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Rätselraten um Großunternehmen

Ein Echinger Jahrhundertvorhaben: Global Player kündigt sich an - doch wer ist es?

Ein Global Player soll kommen - doch wer das ist, steht noch in den Sternen. Zumindest will die Gemeinde aber die Weichen für das Großunternehmen stellen.

Eching – Der Ausbau der A 92 mit einem üppigen Flächenverbrauch auf Echinger Flur nimmt die Gemeinde zum Anlass, konkret über ein zirka 25 Hektar großes neues Gewerbegebiet südlich der Autobahn an der Anschlussstelle Unterschleißheim nachzudenken. Und dies umso mehr, als ein international erfolgreicher Maschinenbaukonzern sehr ernsthaftes Interesse angemeldet hat, dorthin seinen Firmensitz zu verlagern und in drei Stufen eine Produktionsstätte aufzubauen.

Insgesamt könnten Jobs für 1800 Erwerbstätige entstehen, darunter 100 Ausbildungsplätze. Ein derartiges Angebot eröffne sich „im Raum München nur alle zehn Jahre und in Eching alle hundert Jahre“, warb Bürgermeister Sebastian Thaler im Gemeinderat um Zustimmung zu dem „Jahrhundertvorhaben.“ Bekannt ist allerdings noch nicht, um welche Firma es sich genau handelt. Darüber schwieg man sich in Eching aus.

Klärungsbedarf besteht allerdings noch hinsichtlich dort verlaufender Strom- und Gasleitungen, die den Plänen möglicherweise entgegenstehen könnten. Für eine Realisierung ist als erster Schritt die Herausnahme des Areals aus dem Landschaftschutzgebiet „Freisinger Moos und Echinger Gfild“ erforderlich, die beim Kreistag beantragt werden muss. Weil sich auch zwei weitere Flächen des Schutzgebiets im Süden des Hollerner Sees von insgesamt gut 20 Hektar für verschiedene kommerzielle Freizeitnutzungen eignen, drängte sich jetzt auf, diese Vorhaben zu bündeln und in einem „Abwasch“ für alle drei Flächen die Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet anzustreben. Angefragt wurde von einem Investor beispielsweise ein Surfpark oder auch ein Karavanplatz – letzterer auf gemeindeeigenem Grund.

Auf Antrag von Gemeinderat Bertram Böhm (Echinger Mitte) wurde darüber im Rat nicht „en bloc“ abgestimmt, sondern für die drei betreffenden Areale jeweils separat. Dies änderte nichts am grundsätzlichen Ergebnis, bei dem sich eine Mehrheit dafür aussprach, die Tür für das Gewerbeprojekt (18:4 Stimmen) ebenso wie für die Freizeitnutzungen zu öffnen: mit 12:10 Stimmen pro „Surfparkgelände“ und 13:9 Stimmen pro „Karavanplatz“. Bei beiden Bezeichnungen handelt es sich nicht um eine konkrete inhaltliche Festlegung, sondern lediglich um einen griffigen Arbeitstitel. Andere als die beiden genannten Nutzungen sind ebenfalls denkbar.

„Diese Tür ist vergoldet“, erklärte Echings Bürgermeister mit Blick auf den potentiellen, äußerst potenten Gewerbesteuerzahler. Über die Identität des Global Players wurde in diesem frühen Stadium absolute Verschwiegenheit vereinbart. Das Großunternehmen hat parallel zu Eching weitere Eisen im Feuer und legt größten Wert auf Anonymität, bis eine Entscheidung gefallen ist. In vielerlei Hinsicht entspricht Eching dessen Anforderungen vor allen Dingen hinsichtlich der perfekten Verkehrsanbindungen nach München und zum Flughafen, sei es über Autobahn oder S-Bahn. Die Station Lohhof ist zu Fuß erreichbar. Thaler berichtete, dass schon erste Gespräche mit dem Landratsamt über die beabsichtigte Gewerbeneuansiedlung stattgefunden haben. Auch die Untere Naturschutzbehörde „hält eine Herausnahme der Fläche grundsätzlich für denkbar“, heißt es im Sachbericht der Bauverwaltung. Dies gilt umso mehr, als Eching in der glücklichen Lage ist, ein großes zusammenhängendes und auch höherwertiges Areal von etwa 47 ha am Nord-Ufer des Hollerner Sees als Ersatz einzubringen.

Grundsatzkritik an den Veränderungen im regionalen Grüngürtel München-Nord mit Heideflächen und Trockenwäldern kam von Leon Eckert (Grüne), der die Herausnahme der Teilflächen als Zersiedelung bezeichnete und sich gegen den zusätzlichen Flächenfraß aussprach. Auch die drei CSU-Räte Georg Bartl, Robert Hiermansperger und Thomas Kellerbauer votierten gegen die Ausgliederung aus dem Landschaftsschutzgebiet als Voraussetzung für das Gewerbeprojekt. Als Argument für die Ablehnung erläuterte Bartl, dass dafür noch keine Planungen und detaillierte Konzepte vorliegen würden und erntete dafür viel Unverständnis und Kopfschütteln. Sybille Schmidtchen (SPD) äußerte, ihr dränge sich der Eindruck auf, „die CSU ist hier gegen alles“.

Zur Entkräftung der geäußerten Vorbehalte führte Bürgermeister Thaler ins Feld, dass zunächst die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen seien, damit ein neuer Gewerbestandort auf den Weg gebracht werden könne. In einem späteren Schritt habe Eching es selbst in der Hand, die betreffende Fläche nach eigenen Vorstellungen konzeptionell zu entwickeln.

Ulrike Wilms

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