Ulrike Wilms

Nachhaltige Aktion 

Familien zeigen: Es geht auch ohne Plastik

Eching - Es geht auch ohne Plastik. Oder zumindest mit wesentlich weniger. Den Beweis treten derzeit Echinger Familien an. 

Samstag, Wochenend-Getümmel im Einkaufszentrum an der Schlesierstraße: Was ist denn da los? Die Kunden, die ihre Einkaufswagen Richtung Ausgang rollen, sind verdutzt: Vor der Entsorgungsstation für Karton, Papier und Folie hinter den Kassen sind Familien damit beschäftigt, alles aus ihrem Einkauf zu entfernen, was aus Plastik ist: Da werden Gurken von ihrer eng sitzenden Plastikhaut befreit und Nudeln aus Plastikbeuteln in Glasbehälter umgefüllt. Kartoffeln, Paprika oder Brot wandern aus der Plastikverpackung in mitgebrachte Papiertüten. Die durchsichtige Folie rund ums Klopapier bleibt gleichfalls im Müllbehälter des Supermarkts. Die einzelnen Rollen werden an einer Schnur aufgefädelt, richtig pfiffig sieht das aus. Gummibärchen kommen in eine nostalgische Blechdose, das eine oder andere wird gleich genascht. Im Laden zurück bleibt auch die Shampooflasche. Sinan Enßlin drückt den flüssigen Inhalt sorgfältig ins Schraubglas.

Seine Mutter Corinna hat das Thema „Plastik vermeiden“ nach Eching geholt und das noch junge Aktionsbündnis WUB („Was uns bewegt“) initiiert. Dieses hat, zusammen mit den Kooperationspartnern Alten- und Servicezentrum, Bücherei, Bund Naturschutz und last, but not least, der Volkshochschule, eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Ohne Plastik“ konzipiert, die über einen Zeitraum von mehreren Wochen geht. Dazu gehörte auch der gerade beschriebene „Anti-Plastik-Flashmob“, ebenso wie Vortrag, Film, Ausstellung und Mitmach-Aktionen – allesamt kostenlos. Damit wollen die Veranstalter in Eching über die schädlichen, globalen Auswirkungen eines uferlosen Einsatzes von Plastikmaterialien aufklären und Impulse zu einem Verzicht auf Kunststoffe und Plastikmüll geben – oder realistischerweise für eine Reduzierung werben.

Den Auftakt dazu machte, pünktlich zum neuen Jahr und damit noch in der „Ich-fasse-gute-Vorsätze-Phase“, die 43-jährige Soziologin Katrin Schüler mit ihrem Vhs-Vortrag „Leben im Plastik-Zeitalter – geht es auch ohne Plastik?“ Die Inhaberin des Münchner Ladens „Plastikfreie Zone“, lebt ganz konsequent ihr Lebensthema in einem plastikfreien „Parallelentwurf“. Ihre funktionierende Verkaufs-Strategie, von der sich immer mehr Menschen überzeugen lassen, lautet: qualitativ besser und langlebiger und umweltfreundlicher und gesünder zu sein, als der Plastikmarkt. Knapp 1000 „friedliche Artikel“ aus Holz und Hanf, Edelstahl, Pappe, Papier, Naturfasern stellen echte Alternativen dar, ohne Konsumverzicht. Rund 50 Interessierte erhielten eine Fülle von Anregungen und Tipps, wie sich das Prinzip „Weniger Plastik“ im Alltag umsetzen lässt – bis hin zum Einfrieren von festem Gefriergut in Baumwolltüchern.

Ulrike Wilms

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