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Sehr aktuell: Oskar Weissthanner spielt den Landarbeiter Schorsch im fiktiven Glasberg, der von „ehrenwerten“ Bürgern dazu angestiftet wird, ein Asylantenheim anzuzünden.

Echinger Theaterwerkstatt

Kein Happy-End in Sicht

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Eching - Das Ensemble der Theaterwerkstatt unter Regie von Sigrid Hollik hat sich in seiner diesjährigen Aufführung erneut der heimischen Theaterliteratur zugewandt: Mit den zeitgenössischen Werken “Ella” von Herbert Achternbusch (uraufgeführt 1978) und „Schorsch oder bis zur letzten Sau“ von Leonhard Michael Seidl (Neufassung 2000) bringt sie zwei dramatische Einakter in bairischer Mundart auf die Bühne des Bürgerhauses. Am Donnerstag ist Premiere.

„Mit ‚Ella und Schorsch‘ sind wir heuer vollends in der Gegenwart angekommen“ heißt es dazu in der Programmvorschau. Die Monologe über die selbst erzählte Lebensgeschichte zweier „verlorener Seelen“ sind anspruchsvoll und gehen unter die Haut. Darin enthüllt sich bruchstückhaft eine trostlose Lebensbeichte gequälter und gescheiterter Existenzen. Exemplarisch steht ihr Schicksal für die Unbarmherzig- und Grausamkeit die Gesellschaft den Schwachen und Wehr- und Hilflosen gegenüber. Die beiden Hauptrollen sind eine große Herausforderung für die ambitionierten Laienschauspieler. Die langjährigen Darsteller Diana Leitner und Oskar Weissthanner verkörpern Ella aus München und Schorsch aus dem fiktiven bayerischen Dorf Glasberg. Ellas kaputtes Leben ist die Geschichte einer permanenten Gefangenschaft zwischen Familie, Gefängnis und Psychatrie und ihres sporadischen und vergeblichen Aufbegehrens gegen Gewalt, Missbrauch und Zwang.

In „Schorsch oder bis zur letzten Sau“ greift der Münchner Autor Leonhard M. Seidl ein leider sehr aktuelles Thema auf: Der Landarbeiter Schorsch, durch einen Unfall arbeitsunfähig und beschäftigungslos in einer typischen bayerischen Ortschaft gelandet beziehungsweise gestrandet, wird Opfer und Täter zugleich. „Recht-schaffene“ Bürger sammeln Geld und stiften das schlichte Gemüt dazu an, den alten Pfarrhof anzuzünden, in dem ein Asylantenheim untergebracht ist. Schorsch begeht das Verbrechen – kommt mit den Folgen seiner Tat allerdings nicht zurecht.

So viel soll hier schon einmal verraten werden: Wer ein Happy End erwartet, ist in der dramatischen Inszenierung fehl am Platze. Mit den typischen kracherten und krachledernen bayerischen Volksstücken hat die Theaterwerkstatt rein gar nichts zu tun. Das war von Anfang an so. Bereits seit 1982 bietet die ehrgeizige Truppe Jahr für Jahr in knapp 50 verschiedenen Eigenproduktionen anspruchsvolle Theaterkost. Unter vielen anderen mit Werken von Becket und Brecht, Dürrenmatt, de Maupassant und Shakespeare, aber ebenso von Woody Allen, Karl Valentin und nicht zu vergessen vom Echinger Autor Rudolf Grosch.

Die Premiere findet am morgigen Donnerstag im Bürgerhaus statt. Weitere Aufführungen sind am Samstag, 13., Donnerstag, 18., sowie Freitag, 19. Mai. Beginn ist um 20 Uhr. Karten (ab 13 Euro) gibt es i im Vorverkauf im Bürgerhaus, bei PaLoTi oder online über München Ticket.

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