Geschlossen stehen die Auer Markträte hinter der Resolution gegen Rechts, die von Erika Wittstock-Spona (Fraktionsvorsitz FWG), Bürgermeister Karl Ecker und Martin Hellerbrand (Fraktionsvorsitz CSU/PFW; vorne v. l.) erarbeitet wurde. Das Papier soll nun von der Bevölkerung unterzeichnet werden. Foto: Forster

Entschieden die Stirn geboten: Au verabschiedet Resolution gegen Rechts

Au/Hallertau - Der Auer Gemeinderat hat sich mit einer Resolution klar gegen fremdenfeindliche Gesinnungen positioniert. Kernaussage: gegen Wegschauen - für Toleranz. Nun ist die Bevölkerung am Zug.

Als der letzte Tagesordnungspunkt zur Sprache kam, war mit einem Schlag die übliche unbeschwerte Stimmung in der Auer Gemeinderatssitzung verflogen. „Wir kommen jetzt zu einem ernsten Thema“, leitete Bürgermeister Karl Ecker am Dienstagabend ein. „Wer von uns wusste schon bis vor ein paar Tagen, dass die Zahl 88 ,Heil Hitler‘ bedeutet?“ Nach dem überraschenden „Outing“ eines Bekleidungsgeschäfts für rechtsradikale Mode mitten in Au hatte Ecker umgehend die Expertenhilfe zahlreicher Behörden, unter anderem aus dem Innenministerium, angefordert. Es folgte ein Crash-Kurs mit geballten Informationen zur rechtsradikalen Szene, zu Symbolen und zur Vorgehensweise, wie Nazis in einer ländlichen Gemeinde wie Au entschlossen und besonnen die Stirn geboten werden könne.

„Wir haben durch diesen Vorfall gemerkt: Unsere freiheitliche Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit“, mahnte Ecker. Er habe viele Anfragen von verunsicherten Bürgern erhalten, die wissen wollten, wie es weitergehe. „Es hat am Wochenende Gespräche mit dem Vermieter des Ladens gegeben“, sagte Ecker. „Der Laden ist nicht in seinem Sinne. Ich kann mich zu diesem Zeitpunkt nicht weiter dazu äußern.“ Der Vermieter sei jedoch aufgeschlossen und teile die Auffassung, dass Derartiges in Au nichts zu suchen hätte.

Als nächstes gehe es nun darum, die Bevölkerung aufzuklären, „vor allem die Jugend“, sagte Ecker. Dazu gebe es am kommenden Montag eine Veranstaltung, bei der Aus junge Bürger für das Thema sensibilisiert werde.

Um auch die erwachsene Bevölkerung aufzuklären und als Ort mit einer starken Stimme zu sprechen, unterzeichnete der Gemeinderat eine Resolution (siehe Kasten). „Es geht nicht nur um diesen speziellen Fall, sondern sie soll die Werte unseres künftigen Gemeindelebens ausdrücken.“ Das Papier soll nun an alle Vereine verteilt werden.

Auszüge aus der Auer Resolution:

- „Unser Markt Au in der Hallertau ist ein Ort, an dem Menschen unterschiedlicher Nationen und Kulturen mit unterschiedlichen Religionen friedlich zusammenleben. Die gegenseitige Achtung des Mitmenschen ist tragende Säule in unserem Gemeindeleben.“

- „Jede Form politischen Denkens und Handelns wird abgelehnt, welches die Menschen wegen ihrer ethnischen Herkunft, der sozialen Situation, ihres Geschlechts, (...) ihrer Weltanschauung oder ihrer sexuellen Orientierung gesellschaftlich ausgrenzt oder verachtet.“

- „Unterschiede werden bei uns als Bereicherung verstanden.“

- „Die aktuelle Gefahr, dass die rechtsextreme Szene in unserer Ortschaft Fuß fassen könnte, muss in voller Geschlossenheit verhindert werden. Dies hat keinen Platz in unserer Gemeinde.

- „Alle Bürger sind aufgefordert, sich aktiv mit Zivilcourage gegen diese Ideologie zu stellen.“

- „Wir alle müssen wachsam sein, hinschauen, aufklären und Vorbild sein.“

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