Harald Rohrer
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Immerhin ein Cannabis-Medikament hat seine Krankenkasse Harald Rohrer genehmigt. Jetzt hofft er, dass es wirkt. leh

Harald Rohrer und seine Probleme mit der Krankenkasse

Kein Tag ohne Schmerzen: Echinger kämpft um Schmerztherapie mit Cannabis

Obwohl Ärzte es empfahlen, verweigerte die Krankenkasse bis vor Kurzem Harald Rohrer (Eching) eine Cannabis-Schmerztherapie. Nun erreichte er einen Teilerfolg.

Eching - Rohrer ist überzeugt, dass er kein Einzelfall ist. Im Mai 2007 hatte er einen schweren Motorradunfall: Ein Lkw nahm ihm auf dem Weg zur Arbeit die Vorfahrt. Er erlitt einen offenen Trümmerbruch und einen Plexusabriss im rechten Oberarm, drei Hauptnerven waren abgerissen. Harald Rohrer hat etliche OPs sowie Muskel- und Nerventransplantationen hinter sich. Den zunächst vollständig gelähmten Arm kann der 56-Jährige nun ein wenig anziehen. „Vom Ellbogen bis zu den Fingern ist er tot“, schildert er seine Situation.

Seit dem Unfall begleiten den Echinger dauerhaft heftige Schmerzen – verursacht von der Sudeck-Krankheit (Schmerzsyndrom). „Ich werde fast wahnsinnig“, klagt er. Und als wäre das alles nicht belastend genug, kämpfte Rohrer auch noch gegen seine Krankenkasse, die bis vor Kurzem Nein zur Cannabis-Therapie sagte. Obwohl das Schmerzzentrum in München und seine Ärztin eine Behandlung mit Cannabisextrakt als Tropfen oder Spray empfahlen, lehnte die Betriebskrankenkasse SBK eine Verschreibung ab. Dort stellte man sich bis vergangenen Woche auf den Standpunkt, dass ein solches Medikament für die Art von Rohrers Erkrankung in Deutschland nicht zugelassen ist.

Früh bekam er Unterstützung vom Medizinischen Dienst

Der Medizinische Dienst argumentierte schon im Juni anders: Danach sah man die Voraussetzungen für die Verordnung eines Cannabinoid als Ergänzung der Schmerztherapie auf Basis der gesetzlichen Vorgaben als gegeben an. Weil praktisch alle geeigneten Schmerzbehandlungsmethoden bereits zur Anwendung gekommen seien – „mit nicht dauerhaft ausreichender Wirkung“.

Rohrer will schon lange weg vom Morphium. Dessen Verschreibung genehmigte die Kasse von Beginn an: „Ich könnte mich mit Morphium-Pflastern vom Scheitel bis zur Sohle zukleben“, so der 56-Jährige. Das möchte er aber nicht: „Die Suchtgefahr ist viel größer als bei Cannabis.“ Mit der Dosierung von Morphium und Pregabalin, gegen das unkontrollierte Zucken des Arms, ist er, so schildert er es, „am oberen Limit“. Die Nebenwirkungen schränken ihn massiv ein, Rohrer ist ständig müde: „Wenn ich wieder einigermaßen fit bin, muss ich schon die nächste Tablette nehmen.“

Ärzte empfehlen eine größere Auswahl

Jetzt hat ihm die SBK immerhin ein bestimmtes Cannabis-Spray genehmigt. Dabei empfehlen Ärzte eine viel breitere Auswahl, um die Wirksamkeit sicherzustellen. Selbst kann der 56-Jährige dafür nicht sorgen. Seine finanzielle Situation – der Aufzugbauer hat Erwerbsminderungsrente beantragt – lässt zusätzliche Käufe nicht zu. Etwa ein halbes bis ein Gramm Cannabis bräuchte er täglich. Rohrer: „Ein Gramm kostet zwischen 22 und 28 Euro. Auf der Straße wahrscheinlich die Hälfte. Aber da stünde ich dann mit einem Bein im Gefängnis.“

Eva Oestereich

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