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Rund 300 Echinger Europäer waren ins Bürgerhaus gekommen, um sich aus erster Hand zu informieren.

Sieben Echinger Parteien und Gruppierungen machen gemeinsam Wahlkampf - für Europa

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Für ein friedliches, demokratisches und vor allen Dingen vereintes Europa haben sich sieben politische Gruppierungen aus Eching in einer gemeinsamen Veranstaltung stark gemacht. Dabei wurde auch mit Vorurteilen aufgeräumt.

Eching – Rund 300 Besucher konnten vielfältige Impressionen und Informationen aus dem Bürgerhaus mitnehmen. Den gelungenen Abend unter dem Titel „Eching in Europa“ gestaltet haben Die Grünen, Bürger für Eching, Echinger Mitte, FDP, Freie Wähler, ÖDP und SPD. So einen Zusammenschluss auf lokalpolitischer Bühne, bei dem es weder um Profilierung noch Parteipolitik ging, sondern um ein Plädoyer für ein „buntes und starkes Europa“ (Vhs-Geschäftsführerin Doris Fähr), hat es in der Form noch nie gegeben. Nur die CSU machte nicht mit.

Bei seiner Begrüßung sorgte Bürgermeister Sebastian Thaler mit Beispielen absonderlich erscheinender EU-Standards für Heiterkeit, wie der elektrischen Leitfähigkeit von Honig oder auch der berühmten Gurkenkrümmung. Das alles tat er nicht, ohne wirklich wichtige Errungenschaften des Binnenmarkts – die Qualitätssicherung im Verbraucherschutz oder die Vereinheitlichungen bei Währung, Notruf, etc. – zu betonen. Er rief die Echinger dazu auf, ein Votum für Europa und gegen nationalistische Tendenzen abzugeben.

Landeshauptstadt hat mehr Beschäftigte als die EU-Gremien

Karl Kühbandner, Referent für Literatur, Geschichte und Politik an Volkshochschulen, gab einen Überblick über Vorgeschichte, Entwicklung und Aufbau der EU und ihrer Institutionen. Europa gelte heute in der Welt als kultiviert, entwickelt, reich. Die Tugend der Solidarität allerdings sieht Kühbandner durch den Brexit, fehlende Rechtsstaatlichkeit und Korruption in Gefahr. Vor allen Dingen wirtschaftlich seien die Einzelstaaten bedeutungslos gegenüber den USA und China. Wichtig war ihm, Vorurteile gegenüber Europa abzubauen. Beste Beispiele: die Vorwürfe, „die in Brüssel tun nix“ und die EU sei „ein bürokratisches Monster“. So seien für und in den Europagremien etwa 40 000 Mitarbeiter beschäftigt – weniger als bei der Landeshauptstadt München.

In einer Vorstellungsrunde wurden die Schwerpunktthemen angerissen, die die politischen Gruppierungen aufbereitet und an Stellwänden präsentiert hatten. Die Grünen widmeten sich der Landwirtschaft, die Echinger Mitte der Demokratie. Als wichtige Errungenschaft eines vereinten Europas beleuchteten die BfE den Frieden.

Wissenswertes über den Euro und die Währungsunion hatten die Freien Wähler zusammengetragen. Die SPD stellte die noch zu bewältigenden sozialen Herausforderungen in den Mittelpunkt. „Nur ein soziales Europa, in dem die Schwächeren unterstützt werden, ist ein Europa mit Zukunft“, so SPD-Vorstand Carsten Seiffert. Und Grünen-Vorstand Axel Reiss formulierte, stellvertretend für alle, kurz und knackig den Appell: „Geht wählen!“

Gemeinsam ließ man „Europas Glocken“ erklingen

Zusätzlich hatte die Vhs Parteienprofile zu aktuellen Themen wie etwa der Flüchtlingspolitik ausgedruckt und es gab einen europäischen Büchertisch. Auch die musikalischen Beiträge hörten sich europäisch an – sei es bei der Bläsergruppe der Musikschule mit der Eurovisionsmelodie oder dem vom Chor Silberklang angestimmten, in fünf europäischen Sprachen gesungenen Volkslied und Kanon vom Bruder Jakob, dem in einem leicht veränderten Text „Europas Glocken“ klingen.

Dass alle anwesenden Echinger Defizite haben bezüglich ihrer Euro(pa)-Kenntnisse, wurde bei einem Preisrätsel zur Währungsunion deutlich: Keiner der knapp 180 Teilnehmer konnte beide Fragen richtig beantworten. Die meisten scheiterten daran, die Anzahl der einzelnen Währungsgebiete mit dem Euro als alleiniges Zahlungsmittel (nämlich 30) korrekt anzukreuzen. Rathauschef Thaler zog als Gewinnerin des Reisegutscheins im Wert von 400 Euro Marianne Graetz aus Dietersheim.

Persönliche Wortbeiträge aus dem Publikum zeigten die Facetten eines vereinten Europas ebenso wie die Forderungen an eine Europapolitik der Zukunft auf. Europäische Geschichte in der eigenen Familie, bei der es Grenzen und Vorurteile zu überwinden galt, hat Genevieve Günther als gebürtige Französin durch ihre Heirat mit einem Deutschen erlebt. Sie schilderte, wie aus der durch Krieg und Hass geprägte Ablehnung Akzeptanz und Freundschaft gewachsen ist.

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