Möglicher Standort: Südlich der Filialkirche befindet sich der verfügbare Bauplatz für den Bürgersaal, der teils auf dem Schützenheim (l.) aufliegt und teils das Gefälle im Bereich des Baumbewuchses und das dahinterliegende Schlachthaus umfassen soll.
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Möglicher Standort: Südlich der Filialkirche befindet sich der verfügbare Bauplatz für den Bürgersaal, der teils auf dem Schützenheim (l.) aufliegt und teils das Gefälle im Bereich des Baumbewuchses und das dahinterliegende Schlachthaus umfassen soll.

Gemeinderat fährt zweigleisig

„Schwierigstes Grundstück in Günzenhausen“ : Standortfrage für Bürgersaal ist heikel

Wo wird der Günzenhausener Bürgersaal gebaut? Die Standortfrage ist heikel. Jetzt haben sich die Echinger Räte für ein zweigleisiges Vorgehen entschieden.

Günzenhausen – Soll der Günzenhausener Bürgersaal unter schwierigen Rahmenbedingungen unterhalb der Filialkirche beim Wirtshaus gebaut oder in den Feuerwehrhausneubau integriert werden? Ersteres ist der lang gehegte Wunsch der Ortsvereine, Letzteres die wirtschaftlichere und unkompliziertere Variante. Eine Entscheidung in dieser nicht nur von Sachargumenten, sondern auch von vielerlei Emotionen geprägten Standortfrage ist noch nicht gefallen. Allerdings hat sich der Gemeinderat nach dem Sachvortrag der Bauverwaltung und anschließender Diskussion mit einer äußerst knappen Mehrheit von 11:10 Stimmen für ein zweigleisiges Vorgehen entschieden.

Machbarkeitsstudie für Grundstück im Ortskern

Dieses beinhaltet, dass die Planungen für das Feuerwehrhaus ohne Zeitverzug, aber mit Saal weiterbetrieben werden, während parallel dazu eine Machbarkeitsstudie für den Saal auf dem verfügbaren und von einer Erbengemeinschaft zur Verfügung gestellten Grundstück im Ortskern erstellt wird. Geschätzte Kosten für diese Expertise: rund 35 000 Euro.

„Da hat einmal die Stimme des Bürgermeisters den Ausschlag gegeben“, kommentierte Sebastian Thaler die enge Abstimmung. Neben ihm unterstützen auch Bernhard Wallner (CSU), SPD, Freie Wähler und BfE (Bürger für Eching) diese Doppelstrategie. Klar dagegen positioniert haben sich die Grünen, vier Räte der CSU, FDP und die Echinger Mitte.

Bau-Referatsleiter Thomas Bimesmeier und Bauingenieur Ermis Tsoupras legten dar, warum es an dem von der Erbengemeinschaft klar definierten einzigen Bauplatz eine Reihe von Risiken und Nebenwirkungen auszuräumen gelte, und welche Planungsvarianten verfügbar seien. Der offerierte Bauplatz gestalte sich als „sehr, sehr schwierig“: Die Hanglage unterhalb der Mauer der Filialkirche Sankt Laurentius bedingt einen Höhenausgleich – entweder durch eine Unterkellerung oder eine Stützkonstruktion –, um das Gebäude auf das Niveau des Wirtshaus-Biergartens anzuheben.

Neben dem Bodengutachten gelte es zudem Belange des Denkmalsschutzes, geeigneter Erschließungsmaßnahmen sowie von Grunddienstbarkeiten (unter anderem Wegerecht) zu berücksichtigen. Auch die Zufahrt, die wohl über die Ringstraße organisiert werden müsste, bezeichnete Bimesmeier als „Riesenproblem“. Das sei „das schwierigste Grundstück, das in Günzenhausen für diesen Zweck vorhanden ist“, sagte Georg Bartl (CSU).

Das Dorfzentrum „braucht Leben“

Anders sähe das Bauvorhaben auf einem von der Gemeinde vorgeschlagenen und abgelehnten Alternativbauplatz aus, nämlich dem jetzigen ebenen Parkplatz der Dorfwirtschaft. Diesen aber möchte sich die Erbengemeinschaft für eigene Projekte nicht verbauen lassen. Siglinde Lebich (Grüne) sagte, dass für die Kommune mit dem „problematischsten Teil des Grundstücks“ etwas „sehr Heikles ausgesucht“ worden sei. Angesichts der verhängten Haushaltssperre reiche auch eine Baustelle aus. Ein Mehrzwecksaal im neuen Feuerwehrhaus sei für sie die „idealere Lösung“, so Lebich, auch wenn es bedeute, dass der eine oder andere „eine Kröte schlucken“ müsse.

Als überflüssig erachtete Bertram Böhm die beschlossene Studie angesichts eines „wirtschaftlich nicht tragbaren Vorhabens“, auch wenn eine Umsetzung „schön wäre“. Die Freien Wähler und namentlich Otmar Dallinger machten sich zum Fürsprecher der Ortsvereine. Es gelte, ein Traditionswirtshaus am Leben zu erhalten: Das Dorfzentrum „braucht Leben“. Darüber hinaus wäre aber angesichts der angestrebten Ortsentwicklung im Westen mit einem neuen Wohngebiet durchaus Bedarf für einen weiteren Mehrzweckraum im Feuerwehrhaus für Aktivitäten wie etwa Kinderturnen, so Dallinger. Als nicht finanzierbar und unrealistisch wurde diese Doppel-Option von zwei Sälen nicht weiter vertieft. Herbert Hahner (SPD) merkte an, dass ein Gutachten angesichts der teils aufgeladenen Atmosphäre bei den Vorgesprächen sicher „zur Befriedung beitragen“ könne.

Vereine sollen weiterhin mitwirken

Schlussendlich wurde als zeitnaher Schritt neben der Weiterführung der Planungen für das Feuerwehrhaus beschlossen, „den von der Erbengemeinschaft vorgesehenen Standort auf die grundsätzliche Machbarkeit zu prüfen“ und mit den Eigentürmern, Behörden sowie dem erzbischöflichen Ordinariat abzustimmen. Im Beschluss festgehalten wurde explizit eine Aufforderung an die ortsansässigen Vereine, weiterhin „konstruktiv am Planungsfortschritt mitzuwirken“.

Ulrike Wilms

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