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Ausblick auf 2016

Flüchtlinge sind nicht das einzige Thema

Kirchdorf - Von drei großen Projekten spricht Kirchdorfs Bürgermeister Uwe Gerlsbeck: das Feuerwehrhaus in Wippenhausen, den Radweg nach Burghausen und das Flüchtlingsheim für bis zu 48 Asylbewerber. Diese drei Dinge werden das Jahr 2016 bestimmen.

Das Jahr fing gut an: In der ersten Gemeinderatssitzung haben die Kirchdorfer Bürgervertreter die Pläne für das vieldiskutierte Feuerwehrhaus in Wippenhausen auf den Weg gebracht – einstimmig. „Wir haben uns jetzt auf eine Art der Bebauung geeinigt, in der sich alle wiederfinden“, sagt Uwe Gerlsbeck im FT-Gespräch. Die abgespeckten Pläne haben die kritischen Stimmen, die es immer wieder gab, beruhigt. Im Frühjahr kann’s losgehen. „Ich hoffe, dass wir das Projekt in zwei Jahren geschultert haben“, betonte der Rathauschef mit dem Verweis auf „sehr viel Eigenleistung“. Das ist das Großprojekt Nummer eins.

Ein weiteres großes Thema in Kirchdorf ist die Flüchtlingsunterkunft; die Containeranlage, in der bis zu 48 Menschen vorübergehend ein Zuhause finden sollen, soll am 1. März bezugsfertig sein. Kirchdorf ist eine von wenigen Gemeinden noch ohne Asylbewerberheim. Da die Gemeinde selbst über kein geeignetes Grundstück verfügte, machte sich Gerlsbeck im vergangenen Jahr auf die Suche nach einem privaten Investor. Ob es im Vorfeld Probleme gab? „Im Großen und Ganzen ging alles sehr harmonisch über die Bühne“, sagt der Bürgermeister. Freilich, es sei für die Menschen etwas Neues, das da auf sie zukomme. Anfeindungen – etwa dem Grundstückseigentümer gegenüber – habe es nicht gegeben. Und die Ängste und Sorgen dem Unbekannten gegenüber habe man versucht, in einer Bürgerinfoveranstaltung auszuräumen. „Wenn nur jede Bürgerversammlung so gut besucht wäre . . .“, sagt Gerlsbeck.

Wenn der Flüchtlingsstrom nicht abreiße, habe man mit der Unterkunft, die in ein paar Wochen in Betrieb geht, das Jahrespensum erfüllt. Aber in der Thematik sei es schwer, Prognosen abzugeben. „Ich lasse es auf mich zukommen und reagiere, sobald es nötig ist.“Auch wenn der Gedanke schon sein müsse, die Flüchtlinge auf die Einwohnerzahl gerechnet prozentual gleichmäßig auf die Kommunen zu verteilen. Die Unterbringung der Flüchtlinge – Großprojekt Nummer zwei.

Und dann wäre da noch der Radweg von Kirchdorf nach Burghausen. Zwei Kilometer ist er in etwa lang. Seit Jahren ist das Projekt in der Schwebe. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab. Man habe sich mit dem Landratsamt auf eine Trasse geeinigt, was gar nicht so leicht gewesen sei. Denn die Untere Naturschutzbehörde hätte es lieber gesehen, die Straße einmal zu kreuzen und den Weg auf der anderen Seite weiterzuführen. Gerlsbeck und seine Mitstreiter waren davon nicht begeistert. „Wir hatten hier große Unterstützung des Landrats, so dass wir jetzt auf einer Straßenseite bleiben können.“ Im Frühjahr sollen nun die Grundstücksverhandlungen beginnen. Großprojekt Nummer drei: „Ich hoffe, dass uns keiner mehr Steine in den Weg legt.“

Ein weiteres Thema, das jedoch immer aktuell sei, ist die Ausweisung von Baugebieten. „Die Nachfrage im Großraum München ist einfach nicht stillbar“, weiß Gerlsbeck. Damit will sich der Gemeinderat intensiv beschäftigen. Und zwar fernab des Sitzungssaals, in einer Klausturtagung. Wobei Gerlsbeck hier das Wort „Workshop“ besser gefällt, denn: „Da soll richtig an einem Konzept gearbeitet werden.“ Darin wird festgelegt, wie die Gemeinde sich entwickeln soll.

Was das Klima im Gemeinderat, die Streitkultur angeht, ist Uwe Gerlsbeck davon überzeugt, schon gut zusammengewachsen zu sein. „Wir diskutieren sehr offen und konstruktiv.“

Und dann ist da noch was, was der Bürgermeister loswerden will: In der ganzen Asyldebatte müsse jedem klar sein, dass ohne die unbeschreiblich große Unterstützung durch Ehrenamtliche alles zusammenbrechen würde. „Ein Großteil lastet auf deren Schultern.“ In Kirchdorf sei das nicht anders. Schon jetzt stehen Helferkreise in den Startlöchern, es gibt eine Kleiderkammer, eine Fahrradwerkstatt und man hat schon Sprachkurse für die Neubürger organisiert. Ehrenamtlich. Solidarisch.

Andrea Schillinger

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