Beerenernte ist Handarbeit: Wenn Aronia-Pflanze und Haskap-Früchte reif sind, hilft auch der Nachwuchs gerne mit.
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Beerenernte ist Handarbeit: Wenn Aronia-Pflanze und Haskap-Früchte reif sind, hilft auch der Nachwuchs gerne mit.

Pionierarbeit auf dem Pfabhof

Familie Kurz betreibt den ersten Biobauernhof in Eching – Hofladen öffnet am Samstag

Auf dem Pfabhof in Eching wird Pionierarbeit geleistet: Magdalena und Josef Kurz betreiben dort den ersten Biobauernhof der Gemeinde. Am Samstag eröffnen sie ihren Hofladen.

Eching – Am höchsten Punkt der Gemeinde Eching befindet sich seit 2010 der Landwirtschaftsbetrieb von Magdalena und Josef Kurz, der Pfabhof. In fünfter Generation betreibt das Ehepaar, beide Mitte 30 und Eltern von Anna (5) und Josef (3), als kleiner Familienbetrieb das Anwesen – Echings ersten Biobauernhof.

Anwesen mit Weit- und Fernblick: der Pfabhof in Eching, wo diesen Samstag der erste Bio-Hofladen im Gemeindegebiet eröffnet wird.

Die beiden staatlich geprüften Landwirte mit Leib und Seele, die familiär mit der heimischen Scholle verwurzelt sind, haben nun gleich in mehrfacher Hinsicht Neuland betreten. Zum einen hat sich ihr Pfabhof als erster Acker- und Grünlandbetrieb im Gemeindegebiet als Biohof zertifiziert und trägt das Naturland-Gütesiegel. Dies beinhaltet unter anderem einen Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel. Auch in puncto Obstanbau gehören die beiden zu Pionieren. Im Frühjahr 2019 haben sie mit einer Beerenplantage für die immer beliebtere Aronia-Pflanze und die eher noch nicht so bekannten Haskap-Früchte ihre Produktpalette erweitert. Für die vitaminreichen Beeren, die Magdalena Kurz erntefrisch zu Marmeladen, Säften, Obstessig oder Likör verarbeitet, konnte eine gute Ernte eingefahren werden.

Umstellung dauerte zwei Jahre

Zwei Jahre hat die Umstellung vom herkömmlichen Betrieb zum ausgewiesenen Naturland-Bio-Siegel gebraucht. Dieses wird im Rahmen der „Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum“ (EPLR) des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert. Und auch, bis sich die beiden tatsächlich getraut hatten, ihren Traum vom ökologischen Landbau zu verwirklichen, ging einige Zeit ins Land. „Da waren wir schon etwas ängstlich“, bekennt Magdalena Kurz, denn in ihrem direkten Umfeld gebe es keinen, den man hätte fragen können.

Mut gemacht hat ein „Feldtag“ von Biobauern im Dachauer Hinterland. Durch die greifbare Begeisterung und große Hilfsbereitschaft der vom biologischen Anbau überzeugten und auch überzeugenden Standesgenossen sei „der Funke übergesprungen“, erinnert sich Josef Kurz. Seither träumt das Paar nicht sein Leben, sondern lebt zwölf Monate im Jahr und sieben Tage in der Woche seinen (arbeitsreichen) Traum – im Einklang mit der Natur und im Wechsel der Jahreszeiten.

Bio aus Bayern: Das bieten Magdalena und Josef Kurz auf ihrem Hof an.

Die zentrale Frage zur erfolgreichen Umsetzung der ehrgeizigen Pläne für die angehenden Biobauern lautete: Wird der „steinreiche“ Grund der Münchner Schotterebene einen ausreichenden Ertrag liefern, wenn von konventioneller Landwirtschaft auf bio umgerüstet wird? Die Sonderheit des mineralischen Mutterbodens besteht in seiner geringen Wasserhaltung ebenso wie in seiner durch die Kieselsteine bedingten Aufwärmung. Es sei eine pflanzenbauliche Herausforderung, merkt Bio-Landwirt Kurz an, ein neues Feld ökologisch zu beackern, nicht zuletzt auch durch die Folgen des Klimawandels. So haben es sich er und seine Frau zum Prinzip gemacht, sich bei der Nahrungs- und Futtermittelerzeugung „ab Hof“ breit aufzustellen: Je nach Wetter- und Wirtschaftslage lasse sich gegebenenfalls gut „nachsteuern“. „Da stehen wir auf mehreren Standbeinen.“

