+
Verwahrlost: Die düstere und in keiner Weise behindertengerechte Unterführung am S-Bahnhof in Eching ist wahrlich keine Aushängeschild für die Gemeinde.

Projekt Bahnhof Eching

Ein Lichtblick in dunkler Unterführung

  • schließen

Eine gute Gelegenheit beim Schopfe ergreifen will die Gemeinde Eching bei den für 2018 geplanten Umbauarbeiten der Bahn an der Strecke München – Freising – Landshut/Regensburg. Denn wenn im nächsten Sommer die Trasse der 1858 eröffneten Bahnlinie, auf der auch die 1972 in Betrieb genommene S 1 verkehrt, für diese Maßnahme gesperrt wird, soll in diesem Zeitfenster mit der Erneuerung des Bahnhofs begonnen werden.

Bahnidylle heute: Der Blick nach Süden (in Richtung Bahnhofstraße) auf den stillgelegten Bahnübergang.

Eching– Der wurde ebenfalls 1972 in Betrieb genommen, 45 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Schwerpunkte sind sichere und barrierefreie Zugänge zu den Bahnsteigen sowie eine behindertengerechte Unterführung, die Süd- und Nordseite miteinander verbindet.

Bahnidylle früher: Der alte Bahnhof aus dem Jahr 1968 vor Fertigstellung der Paul-Käsmeier-Brücke.

Damit folgte der Gemeinderat dem Antrag von Irena Hirschmann, die auf die Kompletterneuerungen der Bahnhöfe in Unterschleißheim und Lohhof verwies – ein Beispiel, dem man sich in Eching doch folgen solle. Aus Reihen der CSU kam als weiterer Vorschlag, „im gleichen Zug“ die seit über 40 Jahren unterbrochene Verbindung von der Bahnhofstraße (im Süden) zur Günzenhauser Straße (im Norden) wieder zu reaktivieren – und zwar unterirdisch in Form einer Unterführung. CSU-Fraktionssprecher Georg Bartl meinte dazu: „Das ist unsere einzige Chance, diese Baustelle nicht bei laufendem Bahnbetrieb abwickeln zu müssen“. Auch dieser Anstoß wurde vom Gemeinderat positiv aufgenommen und einstimmig unterstützt.

Erste Kontakte im Frühjahr dieses Jahres mit der Deutschen Bahn AG (DB) verliefen laut Aussage der Echinger Verwaltung zwar etwas schleppend, aber doch optimistisch. Grundsätzlich habe die Bahn keine Einwände gegen eine „Überführung“, so lautet der Fachausdruck für unterirdische Querungen, weil hier die Gleise über dem kreuzenden Verkehrsweg verlaufen. Zwischenzeitlich aber habe sich bei vertiefenden Gesprächen zwischen der Gemeinde und dem Bahnmanagement Ernüchterung eingestellt. Wie Bürgermeister Sebastian Thaler im Gemeinderat berichtete, wäre selbst bei einem optimalen Planungsverlauf ein möglicher Start frühestens 2019 denkbar. Bei genauerer Betrachtung der logistischen, rechtlichen und vor allen Dingen finanziellen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen habe sich herauskristallisiert, dass sich das Vorhaben als wesentlich komplexer darstelle als ursprünglich in der ersten Euphorie gedacht.

So gab die Bahn der Gemeinde eine ganze Reihe notwendigerweise zu klärender Details „als Hausaufgaben“ mit auf den weiteren Weg zur gewünschten Überführung. Da von deren Realisierung im Wesentlichen Bahngrund betroffen ist und dieser überplant werden muss, ist eine Vereinbarung zwischen beiden Parteien notwendig. Seitens der DB gibt es keinen gültigen Bebauungsplan. Geregelt wird das Verfahren nach dem so genannten Eisenbahnkreuzungsgesetz. Darin ist unter anderem auch die Finanzierung verbindlich festgelegt. In Paragraph 11 hießt es klipp und klar: „Wird eine neue Kreuzung hergestellt, so hat der Beteiligte, dessen Verkehrsweg neu hinzukommt, die Kosten der Kreuzungsanlage zu tragen“. Im Klartext: Die Gemeinde Eching wäre wohl in vollem Umfang zahlungspflichtig. Eine vorsichtige, grobe Schätzung geht von fünf Millionen Euro aus.

