Stimmgewaltig trotz Maske: Sänger Thomas Schütz arbeitete mit den Kindern der Klasse 5a im Manfred-Bernt-Saal der Musikschule.
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Stimmgewaltig trotz Maske: Sänger Thomas Schütz arbeitete mit den Kindern der Klasse 5a im Manfred-Bernt-Saal der Musikschule.

„Jeder Mensch kann singen“

Kindern Klänge näherbringen: Mittelschule und Musikschule werden zu neuem Musikzentrum in Eching

  • Ulrike Wilms
    vonUlrike Wilms
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An der Echinger Musikschule gab es bereits 2019 das vom Kulturforum angestoßene Projekt „Musik für Schüler“. Nun gibt es eine Neuauflage mit einem lokalen Partner.

Eching – An der Echinger Musikschule gab es bereits 2019 das vom Kulturforum angestoßene Projekt „Musik für Schüler“, das die in München ansässige „Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation“ kostenlos im Bereich der Mittel- und Förderschulen einsetzt. So konnten auf Initiative des Stifters Erich Fischer zahlreiche Mittelschüler im Freistaat zum Musizieren gebracht werden. Das Ziel: gerade Kindern und Jugendlichen mit bildungsfernerer Herkunft die Teilhabe an kulturellen Erfahrungen zu ermöglichen. Jetzt gibt es eine Neuauflage des Formats.

„Haben diese Kinder vielleicht keine Chance, klassische Musik zu hören, kommt diese eben zu ihnen“, sagt Sybille Schmidtchen, Vorsitzende des Kulturforums und treibende Kraft des Projekts: „Nach einer Studie gehören 20 Prozent unserer Schüler*innen zur Problemgruppe der Risikoschüler, die in der Corona-Krise noch weiter zurückfallen. Mit diesem Projekt können wir gezielt gegensteuern.“ Schulleitung, Lehrkräfte und die Schüler hatten die Workshops und Vorspiele mit großer Begeisterung aufgenommen. Die für die Stiftung tätigen Profimusiker eröffneten den Jugendlichen der Jahrgangsstufen fünf bis acht bei kostenlosen Konzerten so erste eindrückliche Begegnungen mit klassischer Musik – und die schlugen richtig ein (wir haben berichtet).

Jetzt soll die erfolgversprechende Kooperation zwischen Schule und Stiftung fortgesetzt werden. Hinzugekommen ist als lokaler Partner die Echinger Musikschule. Neben dem Interesse der Schüler und des Kollegiums war dieses Teamwork ausschlaggebend dafür, das Eching als erste und einzige Gemeinde im Landkreis den Zuschlag der Stiftung als Musikzentrum erhielt – zunächst für drei Jahren. Der aktive Beitrag der Musikschule besteht dabei nicht nur darin, Räumlichkeiten wie den Manfred-Bernt-Saal zur Verfügung zu stellen, sondern auch die Lehrkräfte zur Bildung eines Schulchores und für den geplanten Klavierunterricht einzubringen.

Schülerkonzerte eröffnen Musik-Welten

Als eines von 15 Zentren in Bayern sowie je einer Schule in Hamburg und Berlin erfolgt die Unterstützung des neu etablierten Musikzentrums mit Stiftungsgeldern. Coronabedingt mit eingeschränktem Umfang werden diese im laufenden Schuljahr gezielt für qualifizierten Musikunterricht in den Ganztagsklassen fünf und sechs eingesetzt.

Mit drei Auftaktkonzerten ist das neue Musikzentrum nun im Oktober gestartet. Eine wurde exklusiv für die Ganztagsklasse 5a von Waltraud Stölzle gegeben. Spannend und fröhlich zugleich spannten die drei professionellen Musiker Thomas Schütz (Bariton), Georg Roters (Klavier) und Musikdirektor Johannes Erkes (Bratsche) für die 15 Schüler einen weiten musikalischen Bogen – mit Billy Joels „Lullaby“ über virtuose „Fingerübungen“ von Frederic Chopin am Klavier bis zu Carl Maria von Webers temperamentvollem „Rondo Ungarese“. Bei dieser kurzweiligen Unterrichtseinheit stand ein Instrument im Mittelpunkt, das jedem Einzelnen mitgegeben ist: die Stimme.

Wie gewaltig und wandelbar eine geschulte Stimme sein kann, demonstrierte trotz Maske von den lauten bis zu den leisesten Tönen der renommierte Opernsänger Thomas Schütz. „Im Unterschied zu Georg kann man den Thomas leiser und lauter stellen. Das ist alles eine Frage der Übung“, erläuterte Johannes Erkes, der mit Humor und einprägsamen Vergleichen schnell den Zugang zu den Schülern fand und ihnen glaubhaft versicherte: „Jeder Mensch kann singen.“

Zeigte auch schauspielerisches Können: Opernsänger Thomas Schütz als Stierkämpfer aus „Carmen“.

Für einen veritablen Opernstar gehören freilich neben Talent und viel, viel Fleiß auch noch die Beherrschung von Fremdsprachen und schauspielerische Qualitäten dazu. Dies stellte Schütz mit seinen Kostproben als Fürst Almaviva aus Mozarts „Hochzeit des Figaro“ und dem Stierkämpfer aus Bizets „Carmen“ unter Beweis.

Kulturforum wirbt um Spenden

Wie motivierend das bisherige Musikprogramm war, stellen allein neun Anmeldungen in der 5a zum weiterführenden Klavierunterricht im Musikzentrum dar, den die Musikschulpädagoginnen Zara Jerbashyan und Edita Gelic übernehmen. Daneben läuft die Schulung von Stimme und Gehör im Rahmen der Chorarbeit. Angestrebt werden im Laufe der Zeit dabei kleinere Aufführungen, etwa im Alten- und Servicezentrum.

Da nicht der komplette Klavierunterricht von der Stiftung übernommen wird, wirbt das gemeinnützige Kulturforum um Spenden für das Musikzentrum und insbesondere die Übernahme der Kosten für Musik-Patenschaften für einzelne Schüler. Gesucht werden zudem noch elektrische Klaviere und Keyboards für den Instrumentalunterricht. Kontakt über Sybille Schmidtchen an s.schmidtchen@kulturforum-eching.de.

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