Zur ökologischen Produktpalette, die sowohl auf eigenem als auch gepachtetem Grund in Eching und Günzenhausen angebaut werden, gehören das biologisch-robuste Urgetreide Emmer, ein Vorfahre des Weizens, der allerdings nur relativ schwache Erträge bringt, Dinkel, Weizen, Roggen, Hafer, Erbsen, Luzerne und, nicht zu vergessen, Heu von Vertragsnaturschutzwiesen. Magdalena Kurz schwärmt vom duftenden Heu der extensiv bewirtschafteten Heidewiesen, ein paradiesischer (Über-)Lebensraum für Kleintiere und Insekten. „Da fühle ich mich immer an meine eigene Kindheit erinnert.“ Das schmackhafte Heu findet als Futter für Pferde Verwendung und in kleineren Gebinden für Haustiere wie Hamster oder Kaninchen.

Vergessene Feldfrüchte wieder anbauen

Ein besonderes Anliegen ist Josef Kurz, die in Vergessenheit geratenen Feldfrüchte, die von seinen Vorfahren angebaut wurden, wieder ins Bewusstsein zu rücken, und so traditionelle Landwirtschaft mit den heutigen technischen Errungenschaften neu zu beleben. So wird er sich demnächst auch daran machen, auf seinem Grund wieder Linsen anzubauen, die als heimische Feldfrüchte vor 100 Jahren sehr verbreitet waren.

Überhaupt sprudeln die Eheleute vor weiteren Ideen und lassen sich mit Begeisterung auf neue Projekte ein: Ziemlich konkret denkt Josef Kurz über die Anlage eines Kartoffelackers nach, auf dem vor allen Dingen Kinder zum Klauben eingeladen werden sollen, um ihnen zu zeigen, dass Feldfrüchte nicht aus dem Supermarkt kommen. Ehefrau Magdalena möchte im kommenden Jahr die Haskap-Plantage erweitern – mit dem Ziel, die geernteten Beeren vermehrt zum Direktverkauf anbieten zu können.

Hofladen für regionale Lebensmittel

Schon heuer ist es soweit mit einem weiteren Service und der Direkt-Vermarktung: Ein eigener Hofladen öffnet an diesem Samstag, 21. November, mit einer Palette von eigenen, aber auch weiteren regionalen Bio-Erzeugnissen einschließlich einer kleinen, aber feinen Auswahl an Bio-Feinkost. Dort kann man unter anderem Mehl selbst mahlen oder Haferflocken herstellen. Geöffnet hat der Hofladen im Pfabhof (Am Grundfeld 2 in Eching/Ottenburg) dienstags von 9 bis 13.30 Uhr, donnerstags von 15 bis 19 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr.

Daneben läuft der Online-Shop – unter dem Motto „Von der Natur für euch“ – unter www.pfabhof.de ebenso weiter wie die Präsens auf regionalen Märkten und auch bei Facebook und Instagram.

Die Geschichte des Pfabhofs

Der Name „Pfabhof“ geht bis ins 17. Jahrhundert auf einen Vorfahren namens Pfab zurück. Dieser hatte nur Töchter und keinen einzigen Sohn, weshalb ein Landwirt namens Josef Kurz in das Anwesen einheiratete. Dennoch blieb der Name „Pfab“ für die Hofstelle erhalten, die urkundlich bereits im Jahr 1671 zum ersten Mal erwähnt worden war.

Das ursprüngliche Anwesen brannte 1900 komplett nieder. Für den anschließenden Wiederaufbau wählte man die heutige Bahnhofstraße, die damals noch von Wiesen und Äckern umgeben war. Ab den 1960er Jahren änderte sich das Bild des ursprünglichen Bauerndorfs mehr und mehr zu einem modernen Gemeinwesen mit (vor)städtischem Charakter.

2007 übernahm der jetzige Hoferbe Josef Kurz den Betrieb und traf zusammen mit seiner Frau Magdalena, mit der er seit acht Jahren verheiratet ist, den Entschluss, auf der Hügelkette bei Ottenburg einen neuen Standort für das landwirtschaftliche Anwesen aufzubauen.

Ulrike Wilms

Bayerische Lehrer und Schulleiter haben einen Corona-Bonus bekommen. Dass das Kita-Personal nicht bedacht worden ist, macht eine Echinger Kita-Leiterin wütend.

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