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Unterstützung auf der Bühne: Simone Lautenschlager und Heike Storm umrahmten den Auftritt von Alt-OB Christian Ude.

70 Jahre SPD in Eching: Münchner Alt-OB tritt im Bürgerhaus auf

Enßlins Erinnerung an Udes Liebesgedicht

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„Einen lustigen Abend über die SPD“ hatten sich Echings Sozialdemokraten zum Abschluss des Jubiläumsjahres anlässlich ihres 70-jährigen Bestehens gewünscht. Als Garant hatten sie dazu einen Kabarettisten mit umfangreicher lokalpolitischer Erfahrung verpflichtet: den ebenfalls 70-jährigen Genossen und Münchner Altbürgermeister Christian Ude.

Eching – Die Einladung hat Christian Ude gern angenommen – und kam mit S-Bahn und Verspätung aus München ins gut besuchte Bürgerhaus angereist. Gleich als erstes machte er auf eine große Schwierigkeit aufmerksam: „Jetzt sag‘ heutzutage mal was Lustiges über die SPD!“ Nichtsdestotrotz lautete angesichts des bestens unterhaltenen Publikums das Fazit des sozialdemokratischen Jubiläums-Solos: Problem mit Bravour gelöst!

Umrahmt wurde der Ehrengast vom Duo der Musikschullehrerinnen, Simone Lautenschlager (Klarinette) und Heike Storm (Akkordeon), die bei Ude besonders mit der Melodie aus Monaco Franze punkten konnten. Ein zufälliger Programmpunkt der amüsanten Art ergab sich daraus, dass die promovierten Juristen und ehemaligen roten Bürgermeister Christian Ude (München) und der vier Jahre ältere Joachim Enßlin (Eching) dasselbe Münchner Realgymnasium besucht hatten. Und letzterer petzte bei seiner Begrüßung aus der gemeinsamen Schülerzeit(ung), in der ein Liebesgedicht von Ude veröffentlicht worden war. Enßlins Urteil: „Damals hat sich abgezeichnet, dass aus Dir wohl kein bedeutender Lyriker werden würde.“

Stattdessen ist aus dem so Gescholtenen ein Meister pointierter Prosa geworden, ein begnadeter Redner mit erkennbarer Lust am Fabulieren und Formulieren. Die ironische Distanz, mit der Ude peinlichen Situationen und menschlichen Schwächen, einschließlich der eigenen, erfolgreich ein komisches Moment abgewinnt, bringt weitere Sympathiepunkte. Das ist ansteckend, finden die Echinger und schmunzeln mit bei Begegnungen mit Kardinal und Straßenreinigungskraft, mit Spitzenfunktionär, Pfarrer und Hilfspförtner. Sie begleiten den Jura-Studenten, der sich zu zahlreichen Semestern und Mut zur Lücke beim Examen bekennt. Sie begegnen dem Anwalt, dessen Erfolg sich bei einem kirchenrechtlichen Disziplinarverfahren auf das Zitat reduzieren lässt: „Du bist als roter Lump bekannt, jedenfalls bei den Schwarzen“. Sie fühlen mit dem Bürgermeisterneuling, der sich bei einer Sitzung auf fremdem Terrain zuraunen lassen muss: „Sie sind hier der Vorsitzende“. Und schließlich dürfen sie Zeugen einer fast 50 Jahre andauernden türkisch-deutschen Freundschaft werden, was angesichts der Willkürherrschaft eines Präsidenten Erdogan umso bedeutsamer ist. Dazu gehört ein wiederkehrendes Ritual. Immer am Heiligen Abend bringt die befreundete Familie Kilic im Hause Ude ein Geschenk vorbei. So gilt der Spruch: „Erst kommen die Türken, dann die Bescherung.“

A propos „Bescherung“: Ein „Deja-vu“ könnte Ude bei der vollzählig anwesenden SPD-Fraktion plus Bürgermeister Sebastian Thaler ausgelöst haben. Bei seiner Charakterisierung einer Parteiversammlung auf Ortsebene, die darin besteht, „drei Stunden lang zu streiten, ohne ein Sachthema auch nur versehentlich zu streifen“, fühlten sie sich möglicherweise an die Sitzungen des Echinger Gemeinderats erinnert.

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