Aussteiger: Der Ex-Neonazi Manuel Bauer spricht vor Schülern, wie er damals zu rechten Szene gekommen ist. Foto: leh

Von einem Leben im braunen Sumpf

Freising - Manuel Bauer (34) war über 13 Jahre in der Rechten Szene aktiv. Mittlerweile kämpft der Aussteiger gegen Neonazis. In einem Vortrag warnte er vor einem Leben im braunen Sumpf.

In der Stadtbibliothek erscheint Manuel Bauer am Freitag in Jeans, hellblauem Hemd und blauer Strickjacke. Er begrüßt die Neuntklässler der Mittelschule Neustift. Scherzt mit ihnen. Der 34-Jährige wirkt sehr symphatisch. Kaum vorstellbar, dass er ein Neonazi war, und ein brutaler noch dazu. Heute weiß er, dass die Sachen, die er gedacht und getan hat, „krank“ waren. Er klärt über die Rechte Szene auf, hält Vorträge vor Jugendlichen und Eltern, macht Musik- und Filmprojekte.

In der Stadtbibliothek spricht er die Dinge direkt an, beschönigt nichts, wenn es um sein damaliges Leben „unter Staatsfeinden“ ging. So heißt auch sein Buch, in dem er beschreibt, wie er in die Rechte Szene abgerutscht ist.

Bauer wuchs in der ehemaligen DDR auf. In einem kleinen Dorf, Polbitz, das damals 40 Einwohner hatte. Dort verbrachte er eine schöne Kindheit, erzählt er. Nach der Wende kam er mit Neonazis in Kontakt. Die verteilten Kassetten, Musik mit Rechten Texten. „Ich war zum Teil erschrocken, zum Teil aber auch fasziniert.“ Er saß mit seinen Freunden zusammen, rauchte, trank Alkohol. Dazu lief die Neonazi-Musik. Die Atmosphäre, die Aura sei bei den Rechten wichtig, sagt er.

Mit 14 Jahren wurde Bauer das erste Mal straffällig. Mit zwei Freunden überfiel er einen Jugendclub, in dem sich die Punks und die Linken, die „Zecken“, wie sie die Neonazis nennen, trafen. Dort hörte er erstmals, wie es klingt, wenn eine Holzlatte auf ein Gesicht trifft, berichtet Bauer. Er selbst hatte damals nicht zugeschlagen, war „nur dabei“ gewesen. Der Überfall sprach sich im Dorf rum, die meisten seiner Freunde fanden es cool. „Ich habe mich wichtig gefühlt.“ Die Rechte Szene habe einem Bestätigung gegeben. Geachtet war man, wenn man viele Kontakte und Geld vorweisen konnte. Bauer hatte beides nicht. Er „punktete“ durch seine Gewalttätigkeit. Bauer entwickelte sich zu einem gefürchteten Schläger, prügelte auf Obdachlose und Ausländer ein. Einmal griff er eine indische Familie an. Dabei „kickte“ er auch ein fünfjähriges Mädchen an die Wand.

Der Aussteiger berichtet, dass er für die Leute, die er zusammenschlug, kein Mitleid, keine Gefühle empfand. Die Neonazis hatte ihn gut „programmiert“, ihre Ideologie eingepflanzt. Bauer war auch im Rechtsterror aktiv. In Osteuropa wurde er unter anderem im Häuserkampf ausgebildet. Er war an einem Brandanschlag auf ein Asylantenheim beteiligt und hat eine Dönerbude angezündet. Im Gefängnis kam für ihn die Wende. Er nahm Kontakt mit Exit auf, einer Organisation, die Aussteigern aus der rechten Szene hilft. Die Gespräche mit den Mitarbeitern und Ausländern hätten ihn unsicher gemacht. Das große Umdenken begann.

Mit einem seiner Opfer, dem damals fünf Jahre alten Mädchen, hat sich Bauer schon zweimal getroffen. Für seine ehemaligen Kameraden ist er jetzt ein Verräter, Jagdwild. Weil er sie bekämpft. Aber Bauer gibt nicht auf, damit möglichst viele nicht im braunen Sumpf versinken. (mei)

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