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Ehedrama vor Gericht

Erweiterter Suizid: Rentner (80) aus Eching wollte Ehefrau töten

Eching/Landshut - Er hatte die wahnhafte Vorstellung, von einer Anlageberaterin um sein Geld gebracht worden zu sein. Deshalb plante ein an Krebs erkrankter 80-Jähriger aus Eching einen erweiterten Suizid, um seiner Ehefrau (79) ein Leben in Armut zu ersparen.

Was die Staatsanwaltschaft vor dem Schwurgericht beim Landgericht Landshut vortrug, klang wie ein wahrgewordener Albtraum. Demnach ging der 80-Jährige am 14. Dezember 2015 gegen 4.45 Uhr in das gemeinsame Schlafzimmer, kniete sich auf die Hüften seiner schlafenden Ehefrau und drückte ihr mit ganzer Kraft ein Kissen auf das Gesicht. Allerdings wurde das Opfer wach und wehrte sich heftig. Nachdem es der Frau gelungen war, ihm das Kissen zu entreißen, würgte er sie mit bloßen Händen. Doch letztendlich schaffte sie es, ihn abzuwerfen. Der Mann holte daraufhin in der Küche zwei Messer und stach sich damit selbst in die Brust.

Über seinen Verteidiger ließ der Angeklagte wissen, dass er an die Vorgänge keine Erinnerung mehr habe, sie aber in der Nachbetrachtung zutiefst bedauere. Eine Erkrankung an Prostatakrebs und die Angst, von einer Anlageberaterin um einen hohen fünfstelligen Betrag betrogen worden zu sein, seien wohl Auslöser zur Tat gewesen.

Unter Tränen schilderte die Ehefrau, die mit dem Angeklagten seit über 40 Jahre verheiratet ist, den Tatablauf: „Ich habe mich mit der Kraft gewehrt, die jemand hat, der um sein Leben kämpft, und die Heilige Maria hat mir geholfen.“ Ihr Mann habe mehrfach gedroht: „Ich möchte dich umbringen.“ Sie sei zum Vermieter geflohen und dorthin sei ihr dann der 80-Jährige, aus der Brust blutend, gefolgt.

Der Vermieter (57) sagte aus, dass der Rentner in letzter Zeit „von der Rolle“ gewesen sei. Er habe mehrfach nachgefragt, ob die Miete überwiesen worden sei, obwohl es da nie Probleme gegeben habe. Der Neffe der Ehefrau (56) schilderte den Rentner als „dominanten Ehemann“, dem sich seine Tante immer gefügt habe. Den Neffen hatte der Angeklagte dann auch angerufen und ihm mitgeteilt, dass er sich ein Messer in den Bauch gerammt habe. Der hatte daraufhin Polizei und Notarzt alarmiert. Der Einsatz sei zunächst wegen des vermeintlichen Suizidversuchs erfolgt, berichtete ein Polizeibeamter. Erst vor Ort habe die Ehefrau von den dramatischen Einzelheiten berichtet.

Die Kammer ordnete die Unterbringung des Rentners in eine Psychiatrie an. Sie stützte sich dabei auf ein Gutachten, das dem Echinger zur Tatzeit Schuldunfähigkeit aufgrund einer wahnhaften Störung bescheinigt. Mit der Einweisung in eine geschlossene Einrichtung sei der Sicherungszweck ebenso gewährleistet wie die medizinische Behandlung des Mannes.

ötl

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