Vor Kurzem in Eching gegründet

Neuer Madl-Verein: “Wuide Herzn“ machen Burschen Konkurrenz

Warum gibt es bodenständige Vereine eigentlich nur für Männer? Das haben sich mehrere junge Frauen gefragt und ihre Rückschlüsse gezogen. Jetzt bekommen die Burschenvereine Konkurrenz.

Eching – Landauf und landab sind in Bayern die Burschenvereine bekannt. Sie sind ein Garant für Brauchtumspflege, zeichnen verantwortlich für überlieferte Feste wie Osterfeuer und Maibaumaufstellen und verbinden damit zugleich Gemeinschaftssinn mit Spaß und Geselligkeit. Warum eigentlich gibt es diese bodenständigen Vereine nur für Männer? Diese Frage kam spontan und zufällig in gemütlicher Runde bei einer Grillparty unter Mädels auf, ehemaligen Absolventinnen der Imma-Mack-Realschule, die auch nach der Schulzeit Kontakt miteinander gehalten hatten. Schnell war die Idee geboren, ein weibliches Pendant zum Burschenverein aus der Taufe zu heben.

Schwung und Begeisterung waren so groß, dass man die Vereinsgründung nicht auf die lange Bank schob. Geburtsdatum des Madlvereins „Wuide Herzn“ war der 7. Juli 2017. Zum dreiköpfigen Gründungsvorstand wurden Bettina Geil aus Eching, Carolin Riemensperger aus Allershausen und Stefanie Ebner aus Pulling. 25 Mitglieder im Alter zwischen 18 bis 25 Jahre sind es derzeit. Das „Einzugsgebiet“ des Vereins entspricht in etwa dem Schulsprengel der Imma-Mack-Realschule, die als die eigentliche Keimzelle betrachtet werden darf. Mittlerweile sind aber weitere Freundinnen mit dabei. Sie kommen aus Allershausen, Eching, Freising, Fürholzen, Hallbergmoos, Ober- und Unterschleißheim Pulling und Pfaffenhoffen: Das berufliche Schaffensfeld reicht vom Buchhandel über die Werkstatt und das Büro bis zur Zahnarztpraxis.

Eine der ersten Amtshandlungen war die Ausarbeitung einer Satzung: „Das ging ganz flott“, stellte der Vorstand zufrieden fest. „Alle waren konzentriert dabei.“ Ein Eintrag ins Vereinsregister als e.V. ist zunächst nicht geplant. Aufgrund ihrer selbst festgelegten Statuten sind (und bleiben) die „Wuidn Herzn“ dauerhaft „jung“: Mitglied werden darf jede unverheiratete Dame ab 16 Jahren, die sich mit dem Verein und seinen Zielen identifizieren kann. Bei Hochzeit erfolgt ein Wechsel von der aktiven in die passive Mitgliedschaft. Fördermitglieder können alle verheirateten, weiblichen natürlichen Personen werden. Neben neue Mädels kennenlernen, Spaß haben und gesellige Aktivitäten mit Freundinnen zu unternehmen, habe sich die „Wuidn Herzen“ auch ernsthafte Vereinsziele gesetzt: von der Brauchtums- und Traditionspflege, der Unterstützung lokaler Veranstaltungen von der Planung, Organisation, Durchführung bis zur Nachbereitung und möglicherweise eigener Events geht es ihnen auch um karitative und soziale Aufgabenfelder, in denen sie tätig werden wollen. Im Sommerferienprogramm in Allershausen hat sich der Madlverein bei der Kinderstube Fridoline eingebracht und beim Kinderfest im Jugendzentrum den Kaffeeverkauf übernommen.

Alle sechs Wochen ist ein Treffen im Vereinslokal Hofmeier in Hetzenhausen einberaumt. Alle haben es von ihrer Heimatgemeinde aus in etwa gleich weit dorthin. Im ersten Vierteljahr ihres Bestehens haben die „Wuidn Herzn“ schon einiges auf die Beine gestellt und auch etliche Ideen gesammelt, die noch genauer geprüft werden müssen. Ein Logo wurde kreiert: mit einem Herzen aus weißblauen Rauten und rotem Schriftzug. Einheitliche T-Shirts wurden in Auftrag gegeben. Viel Gaudi hatten die Mädels bei einem gemeinsamen Ausflug aufs Freisinger Volksfest. Ehrensache auch, dass im Dirndl Spalier gestanden und moralische Unterstützung geleistet wurde bei der Inthronisation von Vereinsmadl Patrizia Geil zur Echinger Kartoffelkönigin.

„Wir freuen uns über Verstärkung“, sagt Bettina Geil. Neue Madl sind immer willkommen. Und wer sich vorab einmal informieren möchte: Auf Facebook kann man sich ein erstes Bild von der Mädchentruppe verschaffen.

Auftritt beim Weinfest

Der nächste Einsatz steht schon fest: Beim Weinfest am 7. Oktober bekommt die Freiwillige Feuerwehr Eching (auch so ein reiner Männerverein!) als Ausrichter und Gastgeber charmante, weibliche Unterstützung, beispielsweise beim Schnapserlverkauf.

Ulrike Wilms

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schmerzvoller Verlust für Freising
„Wenn man so lange lebt wie ich, hat man wirklich Riesenglück“, sagte Ludwig Haberstetter an seinem 80. Geburtstag. Jetzt, im Alter von 82 Jahren, hat sein Herz zu …
Schmerzvoller Verlust für Freising
Frischer Wind in der Führungsriege
Führungswechsel beim Burschenverein Eching: Nach zwei Jahren gab Vorsitzender Florian Schönigen sein Amt ab. Neuer Chef ist nun Christian Weiß. Auch weitere Posten …
Frischer Wind in der Führungsriege
Haushalt: Ohne Schulen hätte der Landkreis Freising keine Schulden
Müsste man nicht ständig in die Schulen investieren, „wäre der Landkreis ganz schnell schuldenfrei“, sagt Landrat Josef Hauner. Doch man muss investieren. Viel sogar. …
Haushalt: Ohne Schulen hätte der Landkreis Freising keine Schulden
Aussteigen aus Stress und Hektik
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“: Ganz im Sinne des traditionellen Weihnachtslieds öffnet die Domstadt Freising auch heuer wieder im wahrsten Sinne des Wortes …
Aussteigen aus Stress und Hektik

Kommentare