Mit Maske und Abstand: FT-Mitarbeiterin Ulrike Wilms im Gespräch mit Bürgermeister Sebastian Thaler.
+
Mit Maske und Abstand: FT-Mitarbeiterin Ulrike Wilms im Gespräch mit Bürgermeister Sebastian Thaler.

RÜCK- UND AUSBLICK - Gemeindechef Thaler über Böller, Bauvorhaben und den Bürgerhaushalt

Echings Bürgermeister über Böller, Bauvorhaben, Bürgerhaushalt und ein „großartiges Signal“

  • Ulrike Wilms
    vonUlrike Wilms
    schließen

Wie verlief das außergewöhnliche Coronajahr 2020 aus Sicht des Echinger Bürgermeisers Sebastian Thaler? Und wie stellt sich sein Ausblick auf die kommenden Monate dar? Ein Gespräch:

Herr Thaler, wie haben Sie den Jahreswechsel erlebt?

Silvester ohne aufgesetzte Partystimmung und ohne das sinnlose Geböllere habe ich mit meiner Familie genossen. Das wäre auch ein Ansatz für die Zukunft: zentrale Feuerwerke und kein gefährliches und umweltschädliches Billigfeuerwerk an jeder Ecke.

Gab es etwas, das Sie im Coronajahr als besonders positiv in Erinnerung behalten?

Gefreut hat es mich, mit welchem Verständnis und mit welcher Rücksicht unsere Beschäftigten und die Bürger, aber auch Vereine und Institutionen, mit der für uns alle ungewohnten Situation umgegangen sind. Dieser Zusammenhalt ist ein großartiges Signal in einer harten Zeit.

Was haben Sie als besonders negativ empfunden, was hat Ihnen gestunken?

Was gar nicht geht, dass politische Gegner versuchen, auf einer persönlichen Ebene unwahre Behauptungen in den Raum zu stellen, um jemanden persönlich zu diffamieren. Das gehört sich nicht und dient letztlich niemandem. Aus meiner Sicht ist dies ein Armutszeugnis.

Die größte Baustelle stellt momentan das Rathaus dar. Wann kann der Einzug bzw. Umzug erfolgen?

Es läuft alles nach Plan. Die Rathaus-Architekten und unsere Verwaltung haben hier sehr gutes Management bewiesen und die corona-bedingten Überraschungen bewältigen können. Auch die Kosten bewegen sich im veranschlagten Rahmen von 15 Millionen –„all-in“. Wir werden ab Mai 2021 wieder in der Ortsmitte für unsere Bürgerinnen und Bürger da sein.

Apropos Baustelle: Für wann ist ein Baubeginn des Günzenhausen Feuerwehrhauses realistisch?

Der erste Termin für einen Baubeginn stammt bereits aus der Zeit, als ich noch nicht einmal wusste, dass ich in Eching als Bürgermeister kandidieren werde. Mir war es von Anfang an wichtig, dass wir ein zweckdienliches Gebäude für unsere Freiwillige Feuerwehr aufstellen, dessen Kosten in einem vertretbaren Rahmen liegen. Wenn wir den Bau des Feuerwehrhauses mit dem Bau eines Bürgersaals kombinieren, würden sich viele Synergien ergeben – und es rechtfertigt Mehrkosten für die Allgemeinheit. Auf Wunsch der Günzenhauser Vereine prüfen wir derzeit parallel die Machbarkeit eines eigenständigen Bürgersaals auf fremdem und baulich schwierigem Grund neben dem Gasthof. Die Studie wird im März vorliegen und dann eine finale Entscheidung über den Standort des Bürgersaals getroffen. Auch wenn wir den Turbo einlegen, ist ein Baubeginn noch in diesem Jahr nicht realistisch. Ich rechne im Frühjahr 2022 mit dem ersten Spatenstich.

Kann die Tennisabteilung des SC Eching den nächsten Winter mit der neuen Halle planen?