Wie anhand von Planskizzen erkennbar ist, käme die Kommune nicht umhin, für die Zufahrten in die geplante Unterführung Grund hinzuzukaufen. Dazu führte Bauamtsleiter Thomas Bimesmeier aus, dass eine Reihe von Versorgungsleitungen, wie Gas, Strom oder Abwasser in diesem Bereich verlaufen, die Eching und Günzenhausen unterirdisch verbinden. Diese müssten dann teilweise neu verlegt werden. Eine weitere Erschwernis ist der hohe Grundwasserspiegel. Auch dazu bedarf es noch einer vertiefenden Untersuchung.

Grundsätzlich ist es vorgesehen, die Unterführung für Radfahrer und Fußgänger auszulegen. Wenn allerdings, wie andiskutiert wurde, die Verbindung auch für schnelle Krankenwageneinsätze im Notfall genutzt werden soll, bei Sperrung oder als Alternative zur Paul-Käsmeier-Brücke, wäre eine Dimensionierung weit unterhalb des Grundwasserspiegels notwendig. Ganz vom Tisch oder wieder in den Schreibtischschubladen verschwunden ist das Thema Straßenverbindung Bahnhofstraße – Günzenhauser Straße trotz der augenscheinlich ungünstigen Rahmenbedingungen aber (noch) nicht.

Nach der Sommerpause, in der Bauausschusssitzung am Dienstag, 12. September, sollen zusätzlichen Fakten und Details vorgestellt und weitere Schritte diskutiert werden. Und in einem Punkt nährt die Bahn da auch Hoffnung: Eine Untertunnelung von Gleisen ist heutzutage auch ohne Einschränkungen im laufenden Bahnbetrieb zu realisieren: So ist im Nachbarort Unterschleißheim die vor zwei Jahren eingeweihte Bahnunterführung, die Lohhof und Unterschleißheim verbindet, umgesetzt worden, ohne dass der Zugverkehr hätte stillgelegt werden müssen.


Zum Hintergrund:

Der mit einer Schranke gesicherte Bahnübergang der Straße von Eching nach Günzenhausen wurde nach Fertigstellung von S-Bahnhof und Paul-Käsmeier-Straße, die als Kreisstraße die Aufgabe der alten Ausfallstraße Richtung Norden übernommen hatte, am 24. Juni 1974 geschlossen, wie der damalige Gemeindearchivar Georg Kollmannsberger in seiner Chronik festgehalten hat.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Verstärkung gesucht: Personalnot bei Moosburgs Sicherheitswacht
Seit 2011 gibt es eine Sicherheitswacht in Moosburg - doch zuletzt ist der Bürgerdienst immer mehr eingeschlafen. Das soll sich nun wieder ändern.
Verstärkung gesucht: Personalnot bei Moosburgs Sicherheitswacht
Am Donnerstag: Streiks bei Jungheinrich und Driescher in Moosburg
Weil die IG Metall zu Warnstreiks aufruft, werden am Donnerstag Mitarbeiter von Driescher und Jungheinrich in Moosburg ihre Arbeit niederlegen. Das sind ihre Forderungen:
Am Donnerstag: Streiks bei Jungheinrich und Driescher in Moosburg
Spörerau: Neue Location für Hochzeiten und Geburtstage in Wang genehmigt
Wo früher das Factory-Outlet „Euromoda Depot“ beheimatet war, sollen künftig Geburtstage und Hochzeiten gefeiert werden. Der Wanger Gemeinderat bestand nur auf eine …
Spörerau: Neue Location für Hochzeiten und Geburtstage in Wang genehmigt
Über 1000 Euro gesammelt: Viel Lob für die Klöpfelkinder
Das Klöpfeln im Advent hat eine jahrzehntelange Tradition in Mintraching. Heuer waren die Kinder wieder unterwegs - wenn auch weniger als noch anno dazumal.
Über 1000 Euro gesammelt: Viel Lob für die Klöpfelkinder

Kommentare