Erstmals zwei Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Freising

Erich Irlstorfer (CSU) und Johannes Huber (AfD) fahren nach Berlin

Dass CSU-Mann Erich Irlstorfer wieder seine Koffer nach Berlin packen darf, ist keine Überraschung. Doch er wird nicht allein in die Hauptstadt fahren: Johannes Huber aus Nandlstadt schwimmt auf der AfD-Welle auch nach Berlin.

Landkreis – Lange hätte das niemand für möglich gehalten. Und doch ist es gestern Realität geworden: AfD-Kandidat Johannes Huber aus Nandlstadt zieht über die Landesliste in den Bundestag ein. Huber war „emotional überwältigt“ und sprach von einer „Riesenchance, frischen Wind in den Bundestag zu bringen“. Hubers Einzug in den Bundestag ist historisch: Erstmals sitzen zwei Abgeordnete aus dem Landkreis im Bundestag.

Die schweren Verluste für CDU/CSU, die starken Gewinne für die AfD – dieses Bild hat sich auch im Landkreis Freising und im Wahlkreis 214 gestern Abend gezeigt: Die CSU brachte es bei den Zweitstimmen im Wahlkreis auf 39,7, Prozent, vor vier Jahren hatte man noch 51,8 Prozent erhalten. Und auch Bundestagsabgeordneter und „Titelverteidiger“ Erich Irlstorfer musste Verluste hinnehmen: 43 Prozent der Erststimmen vereinigte er auf sich, vor vier Jahren waren es noch 54 Prozent.

Gesprächsthema Nummer eins gestern Abend war freilich das Abschneiden der AfD und ihres Kandidaten Johannes Huber im Wahlkreis 214. Die AfD hatte offenbar in alle Wahlbezirke Beobachter zur Auszählung der Briefwähler entsendet, Huber selbst verfolgte das Auszählen in Nandlstadt, bevor er zur zentralen Wahlparty der AfD nach Ingolstadt fuhr.

Mehr als zehn Prozent hat Erich Irlstorfer als CSU-Direktkandidat im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren eingebüßt – ebenso wie seine Partei. Die AfD ist im Wahlkreis 214 mit nahezu 14 Prozent zur zweitstärksten politischen Kraft aufgestiegen. Bei den Direktkandidaten gelang es Andreas Mehltretter (SPD) gerade noch, am AfD-Mann vorbeizuziehen.

Im Sitzungssaal des Freisinger Landratsamts herrschte unterdessen keine Partystimmung. Der Schock über die Stärke der AfD auf Bundes- und Landesebene deutlich spür- und hörbar. Und es folgten weitere Momente erstarrter Mienen und Kopfschüttelns, als die Ergebnisse aus den Landkreis-Gemeinden eintrudelten: Dass Huber in seiner Heimatgemeinde Nandlstadt 19,1 Prozent der Erststimmen und die AfD 17,3 Prozent der Stimmen erhielten, damit hatte man fast schon gerechnet. Denn immer mehr kristallisierte sich heraus, dass die AfD hinter der CSU zweitstärkste politische Kraft werden könnte. Und das lag nicht nur an den Gemeinden im Landkreisnorden. Auch im Westen des Landkreises lag die AfD oft genug vor der SPD, den Grünen und der FDP. Beispiele: In Fahrenzhausen brachte es die AfD auf 14,6 Prozent, in Allershausen auf 11,6 Prozent. Dasselbe Bild im Landkreis Pfaffenhofen: 42,1 Prozent für die CSU, 46,1 Prozent für Irlstorfer – dahinter die AfD mit 15,2 und Huber mit 14,1 Prozent.

Huber blieb zwar meistens mit seinem Erststimmenergebnis hinter dem AfD-Ergebnis zurück. Platz 13 auf der bayerischen Landesliste, das Ergebnis der AfD in Deutschland und Bayern sorgten aber dafür, dass Huber als künftiger MdB heute um 17 Uhr in Berlin sein wird.

Während die AfD feierte, mussten die SPD und ihr Direktkandidat Andreas Mehltretter wieder einmal eine Schlappe hinnehmen: Gerade mal 12,4 Prozent für die Partei und 13,5 Prozent für Mehltretter ließen ernüchterte Genossen zurück. Viel zu ernten gab es auch nicht für die Grünen: 16,7 Prozent in Marzling und 18,3 Prozent in der Stadt Freising – am Ende kam die Partei im Wahlkreis auf 9,7 Prozent und Kandidatin Kerstin Schnapp auf 9,4 Prozent. Einen Achtungserfolg konnte FW-Bewerber Robert Weller mit 6,4 Prozent Erststimmen verbuchen. Die FDP wurde im Wahlkreis 214 mit 10,4 Prozent zweistellig.

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