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Meist scheitern die falschen Enkel mit ihrem Trick. Manchmal aber bringen sie Senioren dazu, ihr Konto leerzuräumen. Auch in Freising gab es so einen Fall.

Opfer der Betrugsmasche auch im Landkreis

Die fiesen Tricks der falschen Enkel

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Freising - Ihre Opfer sind meist alt und einsam: Mit dem sogenannten Enkeltrick versuchen Betrüger immer öfter, an die Ersparnisse von Senioren heranzukommen. Der falsche Verwandte kann für Leichtgläubige und Gutmütige zur existenziellen Bedrohung werden.

Als bei Beate K., 58 (Name geändert), im Oktober das Telefon schrillt, ahnt sie nicht, was für ein Unheil sich da anbahnt. Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine Frau, die sich als Familienangehörige aus Baden-Württemberg ausgibt. Sie spricht sogar im badischen Dialekt. Aus einem Telefonat werden zwei, schließlich drei. Erst nach und nach erklärt die vermeintliche Verwandte der Freisingerin, dass sie dringend 38 000 Euro für einen Immobilienkauf im Rahmen einer Zwangsversteigerung benötige, und bittet Beate K. um das Geld. Mit Erfolg. Die Freisingerin geht zur Bank, räumt ihr Konto leer und vereinbart ein Treffen für die Übergabe. Erst im letzten Moment wird sie unsicher und lässt den Termin platzen.

Beate K. ist kein Einzelfall. Der sogenannte Enkeltrick erfreut sich bei Betrügern wachsender Beliebtheit. Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord verzeichnete 2015 gegenüber dem Vorjahr fast eine Verdreifachung dieser Masche. Opfer sind dabei fast immer ältere und alleinlebende Menschen. Personen, die niemanden haben, mit dem sie sich beraten können. Die manchmal auch an Seh- und Hörschwäche leiden.

Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder ähnlichen Formulierungen melden sich die überregional agierenden Täter am Telefon. Sie geben sich als Enkel, anderweitige Verwandte oder auch als gute alte Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Autokauf oder, wie im Fall von Beate K., ein Immobilien-Deal. Oft werden die Betroffenen durch mehrfache Anrufe unter Druck gesetzt. Ist das Opfer weichgeklopft, wird ein Bote zur Abholung angekündigt.

Immerhin: Die Aufklärungsarbeit der Polizei zeigt Wirkung. Obwohl die Zahl der Anrufe von Trickbetrügern drastisch zugenommen hat, blieben im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Oberbayern Nord 98 Prozent der im Jahr 2015 angezeigten Fälle erfolglos – auch weil die Betroffenen den Trick inzwischen kennen. „Viele riechen den Braten von Anfang an und wimmeln den Täter gleich ab“, sagt Michael Ertl, stellvertretender Leiter der PI Freising. „Andere durchschauen die Situation nicht sofort, wenden sich aber gerade noch rechtzeitig an uns.“ So wie Beate K.

Doch nicht alle haben dieses Glück. Und wer nicht rechtzeitig die Reißleine zieht, den erwischt es meist heftig. Bei zwei von 66 Fällen in den Landkreisen Freising, Erding und Ebersberg waren die Betrüger 2015 mit dem Enkeltrick erfolgreich. Eine Rentnerin aus Erding wurde vom falschen Verwandten um 15 000 Euro gebracht, eine Seniorin aus Freising gar um 20 000 Euro. In beiden Fällen flog die Geschichte bei der Familie erst ein paar Tage danach auf. Zu spät für die Polizei, noch zu helfen. „Sobald die Geldübergabe stattgefunden hat, haben wir kaum mehr eine Chance“, sagt Ertl. Daher sei die Aufklärungarbeit auch so wichtig.

„Bisher konnten wir noch keinen Täter festnehmen“, berichtet der Vize-PI-Chef. Einmal aber war die Freisinger Polizei dicht davor. Die fingierte Geldübergabe war bereits verabredet. Doch bevor die Falle zuschnappen konnte, wurde der Betrüger offenbar argwöhnisch: Er blieb dem Tatort fern. „Bei dem geplanten Treffen war aber kein Geld im Spiel“, stellt Ertl klar. „Die Polizei würde niemals vom Opfer verlangen, so ein Risiko einzugehen.“

Deutliche Worte, die nicht von ungefähr kommen und uns zu Beate K. zurückbringen. Nachdem die 58-Jährige sich geweigert hat, zum Treffen zu erscheinen, klingelt mal wieder das Telefon. Diesmal ist ein hochdeutsch sprechender Mann am Hörer. Der stellt sich als Kripobeamter der Freisinger Polizei vor und erklärt ihr, was sie schon wusste: dass sie gerade Opfer einer Trickbetrügerin geworden sei. Die Bitte des Beamten-Blöffers: Sie soll bei einem erneuten Anruf der Frau zum Schein auf ein Treffen eingehen, damit die Polizei die Dame bei der Übergabe festnehmen könne.

Aber nicht mit Beate K.. Nicht mehr. Die lässt sich kein zweites Mal reinlegen. Das Geld lässt sie da, wohin sie es zurückgebracht hat: auf ihrem Konto. Die falschen Enkel waren mit ihrem Latein am Ende.

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