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Ein ganzes Bündel an Vergehen jetzt gesühnt

Material für fast fünf Jahre Haft

Sexueller Missbrauch, Waffendelikte und illegale Potenzmittel: Für einen „Kessel Buntes“ an Verbrechen und Vergehen – wie es Vorsitzender Richter Ralph Reiter formulierte – schickte die 6. Strafkammer des Landgerichts einen 37-Jährigen aus dem südlichen Landkreis Freising für vier Jahre und drei Monate hinter Gitter.

LandkreisIm Zusammenhang mit Waffenkäufen im „Darknet“ war der Angeklagte ins Visier der Ermittler geraten, wobei zunächst sogar von Vergehen nach dem Kriegswaffengesetz ausgegangen worden war. Bei der Wohnungsdurchsuchung stellte sich heraus, dass der 37-Jährige im Jahr 2013 Griffstücke, Läufe und Verschlüsse der Marke Glock für drei Pistolen und dazu 90 Stück Munition erworben hatte. Als der Bürokaufmann im Rahmen seiner Verhöre schließlich mit dem Passwort für seine Computer herausrückte, flog auch ein florierender Handel mit dem nicht zugelassenen Potenzmittel „Maxidus“ auf. Die Fahnder stießen dann allerdings auch noch auf kinder- und jugendpornografisches Material, last not least aber vor allem auf mehrere Videosequenzen, auf denen der 37-Jährige seine Ex-Freundin (31) bei mehreren Besuchen jeweils sexuell missbrauchte, begrapschte und auch den Geschlechtsverkehr durchführte, wobei sie sich in einem „widerstandsunfähigen“ Zustand befand (wir haben berichtet).

Bereits im Rahmen der Ermittlungen hatte der Bürokaufmann über seinen Verteidiger Robert Alavi ein umfassendes Geständnis angekündigt, das er dann auch zum Prozessauftakt ablieferte. Dabei entschuldigte er sich einmal mehr bei seiner ehemaligen Freundin für den Missbrauch, beteuerte aber, ihr nie bewusstseinstrübende Mittel verabreicht zu haben. Die Kinder- und Jugendpornos habe er bereits vor vielen Jahren auf seinem Computer gespeichert und beim Duplizieren der Festplatte einfach „vergessen“ gehabt. Und die Potenzmittel habe er aus einer finanziellen Notsituation heraus vertrieben.

Schon zum Prozessauftakt war es zu einer Verständigung gekommen, wobei man sich auf ein Strafmaß von unter fünf Jahren geeinigt hatte.

Die Kripo-Ermittler bestätigten, dass der 37-Jährige bei der Durchsuchung sofort seine Waffenverstecke mitgeteilt und bei den Vernehmungen dann das Passwort für den Computer geliefert habe, auf dem die übrigen Straftaten festgehalten waren. Insgesamt habe der 37-Jährige wohl an die 26 000 „Maxidus“-Pillen in 1000 Einzelgeschäften vertrieben und dabei einen Gewinn von etwa 30 000 Euro gemacht. Die Abnehmer seien offensichtlich höchst zufrieden gewesen: Im Email-Verkehr habe es über 100 positive Rückmeldungen gegeben.

Staatsanwalt Josef Weiß beantragte eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten. Strafmildernd wertete er bei den Missbrauchsfällen, dass der Angeklagte seiner ehemaligen Freundin die Aussage erspart und sie unwiderlegbar auch nicht betäubt habe. Vielmehr müsse man davon ausgehen, dass sie sich durch erheblichen Alkoholkonsum selbst in einen komatösen Zustand versetzt habe. Strafschärfend dagegen sei ins Gewicht gefallen, dass das Opfer durch die Videoaufnahmen massiv erniedrigt worden sei.

Verteidiger Alavi ging beim sexuellen Missbrauch von einem „minder schweren Fall“ aus: Zwischen dem Mandanten und seiner Ex-Freundin habe es – auch nach der Trennung – noch einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gegeben.

In der Urteilsbegründung führte Vorsitzender Richter Reiter aus, dass sich der 37-Jährige mit der Bekanntgabe des Passworts weitgehend selbst ans Messer geliefert und damit ein „überschießendes Geständnis“ geliefert habe. Besonders straferschwerend seien die Missbrauchsfälle ins Gewicht gefallen.                                                                                                                                                           Walter Schöttl

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