Alternativen zur Milbenbekämpfung

Fipronil-Eier: Das sagen die Landkreis-Produzenten dazu

Der Fipronil-Skandal schreckt in Deutschland immer mehr Konsumenten vom Eierkauf ab, die Verkaufszahlen sinken. Die Freisinger Eierproduzenten bemerken davon bisher noch nichts. Aus ihrer Sicht gibt es für das Kontaktgift Fipronil ohnehin viel bessere Alternativen.

Landkreis Michael Riedl aus Thurnsberg bei Kranzberg führt mit insgesamt 4000 Hennen einen eher kleinen Betrieb. Dafür ist bei ihm „alles Bio“. Aktuell spürt er noch keine großen Auswirkungen des Skandals, allerdings befindet sich sein Betrieb momentan eh in der schlechteren Jahreshälfte: „Im Sommer verkaufen wir meistens weniger als im Winter. Das liegt zum einen an den hohen Temperaturen, zum anderen sind viele Leute im Urlaub und kaufen weniger ein.“ Riedl schätzt, erst in einem halben Jahr die Folgen für seinen Betrieb ganz abschätzen zu können.

Der Michael-Riedl-Geflügelhof hatte bisher noch keine Probleme mit verseuchtem Futter oder Ähnlichem – die Landwirtschafts- und Veterinärämter würden regelmäßig Proben nehmen. Riedl benutzt statt Anti-Milben-Mittel, in dem das Biozid Fipronil (ein Kontaktgift, das auch gegen Ackerschädlinge und Parasiten verwendet wird) gefunden wurde, sogenannten Silikatstaub, eine Mischung aus Natursand und Urgesteinsmittel. „Das ist aber viel zeitaufwändiger und damit nicht geeignet für Großbetriebe. „Wenn die Verbraucher immer billigere Produkte haben wollen, sind sie selbst schuld“, sagt Riedl. Seiner Meinung nach wird der Fipronil-Skandal nicht der letzte in der Eier-Branche sein, denn „solange es Menschen gibt, wird es Skandale geben“.

Ähnlich sieht Sebastian Schranner vom Goglhof in Hörgertshausen die Lage. Allerdings gibt er nicht nur den Verbrauchern, sondern auch den großen Discountern die Schuld: „Es herrscht ein enormer Preisdruck. In den meisten Discounter-Verträgen steht, dass Mengen nach Bedarf geordert werden. Das muss erfüllt werden, sonst drohen Kontraktstrafen.“ Diese Mengen können laut Schranner oftmals nicht bewerkstelligt werden – beispielsweise an Ostern – und zwingen manche Produzenten, auf die zeit- und kostensparende Verwendung von Fipronil zurückzugreifen.

Der Goglhof verzichtet, genauso wie der Michael-Riedl-Geflügelhof, auf chemische Anti-Milben-Mittel. Schranner verwendet Pflanzenöle aus Soja. Gifte möchte der Eierproduzent nicht in seinen Ställen haben, da er nie sicher sein kann, dass keines seiner 30 000 Hühner damit in Berührung kommt. Mit Einbußen bei den Eier-Verkaufszahlen rechnet er nicht, auch wenn alles momentan noch ziemlich unübersichtlich ist. Schranner: „Die Leute vertrauen auf die regionale Produktion und wissen, dass wir keine Gifte in den Hühnereiern haben.“

Trotzdem ist der Skandal seiner Meinung nach ungünstig für die gesamte Eier-Branche. Deshalb hofft er, dass der Hersteller des Anti-Milben-Mittels zur Rechenschaft gezogen wird. Aber: „Die Milben sind da, und es muss etwas dagegen unternommen werden. Trotzdem ist Fipronil keine Lösung. Wir hoffen alle auf ein Wundermittel.“

Auch wenn sich der Fipronil-Skandal hauptsächlich in den Niederlanden abspielt, werden wohl bald auch große deutsche Produzenten die Auswirkungen zu spüren bekommen. Wie die Pressesprecherin des Landratsamts Freising, Eva Dörpinghaus, berichtet, wurde das Freisinger Veterinäramt vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz aufgefordert, die ansässigen Geflügelgroßbetriebe zu überprüfen. Es soll festgestellt werden, ob auch dort Desinfektionsmaßnahmen mit Fipronil durchgeführt worden sind.

Für den Landkreis hat das kaum Auswirkungen, da es „keine solchen Geflügelgroßbetriebe gibt“, wie Dörpinghaus berichtet.“ Es lägen zudem generell für keinen Freisinger Betrieb „Anhaltspunkte vor, dass sie Fipronil verwenden: Daher sind dort keine gezielten Kontrollen geplant“.

Unter den Freisinger Bürgern herrsche noch keine große Verunsicherung, hieß es auf Anfrage. Laut Eva Dörpinghaus hat das Landratsamt bisher kaum Nachfragen von verunsicherten Verbrauchern erhalten.

Katharina Kiesel

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