Eine Wiese, die blüht
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Blühwiesen und blühende Ackerrandstreifen sollen nach Wunsch und Antrag aus Reihen von BfE, EM und ödp deutlich ausgebaut werden.

Ökologischer Appell im Gemeinderat

Pestizid-Verbot in Eching: Aber was passiert mit den alten Pachtverträgen?

  • Ulrike Wilms
    vonUlrike Wilms
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Auf dem Weg zur „Fairtrade Town“ ist man bereits, eine „pestizidfreie Kommune“ soll Eching auch bald werden. Aber zu dem Thema gab es auch Debatten im Rat.

Eching - Mit einem detaillierten Antrag auf eine „pestizidfreie Kommune“ möchte das Ratsbündnis aus Bürgern für Eching, Echinger Mitte und ödp nachhaltig dafür sorgen, dass schon heuer auf allen staatlichen und kommunalen Liegenschaften im Gemeindegebiet keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, Pestizide wie Glyphosat (ab Ende 2023 bundesweit verboten), mehr eingesetzt werden dürfen. Der ökologische Appell stieß quer durch alle Fraktionen auf offene Ohren.

Seitens des Bauhofs und der Umweltabteilung konnte dargelegt werden, dass die vorgebrachten Forderungen zu großen Teilen schon umgesetzt sind. So werden auf den kommunalen Grünflächen seit über 20 Jahren keine Pestizide mehr verwendet. Auch die Unkrautbekämpfung auf Wegen und Plätzen erfolgt durch Abflammgeräte. Beschlossen wurde nun einstimmig, künftig auch private Dienstleister, die mit Pflege-, Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten auf Wegen, Frei- und Sportstätten oder Spielplatzen betraut werden, auf den Verzicht von chemischen Mitteln zu verpflichten.

Auf Echinger Flur sind knapp 76 Hektar an 25 verschiedene Landwirte verpachtet

Um eine schnellere Umsetzung des Verbots von Glyphosat zu erreichen, umfasst der Antrag auch die von der Kommune verpachteten landwirtschaftlichen Flächen von insgesamt 94 Hektar. Auf Echinger Flur sind knapp 76 Hektar an 25 verschiedene Landwirte verpachtet; in der Gemarkung Günzenhausen sind 17 Grundstücke mit 18,5 Hektar an acht Pächter vergeben.

Zwar ist seit 2018 in den vier bisher geschlossenen neueren Pachtverträgen die Verwendung von Glyphosat oder ähnlicher Pflanzenschutzwirkstoffe sowie die Verwendung von Neonikotinoiden (synthetisch hergestellte Insektizide) ausdrücklich verboten, allerdings laufen alle anderen Altverträge davon unangestastet weiter. Im Antrag wird vorgeschlagen, die bestehenden Verträge bei ihrer diesjährigen Verlängerung durch einen Nachtrag zu ergänzen, der den Pestizid-Einsatz verbietet.

Aus Reihen der CSU wurde Kritik an dem vorgeschlagenen Pestizidverbot zum 30. September für laufende Pachtverträge geäußert. Es sei unrealistisch, hier mit politischen und realitätsfernen Vorschriften Änderungen erzwingen zu wollen, so der Tenor. In eigener Sache meldete sich auch Landwirt Josef Riemensberger jun. (CSU) zu Wort. Er warnte insbesondere vor Einbrüchen bei den Ernteerträgen bei unzureichender Schädlingsbekämpfung und einer Verkleinerung von landwirtschaftlichen Produktionsflächen zugunsten von ökologischen Blühstreifen. Wie aus Kreisen der Echinger Landwirte verlautete, halte man es grundsätzlich für die falsche Reihenfolge, mit einem Pachtzusatz in gängige Praxis und Mechanismen wie Fruchtfolge und Anbau auf konventionell bewirtschafteten, hinzugepachtetem Grund eingreifen zu wollen, ohne vorher Rücksprache genommen zu haben.

Thaler will keine Entscheidung über die Köpfe der Bauern hinweg

Man solle keinesfalls über die Köpfe der Bauernschaft hinweg entscheiden, äußerte auch Bürgermeister Sebastian Thaler. Er versprach, im Vorfeld der angedachten Änderungen der Pachtverträge, die vom Rat mit 13:9 angenommen wurden, in einen Dialog mit den Pächtern zu treten.

Wie Michaela Holzer (BfE) darlegte, geht es den Antragstellern auch darum, dass die Bevölkerung über die Bedeutung von Biodiversität informiert wird. Seitens der Gemeinde, beispielsweise in Kooperation mit Heideflächenverein und NordAllianz, sollen die Bürger für Maßnahmen zum Artenschutz, speziell Insekten- und Bienenschutz, sensibilisiert werden.

Beschlossen wurde einstimmig, „geeignete Maßnahmen zur Stärkung der Biodiversität im Gemeindegebiet durchzuführen und die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren“. So sollen etwa die Blühflächen mit Wildblumen ausgeweitet werden, die seit 2018 an Straßenrändern und Freiflächen angelegt worden sind. Außerdem wird darauf abgezielt, dass jeder einzelne, beispielsweise beim Gärtnern, selbst dazu beitragen kann, Lebensraum für gefährdete Arten zu erhalten und zu schaffen.

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