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Vier Gegenspieler können ihn nicht aufhalten: Jetzt spielt Jimmy Moro (weißes Trikot) Doppelpass mit der Kirche.

Fußballer soll abgeschoben werden 

Flüchtling aus Nandlstadt: Die Kirche ist Jimmys letzter Zufluchtsort

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Nandlstadt - Jimmy Moro hatte bisher viel Grund zu jubeln. Für den TSV Nandlstadt schoss er etliche Tore. Doch bei den Behörden steht der 20-jährige Nigerianer im Abseits. Er soll abgeschoben werden. Doch Jimmy hat gute Verteidiger.

Es ist der 18. September. Der TSV Nandlstadt spielt gegen den SVA Palzing vor heimischem Publikum. Es steht 4:4, die letzte Minute auf der Uhr läuft gerade ab. Der Held des Tages für den TSV steht bereits fest: der Nigerianer Jimmy Moro mit seinen drei Toren. Dann passiert es: Die Palzinger Abwehr ist chancenlos – Moro gelingt in letzter Sekunde das 5:4. Seine Mitspieler rennen jubelnd auf ihn zu, die Zuschauer reißen die Arme in die Höhe. Ihr Jimmy hat ihnen gerade drei Punkte gesichert – und vier Tore geschossen. Viele mehr sollten folgen – zumindest bis Ende November. Dann erhält der Fußballer einen Bescheid zur Abschiebung nach Polen.

TSV-Vorsitzender Andreas Steininger berichtet: „Wir haben sofort eine Stellungnahme an die Regierung geschrieben.“ Darin lobt der Verein den jungen Mann, beschreibt, wie sehr er sich integriert hat. Die Teamkollegen stehen alle hinter ihm – sie haben ihn im März 2016, als er sich zum ersten Mal in Nandlstadt blicken ließ, komplett mit Trainingsklamotten ausgestattet. „Die Jungs haben da super zusammengeholfen“, sagt Abteilungsleiter Sebastian Löffler. Nandlstadts Coach Mike Tafelmaier kann nur Positives berichten: „Der Jimmy ist einfach ein guter Mensch.“ Bei den Arbeitseinsätzen war er immer dabei, in den Trainings sowieso – „voller Freude am Sport“. Der TSV hat ihm auf seinem Weg in die Normalität immer wieder unter die Arme gegriffen – der Bescheid war für alle ein Schock.

Pfarrer Stefan Rauscher ist für Jimmy Moro zum Retter geworden.

Derzeit ist der 20-Jährige im Pfarrhaus in Attenkirchen untergebracht – bei Pfarrer Stephan Rauscher. Kirchenasyl könnte man sagen – „das ist aber kein rechtlicher Begriff“, wie der Geistliche erklärt. Die Behörden respektieren die Kirche trotzdem als heiligen Ort, doch würde Jimmy Moro das Gelände verlassen, könnte er jederzeit einkassiert und abgeschoben werden. Sitzt er aber sechs Monate Frist nach der Zustellung des Bescheids ab, kann er einen neuen Asylantrag stellen – und nicht mehr in ein Drittland abgeschoben werden, erklärt Pfarrer Rauscher. Dann stellt sich nur noch die Frage: Deutschland oder Nigeria? Diese Frist läuft Ende April ab.

Das heißt aber auch, dass Moro dem TSV Nandlstadt in der Rückrunde auf jeden Fall zu einem großen Teil fehlen wird. „Das tut der Mannschaft natürlich weh“, sagt Tafelmaier. Nicht nur sportlich, auch auf persönlicher Ebene. Der Jimmy ist ein Spezl geworden, ein echter TSVler. „Er hat sich hier einen Freundeskreis aufgebaut“, sagt Pfarrer Rauscher. Trotz der Belastung macht Jimmy Moro aber „einen guten Eindruck“ auf ihn. Und der ganze TSV Nandlstadt hofft, dass die Geschichte zu einem guten Ende kommt.

Kommentar:

Der Fall Jimmy Moro zeigt, woran unser System in Sachen Asyl krankt. Menschen, die sich einbringen, die sich integrieren, die all das machen, was von der Regierung so vehement gefordert wird, sollen abgeschoben werden – und das nur aufgrund ihrer Herkunft. Das Individuum ist offensichtlich keinen Pfifferling wert. Warum soll man jemanden wie Jimmy abschieben? Weil er aus dem falschen Land kommt? Es wird Zeit, dass der Mensch anhand seiner Taten beurteilt wird – und nicht aufgrund seiner Herkunft. Hier ist der Fall, vor dem CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer ja schon fast panische Angst hat: „Der fußballspielende, ministrierende Senegalese, den man nie wieder los wird“ – Jimmy ist zwar Nigerianer, und er ministriert auch nicht. Aber er spielt Fußball, ist bestens integriert und hat eine Heimat gefunden. Jimmy ist jemand, der bleiben sollte – nicht nur, weil er sich gut eingefunden hat, sondern auch, weil er Nandlstadt bereichert – sportlich wie menschlich. Als Fußballer sag’ ich: Wir sehen uns auf dem Platz, Jimmy!

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