Projekt in Langenbach

Modell-Unterkunft in Holzbauweise

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Langenbach – Sie kommen in Turnhallen, Containern oder Traglufthallen unter. Im Landkreis Freising wartet auf die Flüchtlinge etwas anderes. Dort ist eine Unterkunft entstanden, die als Modell für ganz Bayern gelten kann.

Es soll „eine neue Heimat auf Zeit“ sein, sagt der Freisinger Architekt Reinhard Fiedler. Und tatsächlich: Schon von außen macht die Flüchtlingsunterkunft in Langenbach Eindruck. Grün und Blau bestimmen die Fassade, große Fenstertüren und ein umlaufender Balkon prägen den Bau, alles wirkt hell und freundlich. Und dieses Gefühl setzt sich im Inneren fort. In rund zwei Wochen wird das Gebäude an die Regierung von Oberbayern übergeben. 78 Asylbewerber sollen dort eine „würdige Unterbringung“ bekommen.

Gemeinsam mit dem Kranzberger Bauunternehmer Andreas Adldinger hat Fiedler den zweigeschossigen Holzbau realisiert. Zunächst ist das, was nach nur vier Monaten Bauzeit jetzt kurz vor der Fertigstellung steht, eine Flüchtlingsunterkunft, die nach den Vorgaben der Regierung errichtet wurde: Zimmer für zwei Personen mit 15 Quadratmetern, Duschen und WCs, Gemeinschaftsküchen, Aufenthaltsräume – alles, was Asylbewerber brauchen und entsprechend der Vorgaben haben dürfen, ist vorhanden. Manche Zimmer sind durch eine Zwischentür verbunden, können also mit Familien belegt werden. Aber schon die Tatsache, dass es im ersten Stock einen rund um das Gebäude laufenden und von jedem Raum aus zugänglichen Balkon gibt, ist etwas Besonderes. „Die Flüchtlinge wollen ja auch mal draußen sitzen“, sagt Fiedler.

Der eigentliche Clou ist aber, dass das Haus so geplant und gebaut wurde, dass später einmal viele Wände herausgenommen werden können und ein Umbau des Komplexes ohne großen Aufwand möglich ist. Sogar ein Stockwerk mehr könnte man noch draufsetzen.

Das sei deshalb wichtig, weil dieser Holzbau eine Lebensdauer von 50 Jahren haben soll und nicht immer eine Flüchtlingsunterkunft sein dürfte. Wie das Gebäude später genutzt werden könnte? „Denkbar ist vieles“, sagt Adldinger. Und Fiedler zählt auf: Einen Kindergarten könne man einmal aus dem Gebäude machen, möglich sei auch die Nutzung als Obdachlosenunterkunft. Oder wieso kein Studentenwohnheim? Auch eine Büronutzung können sich Architekt und Bauherr später vorstellen – oder auch die Heimat für eine Volks- und Musikschule.

Momentan freilich steht sowohl für Fiedler und Adldinger als auch für die Politiker, die sich das Modellprojekt angeschaut haben, die würdige Unterbringung von Flüchtlingen im Vordergrund. Schluss mit „Abschottungsarchitektur“, sagt Fiedler über das Projekt, das rund 2,5 Millionen Euro gekostet hat und anders als andere Flüchtlingsunterkünfte eben kein Beweis für das ist, was Fiedler „die trostlose Unfähigkeit des kommunalen Bauens“ nennt.

Der Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmerhandwerks hat der Unterkunft in Langenbach Modellcharakter bescheinigt und die Technische Universität München präsentiert das Projekt bei den Münchner Tagen für nachhaltiges Landmanagement. Noch etwas ist beispielhaft: Gleich neben der Unterkunft werden ein Bolzplatz und Beachvolleyballplatz angelegt, an denen sich Flüchtlinge und Einheimische treffen sollen – zur gelebten Integration.

Tag der offenen Tür

Am Samstag, 30. Januar, können Interessierte das Gebäude von 12 bis 16 Uhr besichtigen. Bürgermeisterin, Investor und Architekt stehen für Fragen zur Verfügung.

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