitern und Lehrern unterscheidet.“ Erwähnenswert sei in dem Zusammenhang die Tatsache, dass Schulen dem Kultusministerium unterstellt sind, Kitas dagegen dem Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

Christina Zimmermann leitet die Kita „Regenbogen“ in Eching.

Zimmermanns Ausführungen, die Streiflichter auf ihren „coronabelasteten“ Alltag als Kita-Leitung und zweifache Mutter werfen, „stehen hier auch ein wenig exemplarisch“. Ein gutes Drittel der Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen in der Kita „Regenbogen“ habe jüngere Kinder im schulpflichtigen Alter, und einige Kolleginnen gehörten altersbedingt zur Risikogruppe.

Eching: Christina Zimmermann berichtet von „coronabelastetem“ Alltag als Kita-Leitung

Zudem habe sich in der Corona*-Pandemie die Arbeit auch in den privaten Bereich eingeschlichen: Sie belaste das Familienleben und weiche vor allem die Trennlinie zwischen Feierabend und Freizeit auf. So sei es für die Echinger Kitaleiterin zur Selbstverständlichkeit geworden, auch abends oder am Wochenende Mails und Rundbriefe an Eltern und ihr Team zu verschicken, um etwa über geänderte Bestimmungen zu informieren.

„Ich tue dies, um mit einem guten Gefühl diesen Kindergarten durch diese schwierige Zeit zu leiten“, so Zimmermann. „Es ist für uns selbstverständlich, die (sinnvollen und fragwürdigen) Anforderungen mitzutragen, die uns von Landratsamt und Staatsministerium auferlegt werden“, versichert die Echinger Kita-Leiterin.

Kita-Leiterin aus Eching betont: Es gibt auch positive Erfahrungen

Bei all den Belastungen und Einschränkungen, Risiken und Nebenwirkungen, ist es Christina Zimmermann aber auch ein Bedürfnis, explizit positive Vorkommnisse und Erfahrungen herauszustellen: „Das Team hat sich zu Lockdown-Zeiten auf neue pädagogische Arbeitsformen eingelassen, auch medial und digital, um die Familien auch in Abwesenheit betreuen und unterstützen zu können. Es hat sich viel Gutes und Schönes entwickelt. Zutiefst hat mich dabei beeindruckt, dass gerade auch die Älteren über ihren Schatten gesprungen sind.“

(Von Ulrike Wilms)

Nach einer Verschnaufpause im Sommer gibt es wieder mehr Corona-Fälle im Landkreis Freising. Die aktuelle Entwicklung erfahren Sie in unserem Live-Ticker. Kürzlich ist ein Einbrecher ist in eine Einfamilienhaus in Hallbergmoos eingestiegen. Weit kam er jedoch nicht: Eine Glasflasche verriet den Täter. *Merkur.de ist Teil des zentralen Ippen-Digitalnetzwerks.

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