Nach zähen, rund eineinhalb jährigen Verhandlungen mit der Brandversicherung und einer bewilligten Versicherungssumme von vier Millionen Euro hat der Gemeinderat die Planung beschlossen und das Landratsamt diese kurz vor Weihnachten bewilligt. Eine Baufirma ist beauftragt und wird nach dem Frost umgehend mit den Fundamentierungsarbeiten beginnen. Wir werden alles daran setzen, die Tennishalle bis zum Winter 2021/22 in einen spielfertigen Zustand zu bringen. Sanitärräume, Gymnastikhalle und Wohnräume werden 2022 fertiggestellt.

Welche Vorstellungen haben Sie zur künftigen Nutzung des Huberwirts, den die Gemeinde ja gekauft hat?

Die Gaststätte Huberwirt würde ich persönlich gerne erhalten, da es ein ortsprägendes Gebäude ist und ein gut-bürgerliches Restaurant an dieser Stelle seinen Platz hat. Im ehemaligen Hoteltrakt könnte ich mir Betreute Wohnungen vorstellen, mit einer offenen Volkshochschule und Vereinsräumen im Erdgeschoss. Im Rahmen der Ortsentwicklung, für die wir eine staatliche Förderung beantragt haben, werden aber die Grundstückseigentümer und Nutzer der der anliegenden Gebäude und auch interessierte Bürger am Entscheidungsprozess beteiligt.

Viel Gegenwind gab es für die vom Gemeinderat mit knapper Mehrheit verabschiedete Grundsatzentscheidung, Grundstücke im vergünstigten Wohnbaumodell ausschließlich über Erbpacht zu vergeben. Warum der Verzicht auf Verkäufe?

Die Grundidee des Echinger Modells war und ist es, möglichst breiten Schichten der Bevölkerung bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen. Da sich die Preise für Grund und Boden seit 2014 in Eching verdoppelt und in Dietersheim verdreifacht haben, können sich Familien mit einem mittleren Einkommen auch in unserem Wohnbaulandmodell die Grundstückspreise nicht mehr leisten. Während bei einem Verkauf der Grundstücke einmalig viel Geld in die Gemeindekasse fließt, können wir und die folgenden Generationen bei einer Vergabe im Erbbaurecht mit langfristigen Einnahmen rechnen. Würden beispielsweise die Grundstücke in Eching-West verkauft, so bekämen 14 Echinger Familien von der Gemeinde einen finanziellen Vorteil von rund 200 000 Euro, während die Menschen mit niedrigen Einkommen und ebenfalls Bedarf an Wohnraum leer ausgehen. Das halten ich und eine Mehrheit unseres Gemeinderats nicht für sozial.

Wie belastbar ist der Haushalt der Gemeinde Eching? Wie wichtig ist momentan die schwarze Null?

Vorweg: Es ist gelungen, den Haushalt 2021 ohne Neuverschuldung aufzustellen, obwohl wir zahlreiche große Projekte schultern werden. Auch ist es generationengerecht, wenn wir nicht über unsere Verhältnisse leben. Rentierliche Schulden für Investitionen, die der Gemeinde Einnahmen bringen, wie für den Wohnungsbau, halte ich für legitim und sinnvoll.

Wird es 2021 einen Bürgerhaushalt geben?

Ja. Die 50 000 Euro haben in den letzten beiden Jahren so viele sinnvolle Ideen unserer Bürger zur Umsetzung gebracht, dass es gut investiertes Geld ist.

Sehen Sie heuer eine Chance für große Veranstaltungen wie das Kulturfest oder die Brass Wiesn?

Da solche Veranstaltungen einen langen zeitlichen Planungsvorlauf haben, bin ich für den kommenden Sommer eher pessimistisch. Da die Impfungen jetzt anlaufen und davon auszugehen ist, dass im Sommer ein Großteil der Menschen geimpft ist, ist aber doch Licht am Ende des Tunnels.

Lesen Sie auch: Der Impfstart verläuft holprig.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare