Das alte Feuerwehrhaus in Wippenhausen wollte der Verein Brotbackhäusl mit Leben füllen. Die Mehrheit im Gremium will das nicht.
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Das alte Feuerwehrhaus in Wippenhausen wollte der Verein Brotbackhäusl mit Leben füllen. Die Mehrheit im Gremium will das nicht.

Absage für Wippenhausener Brotbackhäusl e. V.

Engagierter Verein kassiert auf der Zielgeraden Absage: Brotbackhäusl ohne Domizil

Der Verein Brotbackhäusl e.V. in Kirchdorf ist seit seiner Gründung 2020 sehr aktiv. Jetzt wurde er vom Gemeinderat jäh ausgebremst.

Kirchdorf - Der relativ junge Wippenhausener Verein Brotbackhäusl e. V. wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Belebung der Ortschaft und die Rettung des historischen Feuerwehrhauses am Pfarrweg. Gab sich Vereinsgründungsmitglied Martin Heyne (Grüne) bei der jüngsten Kirchdorfer Gemeinderatssitzung bei diesem Thema anfangs noch zuversichtlich, zeigte er sich nach der Diskussion relativ fassungslos aufgrund der Gegenargumente.

Verein wollte historisches Feuerwehrhaus retten und alte Tradition wiederbeleben

In Wippenhausen steht ein altes Feuerwehrhaus, das langsam verfällt. Um es zu retten und gleichzeitig das Dorfleben mit der alten Tradition einer wöchentlichen Brotback-Aktion zu bereichern, gründete sich voriges Jahr ein Verein. Nun legte Heyne einen Antrag vor zur Nachnutzung des Gemeindegebäudes und schlug dabei einige Varianten vor – etwa eine Kernsanierung mit Fördermittelbindung auf zwölf Jahre. Die Förderungen wären durch das Amt für Ländliche Entwicklung wohl möglich. Der Verein zeigte sich auch für andere Varianten offen, also ohne Fördermittelbindung, damit ein Verkauf kurzfristiger möglich wäre. Zudem verfüge der Verein über Spenden von runden 10 000 Euro, die eine Leistungsfähigkeit sicherstellen.

Seit einem Jahr gibt es Gespräche mit Bürgermeister Uwe Gerlsbeck (CSU), im März übergab der Verein die Bestandsdokumentation und Kostenrahmenschätzung für Umbauvorhaben an die Kirchdorfer Verwaltung. Der erwartete Eigenanteil würde um die 29 000 Euro betragen, jedenfalls bei einer Förderhöhe von 83 Prozent. Doch trotz dieser umfangreichen Vorarbeit kam es bei der Sitzung nun ganz anders.

Gemeinderat: Der Verein sollte sich erst mal beweisen

Reinen Tisch machte dann gleich Anton Pittner (CSU/FW) – er wollte dem Antrag auf keinen Fall zustimmen, auch weil es im Vorfeld viel „Tamtam“ gegeben hätte. Der Verein würde durch Berichte in der Presse über das Backhaus die Räte unter Zugzwang stellen. Überhaupt sollte sich seiner Meinung nach der Verein erst einmal beweisen – nach beispielsweise vier Jahren würde man dann auch sehen, ob die Idee „nicht nur ein geistiger Ausflug“ gewesen sei. Er würde zwar verstehen, dass der Verein die Fördersumme abschöpfen wolle – jedoch müsse trotzdem viel Geld aufgewendet werden für einen „Verein, den keiner kennt“. Pittners Tipp: Heyne sollte das mit seinen Vereinskollegen besprechen, denn dort seien „ja lauter g’scheite Leut!“

Auch Elisabeth Hörand (CSU/FW) fand die „Art und Weise“, wie der Verein an die Sache rangehe, gar nicht gut. Außerdem möchte Hörand jederzeit „Zugriff auf das Gebäude“ haben für eventuelle Verkäufe. Die Vorgehensweise, so Hörand, dass über die Presse „Druck aufgebaut“ und vorgegaukelt werde, es sei schon alles in „trockenen Tüchern“, sei ihr vollkommend fremd. Auch Helmut Wildgruber (FWG) fand wie viele Räte die Idee eines Brotbackhauses per se nicht schlecht - allerdings befürchtete er, dass die anderen örtlichen Vereine dann verärgert sein könnten, da diese viel in Eigenleistung gemacht hätten und sich nicht auf Fördermittel berufen.

Zudem hatten die meisten Räte die Befürchtung, dass mit einer Belebung der Wippenhausener Dorfmitte Irritationen entstehen könnten, denn das Schützenheim beim neuen Feuerwehrhaus sei ja eigentlich als Vereinszentrum und damit auch als Treffpunkt angelegt worden. Auch Andreas Schmitz (FWG) versicherte: „Wir haben entschieden, die Dorfgemeinschaft ins Schützenheim zu integrieren“. Dort, so Pittner, könnte der Verein ja mit einer mobilen Variante vorstellig werden und erstmal „kleine Brötchen“ backen. Auch Gerlsbeck plädierte dafür, dass sich der Brotback-Verein ins Schützenheim integrieren solle, denn zwei „Zentren“ in der Kommune fände der Rathaus-Chef nicht optimal. Gerlsbeck erklärte auch warum: „Wir haben die Dorfmitte nach Draußen verlegt!“

Ich lasse mich nicht gegen andere Vereine ausspielen

Antragsteller Martin Heyne (Grüne)

Auch über den Gedanken einer Aufwertung des alten Feuerwehrhauses war Gerlsbeck nur bedingt begeistert: „Das ist ja fast nicht mehr sanierungsfähig.“ Heyne stellte am Ende klar: „Ich lasse mich nicht gegen andere Vereine ausspielen!“ Auch den Vorwurf eines unerfahrenen Vereins ließ er nicht so stehen: „Wir sind nicht auf der Brennsuppe daher geschwommen!“ Und überhaupt habe der Brotbackverein nur ein leerstehendes Haus mit Leuten und Leben füllen wollen – das sei keine „Raketenwissenschaft!“ Heyne zog den Antrag zurück, er will sich mit dem Verein beraten. Sein Vorschlag zum Schluss: Die mobile Brotback-Einheit sollte im alten Feuerwehrhaus eingestellt werden können, damit das Gebäude wenigstens vor dem kompletten Verfall gerettet werde.

Richard Lorenz

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