Echinger Alten Service Zentrum - Mehrgenerationenhaus
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Eine beliebte Anlaufstelle ist das Echinger Alten Service Zentrum - Mehrgenerationenhaus.

Ab Juli ist die Einrichtung zu

Pandemie verschärft Pflegenotstand: Echinger Sozialstation muss schließen

Der Pflegenotstand hat nun auch die Gemeinde Eching erreicht: Wegen Personalmangels muss die Sozialstation in gut einem Monat geschlossen werden.

Eching – Es war keine erfreuliche Nachricht, die ASZ-Geschäftsführerin Siglinde Lebich am Mittwoch, ausgerechnet am internationalen Tag der Pflegenden, verschicken musste: Der durch die Corona-Pandemie verschärfte Pflegenotstand – nach aktuellen Schätzungen fehlen in Deutschland 45 000 Arbeitskräfte in der Kranken- und Altenpflege – führt in Eching zur betriebsbedingten Schließung der ASZ-Sozialstation (wir haben berichtet).Noch bis zum 30. Juni sei die Versorgung sichergestellt, danach ist Schluss.

Arbeitsverträge mit Pflegepersonal bereits aufgelöst

Wie Gertrud Wucherpfennig, Vorsitzende des ASZ-Trägervereins „Älter werden in Eching“, informierte, wurden nach Zustimmung des Gesamtvorstands die insgesamt 34 Pflegebedürftigen, darunter auch die acht Bewohner der WG für demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen, von diesem äußerst bedauerlichen und unpopulären Schritt verständigt und die Arbeitsverträge mit dem Pflegepersonal aufgelöst.

Gertrud Wucherpfennig, Vorsitzende des ASZ-Trägervereins

Bis Mitte des Jahres ist die Versorgung der Kunden sichergestellt, ebenso wie eine Beratung zu alternativen Diensten durch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des ASZ/Mehrgenerationenhauses. „Wir haben uns die schmerzliche Entscheidung nicht leicht gemacht“, so Wucherpfennig, die sich bereits einiges an Kritik anhören musste, „und bedauern das Aus für unsere Sozialstation sehr.“ Davon unbenommen sind die ASZ-Begegnungsstätte mit den Angeboten des Mehrgenerationenhauses, die fachliche Beratung sowie der Bereich der mobilen sozialen Dienste wie Einkaufshilfe, Gartenarbeit sowie Fahr-, Reinigungs- und nicht zu vergessen Besuchsdienste. Diese genannten Hilfen werden von Ehrenamtlichen geleistet.

Alle Bemühungen um mehr Personal waren erfolglos

Der (Hinter-)Grund für die Schließung besteht in einem akuten Personalmangel. Seit vielen Monaten haben sich Vereinsführung und ASZ-Geschäftsführerin Siglinde Lebich, die das Haus von Anfang an begleitet hat, darum bemüht, Fachpersonal für die ambulante Pflege zu finden – vergeblich. Von dem Dutzend vorhandener Planstellen im Pflegebereich konnten drei Vollzeitkräfte, einschließlich Pflegedienstleitung, nach deren Kündigung nicht mehr adäquat besetzt werden.

Hinzu kommt der eine oder andere Krankenstand, der ebenfalls kompensiert werden muss. Bereits ab Anfang 2020 hat sich die ASZ-Sozialstation mit zwei Hilfskräften auf Leiharbeitsbasis beholfen, die aber deutlich mehr Kosten verursachen als die übliche Bezahlung nach Tarif. Zudem ist absehbar, dass eine Station ohne Leitung und ausreichend ausgebildetes Personal vonseiten der Pflegekasse auf Dauer die Zulassung verlieren wird.

Siglinde Lebich, ASZ-Geschäftsführerin

„Der Markt für Pflegepersonal ist völlig leer gefegt, es gibt keine qualifizierten Bewerbungen“, führt Lebich aus. „Wir werden uns auch weiter intensiv um eine gute Nachfolgelösung für unsere gemeinnützige Sozialstation bemühen, bevorzugt bei einem sozialen Träger“, verspricht Wucherpfennig, alles Menschenmögliche zu tun.

Bitter stößt es Wucherpfennig und Lebich auf, dass von den vollmundigen politischen Versprechen, die aufgrund der in Pandemie gestiegenen Anforderungen verstärkt hörbar wurden, bis dato vom Staat so wenig konkret angepackt wird, um den Berufsstand des Alten- und Krankenpflegers finanziell und gesellschaftlich aufzuwerten und damit dem beklagten Pflegenotstand entgegenzuwirken.

Tagespflege und Kurzzeitpflegestation bereits 2008 geschlossen

Nicht zum ersten Mal übrigens musste die allseits gelobte und international anerkannte Modelleinrichtung ASZ aus finanziellen Gründen auf einen wichtigen Baustein im Gesamtkonzept verzichten: Bereits 2008 wurden Tagespflege und Kurzzeitpflegestation hintereinander aus mangelnder Wirtschaftlichkeit geschlossen. Das dadurch vakant gewordene Stockwerk wurde in Betreute Wohnungen umgebaut.

Viele schöne Worte, aber keine Taten

Schöne Worte gab es von Anbeginn an für das 1995 fertiggestellte Alten- und Servicezentrum und dessen umfassendes Quartierskonzept unter Trägerschaft des Vereins „Älter werden in Eching“. Darin werden die Wünsche und Bedürfnisse einer immer älter werdenden Gesellschaft nach einer selbstbestimmten Seniorenfürsorge berücksichtigt. Als Leuchtturmprojekt bezeichnete Barbara Stamm, die damalige Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, bei der Einweihung die Einrichtung, deren Vorreiterrolle auch auf einer Kooperation von ehrenamtlichen und professionellen Kräften beruht. Vor ziemlich genau drei Jahren attestierte Ministerin Kerstin Schreyer dem ASZ beim 30. Jubiläum seines Trägervereins explizit, das Leben vieler Menschen „sozialer und reicher zu machen“.

Ähnlich äußerte sich Nachfolgerin Carolina Trautner im vergangenen Corona-Sommer bei ihrem Antrittsbesuch im ASZ/Mehrgenerationenhaus und zeigte sich sehr angetan vom dort gelebten Miteinander von Alt und Jung. Doch mit schönen Worten allein lassen sich Probleme wie der Pflegenotstand nicht aus der Welt schaffen. Für die Echinger Sozialstation kommt nun jede Hilfe zu spät.

Ulrike Wilms

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