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Ist längst Geschichte: der im Echinger Gewerbegebiet Nord-Ost beheimatete Swingerclub „Lustschloss Arkanum“.

Lustschloss wird zum Frustschloss

Echinger Swingerclub: Ex-Chefin und „Strohfrau“ verurteilt

Sie hatten nichts mit Spaß und Sex im Sinn: Bei ihrem Besuch im damaligen „Lustschloss Arkanum“ in Eching deckten Steuerfahnder und Zollbeamte auf, dass die Geschäftsführerinnen über Jahre Sozialabgaben und Steuern hinterzogen hatten. Dafür kamen die Ex-Chefin (56) und ihre „Strohfrau“ aus Neufahrn (59) nun mit Bewährungs- und Geldstrafen davon.

Eching/Neufahrn – Laut der von Staatsanwalt Thomas Schlappa vor dem Schöffengericht beim Amtsgericht Landshut vertretenen Anklage war die Neufahrnerin von Oktober 2005 bis Mai 2012 zwar formelle Geschäftsführerin des Swingerclubs, dessen Gäste mit Essen, Getränken, Shows verwöhnt wurden und Spaß beim Sex in den verschiedensten Spielarten fanden. Die 59-Jährige fungierte jedoch nur als „Strohfrau“. Faktische Geschäftsführerin war die 59-jährige Eventorganisatorin: Sie stellte die Mitarbeiter ein, gab die Arbeitsanweisungen und wickelte die Lohnzahlungen ab.

In dem von der Anklage umfassten Zeitraum von August 2009 bis Oktober 2013 wurden von der Betreibergesellschaft „Premium Lifestyle KG“ eine Vielzahl von Arbeitnehmern eingesetzt, wobei für 56 von ihnen keine oder falsche Angaben gegenüber den Einzugsstellen zur Sozialversicherung gemacht und damit keine oder zu geringe Beiträge abgeführt wurden. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum rund 900 000 Euro an „Schwarzlöhnen“ ausgezahlt und damit rund 380 000 Euro an Beiträgen hinterzogen. Getürkt wurde auch bei den Umsatzsteuer-Voranmeldungen und dann bei den jährlichen Umsatzsteuererklärungen. Dabei wurden insgesamt knapp 180 000 Euro hinterzogen, wobei die „Strohfrau“ die Erklärungen für die Jahre von 2008 an bis zu ihrem Ausscheiden 2011 mit einem hinterzogenen Betrag von 85 000 Euro ohne nähere Prüfung der Angaben auf deren Plausibilität unterschrieb. Die Ex-Clubchefin hatte schon bei den ersten Vernehmungen die Hinterziehung der Sozialabgaben und Steuern eingeräumt. Und nicht nur das: Sie händigte den Fahndern Listen aus, auf denen die Arbeitsstunden der Clubgeschichten sowie die gezahlten Vergütungen penibel aufgelistet waren.

Vor dem Schöffengericht beim Amtsgericht Landshut bestätigte die 56-Jährige: „Ich war die Chefin und habe dem Steuerberater die falschen Zahlen geliefert.“ In den ersten Jahren habe der Swingerclub in erster Linie Verluste gemacht. Um das den Kommanditisten nachzuweisen, habe sie die Unterlagen über die Lohnzahlungen die ganze Zeit aufbewahrt. „Ich selbst habe in all den Jahren Tag und Nacht nur gearbeitet und mir nicht einmal das monatliche Geschäftsführer-Gehalt abgezweigt. Das ganze Geld wurde in die Erweiterung und die Ausstattung investiert.“ Erst im letzten Jahr sei es besser gelaufen. Die 58 000 Euro, die man auf der hohen Kante gehabt habe, seien allerdings vom Fiskus beschlagnahmt und auf die Steuerschulden angerechnet worden.

Die Neufahrnerin, so entlastete die Ex-Chefin ihre „Strohfrau“, habe mit den Geschäftsabläufen nichts zu tun gehabt, lediglich die Steuererklärungen unterschrieben. Das bestätigte Letztgenannte: „Ich habe 18 000 Euro Kredit aufgenommen, um als Kommanditistin einsteigen zu können.“ Tatsächlich habe sie nur Vorhänge für das Etablissement genäht und dann die Steuererklärungen unterschrieben. „Ich hatte ja noch einen 40-Stunden-Job.“ Das nahmen ihr die Prozessbeteiligten ab. Der Vorwurf der Sozialabgaben-Hinterziehung wurde fallengelassen.

Das Schöffengericht verhängte gegen die 56-Jährige für die Hinterziehung der Sozialversicherungsbeiträge in 180 Fällen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren zur Bewährung. Für die Steuerhinterziehung in 26 Fällen wurde sie zudem zu einer Geldstrafe von 700 Tagessätzen à 200 Euro (14 000 Euro) verurteilt. Mit dieser Lösung blieb ihr der Knast erspart. Die Neufahrnerin kam für vier Fälle der Steuerhinterziehung mit einer Geldstrafe von 350 Tagessätzen à 30 Euro (10 500 Euro) davon. Damit entsprach das Schöffengericht weitgehend den Anträgen der Verteidiger und blieb erheblich unter den Anträgen des Staatsanwalts, der für die Ex-Chefin eine Vollzugsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, für die „Strohfrau“ eine Bewährungsstrafe von 14 Monaten gefordert hatte.

In der Urteilsbegründung stellte Richter Alfred Zimmerer fest, dass die beiden Frauen mit einer gehörigen Portion Naivität und Dilettantismus vorgegangen seien. Strafverschärfend sei zwar der hohe Schaden, andererseits hätten die beiden Angeklagten davon nicht eigennützig gehandelt und davon profitiert.

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