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Kein Zustand, sondern ein Prozess: Wie Eching zur „Fahrradfreundlichen Kommune“ wurde

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Von: Ulrike Wilms

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Der Echinger Bürgermeister und die Teilnehmer der Hauptbereisungs-Gruppe
Angeführt von Rathauschef Sebastian Thaler (r.) wurde die Hauptbereisungs-Gruppe, die rund um Eching die Fahrradfreundlichkeit der Kommune untersuchte. © Wilms

Einiges wurde schon erreicht, aber noch nicht alles: So die Bilanz der Hauptbereisung, mit der sich Eching das Zertifikat „Fahrradfreundliche Kommune“ holte.

Eching - Im Oktober 2018 wurde Eching in die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK) aufgenommen – auf Initiative von MdB und 3. Bürgermeister Leon Eckert (Grüne). 2014 war Eckert noch mit einem identischen Antrag im Gemeinderat gescheitert. Nach erfolgreicher Bewerbung wurde bei einer Bestandsaufnahme festgehalten, was an Fahrrad-Infrastruktur bereits vorhanden war – und wo es noch Handlungsbedarf gibt.

Leon Eckert benötigte mit seinem Antrag im Gemeinderat zwei Versuche

Eckert ebenso wie Bürgermeister Sebastian Thaler gehörten kürzlich auch zum Empfangskomitee beim ganztägigen Ortstermin der dreiköpfigen Bewertungskommission. Die Aufgabe von Sarah Guttenberger (AGFK), Martin Singer vom Bayerischen Verkehrsministerium und Robert Burschik (ADFC-Landesverband) besteht in der Überprüfung, ob die jeweiligen Kommunen die empfohlenen Maßnahmen umgesetzt haben und fahrradfreundlicher geworden sind. Was in Eching unternommen wurde, um mehr Verkehrsteilnehmer dazu zu bewegen, das Rad anstelle des Autos zu nutzen, zeigte Georg Metz, Referent des Bürgermeisters und selbst passionierter Fahrradfahrer, anhand einer umfänglichen Präsentation im Sitzungssaal des Rathauses auf. Besagtes Rat- (oder auch „Radhaus“) punktet selbst mit neuen Fahrradständern und einem breiten Fuß- und Radweg an der Südseite. Es gibt eine Dusche und Spinde für die zahlreichen Radler aus der Verwaltung. Zu der Vielzahl von (mehr oder weniger sichtbaren) Einzelmaßnahmen im Gemeindegebiet zählen als Musterbeispiele der Radweg zwischen Eching und Garching und die neuen Fahrradabstellanlagen an Bahnhof, Echinger See, Rathaus und Tennishalle. Hinzu kommen neue Beschilderungen, Markierungen und rote Fahrbahnbeläge, aber ebenso die Berücksichtigung von Fahrradparkplätzen in der Stellplatzsatzung, die Anschaffung von Diensträdern für gemeindliche Mitarbeiter, der Fahrradwege-Winterdienst oder ein Verkehrssicherheitstraining mit der Vhs.

300 Seiten ist das Radverkehrskonzept dick

Fast abgeschlossen ist ein über 300 Seiten starkes Fahrradverkehrskonzept, mit dem ein externes Planungsbüro betraut wurde. Sachdienlich und ortskundig sind auch die Hinweise der Ortsgruppe des ADFC (Detlef Harms, Michael Steigerwald und Fritz Hammel), die einen ganzen Maßnahmenkatalog erarbeitet haben.

Als große Lücke im Fahrradnetz wurde eine gute Schulwegverbindung von Eching zum Neufahrner Gymnasium benannt. Aber nachdem ja auch die Nachbargemeinde fast zeitgleich zertifiziert wurde, liegt hier sicher ein besonders lohnender Punkt für interkommunale Zusammenarbeit.

Am Nachmittag erfolgte als realer Praxistest eine rund zehn Kilometer lange Tour mit Zwischenstationen am Bahnhof, an Echings (umstrittener) Fahrradstraße, an der Fischzucht Nadler, wo der LED-beleuchtete Radweg nach Günzenhausen beginnt, an der Paul-Käsmeier-Kreuzung, an der Blauen Brücke und in Eching-West. Verbesserungsvorschläge der Experten, wie ein einheitliches Beschilderungssystem über Orts- und Landkreisgrenzen hinaus, die Anbringung von Reflektoren bei Radwegbeschrankungen oder auch das Einfräsen von Bodenmarkierungen anstelle eines oberflächlichen Anstriches wurden eifrig mitgeschrieben.

Letztlich gab es ein einstimmiges „Ja“ zum Echinger Antrag

Zurück im Rathaus verkündete Sarah Guttenberger nach kurzer Beratung das einstimmige Ergebnis der Bereisung: Eching darf demnächst offiziell den Titel „Fahrradfreundliche Kommune“ tragen.

Als besonders positiv wurde dabei das deutlich sichtbare Engagement bewertet, das sich nicht nur in diversen Investitionen von modernen Fahrradabstellanlagen über die Reparaturstation bis zum geplanten Trinkwasserbrunnen zeigt, sondern auch in der Einrichtung einer eigenen Haushaltsstelle für „Fahrradinfrastruktur“ ab 2023. Auch mit dem ambitionierten Ziel, den Anteil der Radfahrer von 19 Prozent auf 24 Prozent im innerörtlichen Verkehr zu steigern, konnte Eching punkten.

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Als „Hausaufgabe“ gilt es, die Netzplanung mit den angrenzenden Kommunen und Landkreisen zu verbessern und die Beschilderungen und Anschlüsse zu optimieren. Erst in sieben Jahren steht dann steht wieder eine Überprüfung an, wie nachhaltig die fahrradfreundliche Gemeinde gearbeitet hat: Denn eines ist sicher: Fahrradfreundlichkeit ist kein Zustand, sondern ein Prozess.

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