Immerhin verlief der Wechsel in der Schatzmeisterei reibungslos: (v. l.) Christa Lamprecht (1. Vorsitzende), Maria Reindl (Kassierin) und Marianne Lachner (2. Vorsitzende). Foto: ev

Eine Fahne wird zum Zankapfel

Goldach - Die Katholischen Frauen Goldachs stehen vor einer Zerreißprobe: Weil in regelmäßigen Abständen Kritik an der Fahnenbegleitung bei Beerdigung aufkeimt und der Vorstandschaft die Unterstützung der Mitglieder fehlt, kündigten die beiden Vorsitzenden Christa Lamprecht und Marianne Lachner ihren Rücktritt an.

Ich mach’ jetzt noch ein Jahr weiter. Dann ist definitiv Schluss“, machte Christa Lamprecht beim Jahrestreffen deutlich. Die 49-Jährige steht seit sechs Jahren an der Spitze der 260 Mitglieder starken Frauengemeinschaft. Sichtlich aufgewühlt kündigte sie am Samstag ihren Entschluss an. Und auch ihre Stellvertreterin Marianne Lachner (56) hat die Nase voll von den andauernden Querelen um ein „schwerwiegendes“ Problem.

Und darum geht’s: Weil die Vereinsfahne ein beträchtliches Gewicht hat und sich die Zahl derer, die die Last stemmen können, gen Null tendiert, verständigte sich die Mitgliederversammlung vor zwei Jahren auf eine pragmatische Lösung: Bei Beerdigungen wird die Fahne nicht auf den Friedhof getragen, sondern verbleibt nach dem Gottesdienst in der Kirche. Die Frauen verabschieden das verstorbene Mitglied dann am Grab mit Rosen. „Wir haben diese Lösung vorgeschlagen, weil unsere einzige Fahnenträgerin bei Beerdigungen am Donnerstag und Freitag aus beruflichen Gründen nicht dabei sein kann,“ so Lamprecht. Damit es keine Ungleichbehandlung gibt, verständigte man sich auf das neue Procedere.

Doch die Kritik will und will nicht verstummen - trotz deutlicher Worte von Pfarrer Stefan Menzel, der eindringlich Geschlossenheit und Unterstützung der Vorstandschaft anmahnte. Am Ende der Versammlung kündigte die eine oder andere Anwesende - demonstrativ - ihren Vereinsaustritt an.

„Die Arbeit hängt an wenigen Vorstandsmitgliedern.“ Wie zum Beleg von Lamprechts Worten waren gerade einmal 26 von 260 Mitglieder zur Jahreshauptversammlung erschienen. Und auf den schriftlichen Hinweis hin, dass die Vorstandschaft um Mithilfe bei Veranstaltungen bittet, gab’s lediglich sechs Rückmeldungen. Die Teilnehmerzahlen lassen im Allgemeinen zu wünschen übrig.

Dabei könnten die Mitglieder eigentlich hoch zufrieden sein: Maria Reindl übernimmt von Sonja Angerer, die aufgrund ihres Wegzugs das Amt niederlegte, eine gut geführte und gefüllte Kasse. 2000 Euro, so der einstimmige Beschluss, werden heuer sozialen Projekten zur Verfügung gestellt. Auch die festen Termine - Weltgebetstag, Volkfesteinzug, Pfarrfest oder Vereinsausflug - wollen Lamprecht und Lachner heuer noch federführend organisieren. Ob sich danach jemand findet, der das Ruder mitsamt dem Zankapfel „Fahne“ übernimmt, bleibt abzuwarten.

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