Lufthansa

Falschgeld an Bord

Flughafen - Die Blütenträume eines 47-Jährigen verpufften an Bord einer Lufthansa-Maschine. Eine Flugbegleiterin erkannte das Falschgeld. Jetzt muss der Mann blechen.

Respekt vor der Aufmerksamkeit einer LH-Stewardess: Sie erkannte vier Hunderter, die sie beim Verkauf zweier Uhren erhalten hatte, als Blüten und brachte den 47-jährigen Passagier damit in die Verlegenheit, deren Herkunft erklären zu müssen.

Am 14. Oktober 2014 flog der Kraftfahrer türkischer Herkunft in Begleitung nach einem Urlaub in der Türkei von Ankara aus nach München. In luftiger Höhe kaufte er eine Damen- und eine Herrenuhr im Gesamtwert von 361 Euro und gab dafür vier Hundert-Euro-Scheine her.

Es waren schlappe Lappen, wie sich herausstellen sollte, und die Umstände waren merkwürdig. So hatte der Mann zunächst seinen Begleiter gebeten, die Uhren zu kaufen, weil er dringend auf die Toilette müsste. Der wies die Flugbegleiterin aber nur auf das Kauf-Interesse seines Freundes. Die Stewardess entsann sich zudem, dass ihr der Passagier vier Hunderter gab, die in der Mitte gefaltet waren.

Zu der „Vielzahl merkwürdiger Umstände“, so die Staatsanwältin, gehörte auch die Tatsache, dass der Angeklagte noch 1095 Euro echtes Bargeld in der Brieftasche hatte, darunter sechs ungefaltete Hunderter. Merkwürdig ebenfalls, dass sich die Uhren im Einkaufsbeutel seines Freundes fanden, als die Polizei die beiden erwartete. Dieser konnte sich dies nicht erklären, kündigte aber seinem Bekannten die Freundschaft. Die Untersuchung am Flughafen sei ihm überaus peinlich gewesen, zumal ihn seine Eltern abholen wollten und zusehen mussten, wie er abgeführt wurde.

Der Angeklagte selbst verweigerte die Aussage und ließ seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Fauth aus Landshut, nur erklären, dass er keine Kenntnis von den Falsifikaten hatte. Über deren Herkunft gibt es unterschiedliche Aussagen. Erste Angaben, dass er sie von einer Bank erhielt, korrigierte der Angeklagte rasch. Er habe die Geschäftsbeteiligung an einem Hotel aufgelöst, fiel ihm dann ein. Die Auszahlung in Lira habe er durch Einkäufe umgesetzt, bei denen er sich das Wechselgeld in Euro auszahlen ließ.

Woher die Scheine wirklich stammen, konnte auch der Sachverständige nicht restlos klären. Immerhin aus einer Quelle, die sich doch Mühe gab. Statt einfach Papier zu verwenden, wurden zwei dünne Papierlagen zusammengeklebt, um Griffigkeit zu erzeugen. Dazwischen waren der Sicherheitsstreifen und das Hologramm eingedruckt. Eine „überdurchschnittliche Fälschung“, so der Experte. Von der Fleißarbeit seien seit 2012 rund 450 Stück in Europa aufgetaucht, in Bayern jedoch nur zwei bis drei Stück pro Jahr.

Dass sein Mandant Kenntnis von einer Fälschung hatte, sei nicht nachweisbar, so Rechtsanwalt Fauth. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Björn Schindler sah dies jedoch als erwiesen an und verurteilte den Angeklagten zu 90 Tagessätzen je 30 Euro. Dabei kam ihm zugute, dass er einerseits nicht vorbestraft ist, andererseits kein Schaden entstand. Uhren und (echtes) Wechselgeld wurden zurückgegeben.

von Gerd Seidel

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