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Goldener Schraubenschlüssel und Goldene Schneiderschere für die besten Echinger Bastler

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Von: Ulrike Wilms

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Alle Bastler auf einen Blick
„Prost“ hieß es an der festlichen Tafel: (v. l.) Steve Körner, Max Frank, Hermann Schrimpl, Wolfgang Edlinger, Karl Hartung, Gudrun Tolksdorf, Georg Haas, Manfred Korn, Barbara Hammrich und Klaus-Dieter Walter. Nicht mit auf dem Bild: Patrick Rosen und Reinhard Kutzner. © Wilms

Mit besonderen Ehrungen ging das Jahr 2021 im Echinger Reparatur-Café zu Ende. Der „Vater“ des Projekts verabschiedete sich gar für immer.

Eching - Mit einer Mischung aus Freude über das Erreichte und Wehmut über das Ende eines erfüllten und vielseitigen Arbeitslebens, das seit 24 Jahren im ASZ-Mehrgenerationenhaus stattgefunden hat, hieß es für den stellvertretenden Geschäftsführer Klaus Dieter Walter vor Weihnachten Abschied zu nehmen: Der 67-Jährige trat zum Ende des Jahres in den wohlverdienten Ruhestand. Von Abschied und Neubeginn geprägt war entsprechend auch das letzte Reparatur-Café 2021, denn Walter hat das Angebot 2015 aus der Taufe gehoben und begleitet.

Und es wird auch weiterhin repariert. Die Leitung des Reparatur-Cafés liegt nun in Händen von Walters Nachfolgerin Barbara Hammrich, seit 1. Januar neue stellvertretende Geschäftsführerin im Alten- und Servicezentrum.

Weihnachten, Jubiläum und Abschied vereint

„Reparieren statt wegwerfen“ heißt also seit sechs Jahren – einmal im Monat, immer samstags – die Devise. Bei der Einführung des Reparatur-Cafés, eines der ersten in der Region, erzählt Klaus-Dieter Walter, habe die Idee der Nachhaltigkeit Pate gestanden. Erfreulich, dass der (Denk-)Anstoß, von einer gesellschaftlichen Grundhaltung des schnellen Entsorgens hin zu einer Kultur des Bewahrens zurückzufinden, offensichtlich einem wachsenden Bedürfnis der heutigen Zeit entgegenkommt.

Immer wieder samstags wird seit November 2015 einmal im Monat getüftelt und geschraubt und mit „lebenserhaltenden Maßnahmen“ dem ganzen ABC gängiger oder auch selten gewordener Elektrogeräte für Haushalt, Garten oder Freizeit seine Funktionstüchtigkeit zurückgegeben. Coronabedingt wurde der fünfte Geburtstag inkl. Ehrung der ehrenamtlichen Reparateure um rund ein Jahr verschoben – und geriet jüngst zu einer kombinierten weihnachtlichen Jubiläums- und Abschiedsfeier.

Als Anerkennung für sein Werkstatt-Team hatte sich Walter etwas ebenso Glänzendes wie Originelles einfallen lassen: Zusätzlich zu Lebkuchen, Sekt und einem Weihnachtsessen im ASZ-Stüberl übernahm er persönlich die Verleihung des Goldenen Schraubenschlüssels für die patenten Herren und die Goldene Schneiderschere für Gudrun Tolksdorf – die einzige Dame im Team und spezialisiert auf die technischen Geheimnisse von Nähmaschinen. Das Vergolden übrigens hat Walter selbst übernommen.

Die Dame kennt sich mit Nähmaschinen aus

Zum Expertenteam gehört ein Stamm von zehn Reparateuren, jeweils mit speziellen Vorlieben und Schwerpunkten. Von Anbeginn dabei sind Gudrun Tolksdorf, Wolfgang Edlinger, Max Frank, Georg Haas, Manfred Korn, Patrick Rosen und Reinhard Kutzner. Sie beschäftigten sich mit dem komplexen und mehr oder weniger komplizierten Innenleben von Föns oder Dampfbügeleisen, gehen der Frage auf den Grund, warum der Akku-Schrauber nicht mehr schraubt, der Mixer nichts mehr zerkleinert, der CD-Player verstummt ist oder die Kaffeemaschine nicht mehr kocht. Manchmal ist es auch nur eine Kleinigkeit, wie ein loses Kabel etwa oder ein verschmutzter Kontakt, die ein Gerät außer Betrieb setzen.

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Es besteht natürlich keine Erfolgsgarantie, aber Walter kann eine sehr ansehnliche Bilanz vorweisen, denn er hat von Anfang an Buch geführt: „Mit dem Reparatur-Café heuer kurz vor Weihnachten gab es seit Bestehen 63 Treffen“. Dabei wurden die Besucher mit insgesamt 940 „Patienten“ sprich defekten Geräten vorstellig, von denen 535 (56,91 Prozent) als „geheilt“ mitgenommen werden konnten. 169 Fälle (17,98 %) fielen unter die Kategorie „Ersatzteilbeschaffung notwendig“ oder „Vorstellung in einer Fachwerkstatt sinnvoll“. In 230 Fällen (24,47 %) waren die Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. „Die meisten Reparaturen wurden im Januar 2017 mit 29 Geräten registriert und der erfolgreichste Reparaturtermin“, so zeigt Walters Statistik auf, liegt erst einen Monat zurück: Im November 2021 konnten von zwölf defekten Geräten neun den Besitzern voll funktionstüchtig wieder mit nach Hause gegeben werden.

In aller Regel schauen die Eigentümer bei der „Operation am offenen Gerät“ gerne zu, denn es gibt prinzipiell etwas zu lernen, wie auch Walter und das Werkstatt-Team aus eigener Anschauung bestätigen: „Es ist stets spannend geblieben – und man kann immer wieder Neues entdecken.“

Gut zu wissen

Der nächste Termin des Reparatur-Cafés ist am Samstag, 15. Januar, von 14 bis 16 Uhr (kostenlos, aber mit Anmeldung).

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