Bericht aus dem Gericht

Eine Watschn mit Ankündigung - Opfer pocht nicht auf Bestrafung

Landkreis - Ein lustiger, bierseliger Abend mit Kunden ist für einen Geschäftsmann (30) nach hinten losgegangen. Grundlos schlug der 30-Jährige auf dem Heimweg vom Volksfest einen Festgast. Der 17-jährige Schüler aus Kranzberg hatte ihn schlichtweg genervt. Vor dem Amtsgericht Freising entschuldigte sich der Angeklagte.

Zum Freisinger Volksfest hatte der Geschäftsmann am 11. September vergangenen Jahres Kunden seines Arbeitgebers ausgeführt. Bis zur Deadline feierte die Gruppe im Bierzelt. Dann sollte es eigentlich heim gehen.

Deutlich vor Mitternacht hatte sich der Angeklagte von seinen Gästen verabschiedet. Gegen 3.30 Uhr riefen Freunde des Kranzbergers die Polizei. „Wieso waren Sie um diese Zeit noch unterwegs?“ wunderte sich die Richterin. Der Angeklagte gab an, in der Luitpoldhalle weitergefeiert zu haben. Einen 17-Jährigen geschlagen zu haben, daran könne er sich aber nicht erinnern.

Zur Aufklärung konnten somit nur der geschädigte Schüler und seine Freunde beitragen. Den Fausthieb allerdings haben bloß zwei seiner vier Begleiter gesehen.

Der 17-Jährige selbst ersparte dem Gericht ein kniffliges Patt. Indem er einräumte, die Geduld des merklich alkoholisierten Angeklagten über Gebühr strapaziert zu haben, nahm er einen Gutteil der Verantwortung für den Vorfall auf sich. Eigentlich habe er die Polizei gar nicht hinzuziehen wollen, verriet der Schüler dem Gericht. „Ich wollte nur eine Entschuldigung.“

Unmittelbar nach Verlassen der Luitpoldhalle dürfte der 17-Jährige in jener Nacht auf den vor ihm heimtorkelnden 30-Jährigen aufgeschlossen haben. Er habe ein wenig herumgealbert, gestand der Kranzberger. Als der Angeklagte ihn warnte, „Lass mich in Ruhe, sonst fängst Du Dir eine“, kam er offensichtlich erst richtig in Fahrt. Ständig brabbelte der Schüler irgendwelche sinnlosen Sätze, ließ vom Angeklagten partout nicht ab: „Hast Du gerade Orangensaft verloren?“„Nerv´ mich nicht!“ „Hast Du gerade Orangensaft verloren?“ „Lass mich in Ruhe, sonst...“ „Hast du gerade Orangensaft verloren?"

Keiner weiß genau, nach der wievielten Wiederholung dieser monotonen Sinnlosigkeit von einem Satz der 30-Jährige auf Höhe der Korbiniansbrücke mit der Faust zuschlug. „Muss aber sagen, feste war es nicht gerade“, klärte der Kranzberger das Gericht auf. An Polizei jedenfalls habe er zu keinem Zeitpunkt gedacht: „Er hätte sich bloß entschuldigen müssen.“ Seine Freunde hätten mehr Stress gemacht, als ihm lieb war.

Der Angeklagte verriet, Alkohol nicht zu vertragen. „Wenn ich trinke, geht es mir danach richtig schlecht. Ich lalle, und zwar so, dass mich keiner mehr versteht.“ Cuba Libre und ein paar Maß Bier stauten sich in dieser Nacht auf 2,2 Promille bei ihm auf. Obwohl er betonte, dass ihm nach wie vor jede Erinnerung an den Fausthieb fehlt, entschuldigte er sich bei dem 17-Jährigen: Nachdem der Schüler versichert hatte, dass ihm nach wie vor nicht an einer Bestrafung des Angeklagten gelegen sei, war der Weg frei zu einem friedvollen Abschluss der Geschichte. Das Gericht stellte das wegen Körperverletzung angestrengte Verfahren gegen den 30-Jährigen ein, verzichtete sogar auf eine denkbare Geldauflage.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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