Neujahrskonzert in Neufahrn 

Extravagantes Entertainment

Charmanter und eleganter als das Quartett Table for Two kann man Musikkabarett kaum auf die Bühne bringen. Die Altrocker Harry Kulzer (Piano), Wolfgang Opiz (Saxophon), Willy Lichtenberg (Bass) und Thomas Froschmaier (Schlagzeug) brannten beim Neujahrskonzert ein Feuerwerk an tonal aufbereiteten Pointen ab.

Neufahrn– Wer dermaßen den Blues hat, wer ihn genüsslich und penibel in seine Einzelteile zerlegen kann wie Table for Two, der muss sich nicht wundern, wenn das Publikum bisweilen Tränen lacht. Dafür sorgten diese vier ebenso launig wie spielfreudig zu Werke gehenden vier Routniers beim Neujahrskonzert – und das mit einem Programm, das sich mit den Genres spielte, das an Liedermacherschmäh, an den Rock ’n’ Roll der 1950er und 1960er Jahre sowie an die Zeiten erinnerte, in denen der Jazz hierzulande salonfähig wurde und man ihn nicht selten mit humorigen Avancen à la Paul Kuhn in Verbindung brachte.

Das kam beim Neujahrskonzert in der OMG-Aula ausnehmend gut an – auch und gerade deshalb, weil es nicht nur amüsant aufbereitet, sondern verdammt gut gemacht war. Kokettierend mit einem Fundus aus hunderten von Musikstücken, bei deren Auswahl das Publikum noch dazu eine große Rolle spielte, „jammte“ sich dieses lässig daherkommende Quartett durch die jüngere Musikgeschichte. Ausgefallene Instrumente wie eine Zigarrenkistengitarre oder ein Drummer, der als Chansonnier auftrat, taten ein Übriges.

Kein Zweifel, Table for Two schickte sich gerade an, in Neufahrn eine Gala-Vorstellung abzuliefern – nach einer längeren künstlerischen Pause und mitten in den Aufnahmen einer neuen CD, wie Saxophonist Wolfgang Opitz zwischen zwei Stücken preisgab.

Wie filigran die Männer zu Werke gingen, zeigte sich am nächsten Stück: „Nummer 122.“ Der Pianist blätterte kurz in seinem prall gefüllten Schnellhefter und begann sogleich zu klimpern, das Lied fingerfertig anzureißen. Es folgte ein Stück, das die Verbindung zwischen Mann und Frau beschreibt. Bei einem Paar, bei dem es zwar aus, aber noch lange nicht vorbei ist, wie Kulzer die beschwingte Ballade beschrieb.

Da war er wieder, dieser Rhythmus, bei dem so manches Pärchen gerne von seinen Sitzen aufgesprungen wäre und spontan eine Sohle auf’s Parkett gelegt hätte. So weit kam es aber dann doch nicht bei diesen gleichermaßen niveauvollen, wie amüsanten Neujahrskonzert 2018. Die gut 200 Zuhörer verliehen ihrer Begeisterung statt dessen mit lang anhaltendem Applaus Ausdruck.

Alexander Fischer

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