Ein Sensor an der Bajuwarenstraße in Ismaning.
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Ein Sensor an der Bajuwarenstraße in Ismaning.

Analyse der TUM

NordAllianz-Luftqualitätsdaten unter der Lupe: Ergebnis liegt unter Grenzwerten, aber Handlungsbedarf besteht

Eine wissenschaftliche Arbeit der TU München beschäftigt sich mit der Luftqualität der NordAllianz-Kommunen. Das Ergebnis: Es besteht Handlungsbedarf.

Landkreis-Süd – Seit 2019 messen die NordAllianz-Kommunen die lokale Luftqualität. Nachdem die Daten bereits ehrenamtlich durch den Garchinger Mitarbeiter des Rechenzentrums der Max-Planck-Gesellschaft, Thomas Zastrow, analysiert wurden, gibt es nun eine wissenschaftliche Arbeit der TU München.

Am Lehrstuhl für Verkehrstechnik hat die Studentin Magdalena Staudt unter der Betreuung von Ulrich Glöckl eine spannende Masterarbeit verfasst. Unter dem Titel „Korrelationsanalyse von Luftqualitätsmessstellen und der Verkehrsbelastung von Straßen im Umfeld unter Verwendung von Sensoren der Nordallianz“ hat die Studentin den Zusammenhang zwischen der Verkehrsbelastung und der Luftqualität in der Region analysiert.

Verkehrsspitzen verursachen Höchstwerte

In der Arbeit ging es darum, ob die Verkehrsbelastung auf Straßen tatsächlich in der Luftqualität vor Ort zu erkennen ist. Es wurde herausgearbeitet, dass an den analysierten Tagen vor allem ein Zusammenhang zwischen der Verkehrsstärke und der vorherrschenden Stickstoffdioxidkonzentration zu erkennen war. Das heißt, die Verkehrsspitzen am Morgen und am Nachmittag verursachen Spitzenwerte der gemessenen Stickstoffdioxidkonzentration.

Zwischen der Verkehrsstärke und der Feinstaub-10-Konzentration ist in den Daten ein geringerer direkter Zusammenhang zu erkennen. Die Komplexität der Analyse lag im Einbeziehen der vielen verschiedenen Einflüsse auf die Immissionen. Hierbei sind das Wetter und die örtlichen Umstände entscheidende Faktoren. In den Daten wurde auch ein Zusammenhang zwischen der Immissionskonzentration und der Tageszeit ausgemacht. Dabei zeigte sich ein fotochemischer Einfluss auf die Immissionskonzentrationen, der das Ermitteln des tatsächlichen Zusammenhangs zwischen Verkehr und der vorherrschenden Immissionskonzentration erschwerte.

Passivsammler in Eching kontrollieren Stickstoffdioxidwerte

Um die von den Sensoren gemessenen Werte nochmals genauer unter die Lupe zu nehmen und zu verifizieren, wird an drei Stellen mit verhältnismäßig hoher Belastung nochmals über einen Zeitraum von insgesamt drei Monaten nachgemessen: in Eching an der Unteren Hauptstraße, in Garching an der Einsteinstraße sowie in Unterschleißheim an der Landshuter Straße. Passivsammler sind Röhrchen aus Kunststoff, die an Straßenlaternen angebracht werden und die die Stickstoffbelastung über einen Zeitraum von einem Monat sammeln. Im Labor wird anschließend ausgewertet, wie hoch die monatliche Belastung war.

Als Fazit ist zu sagen, dass die Luftschadstoffe in der NordAllianz gemäß den Messungen der Sensoren signifikant unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte der 39. Bundesimmissionsschutzverordnung liegen. Die Verordnung regelt in Deutschland, wie viel Schadstoffe ausgestoßen werden dürfen. Auch das Bayerische Landesamt für Umwelt sieht daher keinen Bedarf für weitere Kontrollmessungen, so die Behörde auf Nachfrage der NordAllianz. Es gibt jedoch zahlreiche Indizes zur Einordnung der Luftqualität, etwa den European Air Quality Index der EU-Staaten, der auf der NordAllianz-Website verfügbar ist.

Was ist „gute Luft?“ Grenzwerte geben eine Orientierung

Auch die WHO benennt eigene Grenzwerte. Diese liegen deutlich unter den Werten, die die 39. Bundesimmissionsschutzverordnung als Maximalwerte vorgibt. Diese unterschiedlichen Limits sind darauf zurückzuführen, dass die Einschätzung, was als „zu schlecht“ definiert ist, ein Produkt politischer Entscheidungsprozesse ist.

In Anbetracht der Luftqualitätswerte der NordAllianz, die zwar unter den deutschen Grenzwerten liegen, sollte daher also nicht vergessen werden, dass man sich auf den Luftwerten keinesfalls ausruhen kann: Die Luftverschmutzung ist in allen Industrienationen ein großes Problem und hat beträchtliche negative Einflüsse auf Menschen und Umwelt. Während des ersten Corona-Lockdowns hat sich auch in den NordAllianz-Daten eindeutig gezeigt, dass der reduzierte Autoverkehr zum Beginn der Ausgangssperre im vergangenen Jahr eine sichtbare Erholungspause für die Umwelt war, speziell für die Stickstoffdioxidbelastung. Leider hat sich diese positive Entwicklung inzwischen wieder relativiert.

Abschließend bleibt daher zu sagen, dass jeder tagtäglich dazu aufgerufen ist, den eigenen Einfluss auf die Luftqualität maßgeblich zu verringern – etwa durch mehr Radfahren, weniger Fleischkonsum oder die ÖPNV-Nutzung.

Anna-Laura Liebenstund

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